Nach Morddrohungen Pfarrer aus oberbayerischem Zorneding tritt zurück

Rassistische Beleidigungen durch Lokalpolitiker, Morddrohungen - jetzt hat Olivier Ndjimbi-Tshiende genug: Der Pfarrer der oberbayerischen Gemeinde Zorneding tritt zurück.


Fünf Morddrohungen hat der katholische Pfarrer der oberbayerischen Gemeinde Zorneding, Olivier Ndjimbi-Tshiende, in den vergangenen Monaten erhalten. Zuvor hatte er sich fremdenfeindliche Äußerungen eines CSU-Lokalpolitikers gefallen lassen müssen. Jetzt ist der 66-jährige Geistliche von seinem Amt zurückgetreten.

In der Morgenpredigt hatte Ndjimbi-Tshiende seinen Abschied verkündet. Die Gemeinde zeigte sich erschüttert über die Nachricht. Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) zufolge wurde ihm mehrfach offen mit Mord und Gewalt gedroht. Nun ermittelt die Kriminalpolizei wegen Beleidigung, Volksverhetzung und Bedrohung.

Bürgermeister Piet Mayr (CSU) wies gegenüber dem Blatt Vorwürfe zurück, die CSU sei mitverantwortlich für den Rücktritt des 66-Jährigen. Zorneding habe sich vielmehr in der öffentlichen Wahrnehmung als eine nach rechts gerückte Gemeinde manifestiert, sagte er.

Zuletzt waren CSU-Vertreter in der Gemeinde durch rassistische Äußerungen in die Kritik geraten, die teilweise persönlich gegen Ndjimbi-Tshiende gerichtet waren. Der ehemalige stellvertretende CSU-Ortsvorsitzende Johann Haindl hatte den Pfarrer, der aus dem Kongo stammt, in einem Interview als "Neger" bezeichnet.

Die ehemalige CSU-Ortsvorsitzende, Sylvia Boher, hatte im örtlichen Partei-Mitteilungsblatt geschrieben, Bayern werde von Flüchtlingen "regelrecht überrannt". Es handele sich um eine Invasion. Migranten aus dem afrikanischen Eritrea nannte sie Militärdienstflüchtlinge. Ndjimbi-Tshiende positionierte sich klar gegen die Äußerungen der Politikerin.

Nach massiver Kritik traten Boher und Haindl schließlich im November von ihren Ämtern zurück. Haindl legte auch sein Gemeinderatsmandat nieder. Boher ist nach wie vor im Gemeinderat vertreten.

Ndjimbi-Tshiende hatte die Pfarrei Sankt Martin 2012 übernommen. Das Erzbistum nehme das Rücktrittsgesuch des Pfarrers an, sagte der Sprecher des Erzbistums München und Freising, Bernhard Kellner. "Wir bedauern das sehr und stehen an seiner Seite." Am 1. April werde der Geistliche eine neue Stelle im Bistum antreten, sagte Kellner.

kry/dpa

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