Neuer CDU-Generalsekretär Tauber Peter wer?

So kann die CDU auch aussehen: Mit Peter Tauber wird ein frisches Gesicht Generalsekretär der Partei. Der 39-Jährige soll die Öffnung zu den Grünen voranbringen und trifft einen anderen Ton als viele Parteifreunde. Kostprobe: Politik brauche mehr Punk.

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Künftiger CDU-Generalsekretär Tauber: Ein junges Gesicht für die Partei
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Künftiger CDU-Generalsekretär Tauber: Ein junges Gesicht für die Partei


Berlin - Peter Tauber? Wer ist das? Selbst in der CDU sind manche am Tag nach der Ernennung des neues Generalsekretärs ratlos. "Da ergeht es Ihnen wie der Partei - die Hälfte kennt ihn nicht", sagt ein CDU-Bundestagsabgeordneter.

Tauber, 39 Jahre alt, soll künftig für CDU-Chefin Angela Merkel vom Konrad-Adenauer-Haus aus die Wahlkämpfe organisieren, der Partei neue Ideen nahebringen, sie für junge Menschen öffnen. "Ein guter Mann, wirklich", freut sich ein führender Unionsmann. Im April soll die CDU auf ihrem Bundesparteitag, kurz vor der Europawahl, Tauber förmlich ins Amt wählen.

An Selbstbewusstsein mangelt es Tauber, der auf den an die Spitze des Gesundheitsministeriums wechselnden Hermann Gröhe folgt, nicht. Als Merkel ihren neuen Generalsekretär in der Parteizentrale in Berlin den Medien vorstellte, hielt Tauber eine kurze Ansprache und benannte drei Ziele seiner künftigen Arbeit: die Unterschiede zum Koalitionspartner SPD herausarbeiten, die Mehrheit der Menschen für die CDU begeistern und die kommende Europawahl vorbereiten.

Mit der Wahl von Tauber hat Merkel einen geschickten Schachzug getan. Denn der Landesverband Hessen, aus dem der promovierte Historiker stammt, ist auf Ministerebene im Kabinett nicht mehr vertreten, zuletzt hielt Familienministerin Kristina Schröder für das Bundesland in der Bundesregierung die Stellung.

Seine Trümpfe: liberal und online

Tauber ist zudem ein Mann, der für Merkels neue CDU zugeschnitten ist: Er ist offen, liberal - und im Internet unterwegs. Mit einem eigenen Blog, der selbstironisch "Schwarzer Peter" heißt, hat der Bundestagsabgeordnete sich in den vergangenen Jahren in Debatten eingeschaltet. Merkel stellte ihn deshalb auch mit den Worten vor, Tauber dürfte den meisten aus den sozialen Netzwerken bekannt sein. In der Tat ist er nicht nur einer der fleißigsten Twitter- und Facebooknutzer der Union (mehr als 12.000 Tweets). Vor allem trifft er im Gegensatz zu etlichen Kollegen dabei einen frischen Ton.

So meldete er sich am Sonntagabend als designierter Generalsekretär auf Twitter so zu Wort: "Ich freue mich auf die neue Aufgabe in meiner CDU. Wenn alle mitmachen wird das richtig gut! Danke für das Vertrauen und Hurra!" Am Montagmorgen um 4.48 Uhr schickte er diese Kurzbotschaft raus: "Allen eine gute Woche. Mein Montag beginnt etwas früher als sonst. Um mit Ulrich von Hutten zu sprechen: Wohlauf, ist Zeit wir müssen dran!"

Im Netz ist Tauber nicht nur zu Wahlkampfzeiten persönlich ansprechbar, stellt sich Kritik und weiß, wie er mit Shitstorms umzugehen hat. Er geht in seiner positiven Bewertung sehr weit. In einer Facebook-Werbebroschüre ließ er sich mit dem Satz zitieren, er sehe in Facebook "ein Instrument zur permanenten Meinungsumfrage".

Taubers Duzfreund bei den Grünen

Vor allem aber: Inhaltlich steht Tauber für eine CDU, die sich in den kommenden Jahren trotz der Großen Koalition nicht auf die SPD festlegen lassen will. Schon auf dem Kleinen Parteitag vergangene Woche hatte sich Merkel sehr wohlwollend über die schwarz-grünen Koalitionsgespräche in Hessen geäußert und dem CDU-Ministerpräsidenten Volker Bouffier zugerufen, wenn dieser eine solche Koalition zustande bekäme, fänden "wir das auch nicht schlecht".

