Schießtraining mit Rechtsextremen in Südafrika AfD-Mann soll sich vor Fraktionsspitze erklären

Der AfD-Abgeordnete Petr Bystron traf sich mit südafrikanischen Rassisten zum Schießen. Die Kritik aus anderen Parteien ist heftig, nun will auch seine Fraktion mehr zu der Reise wissen.

Petr Bystron (Archiv)
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Petr Bystron (Archiv)


Die Reise des AfD-Obmanns im Auswärtigen Ausschuss, Petr Bystron, nach Südafrika wird auch in der AfD-Bundestagsfraktion Thema sein. "Herr Bystron darf über seine Reise im kommenden Fraktionsvorstand berichten. Dort wird das Programm dann besprochen werden", teilte Fraktionssprecher Christian Lüth dem SPIEGEL zu der Reise mit, die bereits Ende August stattfand.

Der Bundestag tritt im kommenden Jahr erstmals wieder Mitte Januar zusammen, üblicherweise tagen dann zu Beginn der jeweiligen Sitzungswoche auch die Fraktionsvorstände der Parteien.

Nach Bystrons Treffen mit Angehörigen einer rechtsextremen Gruppe in dem Land, sagte Lüth der Nachrichtenagentur dpa, man werde darüber sprechen müssen. Der bayerische AfD-Bundestagsabgeordnete hatte auf einer Reise nach Südafrika die Gruppe Suidlanders getroffen - und ein gemeinsames Schießtraining absolviert.

In anderen Parteien sorgte Bystrons Verhalten für heftige Kritik. Vor seinem Einzug in den Bundestag war der Politiker eine Zeit lang wegen Sympathiebekundungen für die rechtsextreme "Identitäre Bewegung" vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtet worden. Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann (SPD) teilte nun mit, wenn Bystron wirklich an einem solchen Schießtraining teilgenommen habe, wäre das ein Fall für den Verfassungsschutz. "Und es dürfte seine letzte Dienstreise gewesen sein."

Bundestag bestätigt Reisegenehmigung für Bystron

Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) sagte dem SPIEGEL: "Petr Bystron verdeutlicht, dass die Hemmschwelle der AfD zu einer unverhohlenen Nähe und internationalen Kooperation mit offen-rassistischen und gewaltbereiten Gruppierungen nicht etwa sinkt, sondern endgültig aufgehoben ist." Bystron habe mit seinem Verhalten den Wirkungsraum des Grundgesetzes verlassen.

Die von Bystron beantragte Dienstreise wurde vom Bundestag bezahlt. Entsprechende Informationen des ARD-Politikmagazin "Report Mainz" bestätigte das Parlament. "Der Bundestagspräsident hat die Einzeldienstreise auf der Grundlage des Antrags genehmigt", teilte ein Sprecher mit. Zuvor habe der Auswärtige Ausschuss des Parlaments ein positives Votum zu dem Antrag abgegeben.

Auswärtige Amt wusste nichts vom Treffen mit den "Suidlanders"

Nach Informationen des SPIEGEL wusste das Auswärtige Amt nichts von seinem Treffen mit den "Suidlanders". Diese Zusammenkunft soll Bystron außerhalb der offiziellen, von der deutschen Botschaft in Südafrika bei solchen Besuchen anberaumten Treffen und Terminen gemacht haben. Nach seiner Reise genehmigte die AfD-Fraktion auch eine Kleine Anfrage Bystrons an die Bundesregierung, in der es um die Politik des regierenden ANC gegenüber der weißen Bevölkerung geht. Wie der SPIEGEL weiter erfuhr, wird durch die detaillierte Fragestellung eine Art umgekehrter Apartheid insinuiert - durch den regierenden ANC gegenüber der weißen Minderheit. Die Anfrage, die vom Auswärtigen Amt abgearbeitet wird, muss bis Ende Januar beantwortet sein.

Bystron ist Obmann der AfD im Auswärtigen Ausschuss. Er hatte dem ARD-Magazin seine Teilnahme am Schießtraining bestätigt. Die "Suidlanders" sind nur für Weiße offen und eine rassistische Gruppe.

Bystron selbst hatte "Report Mainz" gesagt, er habe keine Berührungsängste mit den Suidlanders. Das sei eine Organisation der südafrikanischen Zivilgesellschaft. "Ich habe das so empfunden, dass das eine Organisation ist von überwiegend weißen Farmern, die Angst haben um ihr Leben und die sich organisieren, um zu überleben, sollte es zum schlimmsten Fall kommen." Dem SPIEGEL hatte er am Dienstag in einer SMS geschrieben: "Wie wollen Sie sich über die Morde an den weißen Farmern informieren, ohne mit deren Vertretern zu sprechen?". Er habe auch "Fußball mit den Kindern der deutschen Schule gespielt."

Im November war bereits ein Bericht über die Reise Bystrons in der rechten Wochenzeitung "Junge Freiheit" erschienen. Auf der Onlineseite wurden auch ein Bild vom Zusammentreffen Bystrons mit den "Suidlanders" gezeigt - beim Grillen. Ein weiteres Bild zeigt ihn mit der Witwe eines ermordeten weißen Farmers. Zugleich zitierte das Blatt Bystron mit der Bemerkung, das Risiko weißer Farmer, getötet zu werden, sei in Südafrika drei Mal so hoch wie das der übrigen Bevölkerung. Er erinnerte dabei an die Pläne der ANC-Regierung, weiße Farmer entschädigungslos zu enteignen. "Die Bundesregierung sollte aufhören, die Gewalt gegen weiße Farmer in Südafrika weiterhin zu verschweigen und zu beschönigen", so der AfD-Abgeordnete vor rund einem Monat.

Die Suidlanders erwarten, dass in Südafrika eine Revolution ausbricht - als unausgesprochener Grund der Untergangsfantasien scheint der Gruppe die demokratisch gewählte und von Schwarzen dominierte Regierung zu sein. Sie stellen sich als die Opfer eines kommenden anti-weißen Bürgerkriegs dar. Schätzungen gehen von einigen Tausend aktiven Mitgliedern aus. Sie kommen vor allem aus der Afrikaans-sprechenden Minderheit Südafrikas - jener Minderheit, die bis zur Überwindung des rassistischen Apartheid-Regimes 1994 an der Macht war.

sev/apr/höh/mgb/dpa



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