Tauber wohl auch. Erst kürzlich hatte er sich positiv über die Gespräche mit den Grünen in seinem Bundesland geäußert. "Das kann ein Modell für den Bund werden." Mit dem Landes - und Fraktionschef der Grünen in Hessen, Tarek Al-Wazir, duzt er sich. Und der sagte kürzlich über ihn: "Das ist keiner von den Bösen." Was wiederum ironisch gemeint war - denn Hessen galt jahrzehntelang als Hochburg der Konservativen in der Union, die sich zuerst an der SPD und später an SPD und Grünen abarbeiteten.

Doch auch in Hessen, aus dem einst Bundesinnenminister Manfred Kanther mit markigen Sprüchen gegen SPD und Grüne im Lande kämpfte, hat die Merkel-CDU für ideologische Aufweichungen gesorgt. Und Tauber praktizierte einen offenen Stil - kaum war er vor zwei Jahren in seinem Kreisverband Main-Kinzig zum Vorsitzenden gewählt, machte er einen Kassensturz, der Verbindlichkeiten von 115.000 Euro offenbarte. Tauber verordnete einen strikten Sparkurs.

Im Bundestag gehörte Tauber zu jenen jungen Unions-Kräften, die sich mitunter auch mal einen eigenen Kurs erlaubten. Als das umstrittene Leistungsschutzrecht im Internet verabschiedet wurde, stimmte er als einer von zwei Unions-Parlamentariern mit Nein.

Als Tauber vor einem Jahr in einem Interview der "Welt am Sonntag" gefragt wurde, ob die Politik "mehr Punk" brauche, gab er eine Art Lebensmotto ab. "Auf jeden Fall! Ich finde es gut, wenn sich Leute trauen, auch mal abseits der ausgetretenen Wege zu denken und zu sprechen."

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insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
tiit 16.12.2013
1. Es ist nicht
mehr "Punk" in der Politik notwendig! Sondern: Ehrlichkeit und Klarheit gegenüber den Wählern!
regreub 16.12.2013
2. Mehr Punk
Zitat von tiitmehr "Punk" in der Politik notwendig! Sondern: Ehrlichkeit und Klarheit gegenüber den Wählern!
Wer weiß, vielleicht gilt Tauber schon bald als der große Kopf unter den Politikern, der den denkwürdigen Ausspruch prägte, man wolle "mehr Punk wagen"...
Zores 16.12.2013
3. Schwach
Zitat von sysopDPASo kann die CDU auch aussehen: Mit Peter Tauber wird ein frisches Gesicht Generalsekretär der Partei. Der 39-Jährige soll die Öffnung zu den Grünen voranbringen und trifft einen anderen Ton als viele Parteifreunde. Kostprobe: "Politik braucht mehr Punk." http://www.spiegel.de/politik/deutschland/peter-tauber-soll-als-neuer-cdu-generalsekretaer-partei-oeffnen-a-939328.html
Politik braucht keine twitternden Weichspüler, die platte Phrasen am laufenden Band dreschen können, sondern Leute mit Arsch in der Hose, die auch hochbrisante Themen anpacken und dabei nicht permanent ihre Wahl zur nächsten Legislaturperiode und die eigenen Versorgungsansprüche im Fokus haben. Ein Terrier der Kante zeigt wird das sicher nicht.
Wunderläufer 16.12.2013
4. Abwarten
"..auch mal abseits der ausgetretenen Wege zu denken und zu sprechen.." Das ist die Mindestvoraussetzung, falls man Neuland erkunden will
Das Groschengrab 16.12.2013
5. Fernseh-Politiker.
Zitat von tiitmehr "Punk" in der Politik notwendig! Sondern: Ehrlichkeit und Klarheit gegenüber den Wählern!
Die Meisten, die nicht müde werden Politiker zu kritisieren kennen doch gar keinen persönlich, sondern bestenfalls aus dem Fernsehen. Bisher hat mir noch jeder Politiker ehrlich und klar geantwortet. Man muß sie lediglich fragen.
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