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Lungenembolie: CDU-Politiker Philipp Mißfelder ist tot

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Bekannt wurde er als Chef der Jungen Union, zuletzt war er außenpolitischer Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion: Philipp Mißfelder ist im Alter von 35 Jahren gestorben.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Mißfelder ist tot. Der 35-Jährige starb in der Nacht zum Montag an einer Lungenembolie, wurde im Bundesvorstand der CDU nach Teilnehmerangaben mitgeteilt. Er hinterlässt seine Frau und zwei Kinder. Parteifreunde und politische Gegner reagierten mit Bestürzung auf den plötzlichen Tod Mißfelders.

Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte die Verdienste des 35-Jährigen. "Wir sind alle geschockt", sagte die CDU-Vorsitzende. Die Gedanken seien bei seiner Frau und seinen beiden kleinen Kindern. "Wir werden ihn sehr vermissen", ergänzte Merkel.

"Wir sind bestürzt, fassungslos und traurig", sagte auch Unionsfraktionschef Volker Kauder. "Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion verliert einen ihrer profiliertesten Außenpolitiker und ich persönlich einen Freund, der mich auf vielen meiner Reisen begleitet hat."

Der Politiker sei ein überzeugter Freund Israels gewesen, sagte Kauder. Mißfelder habe sich mit großem Engagement für die transatlantischen Beziehungen eingesetzt. Kauder pries ihn als ausgewiesenen Osteuropa-Kenner. Darüber hinaus habe er herausragende Kontakte in Asien gehabt.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber würdigte Mißfelder für seine großen Verdienste um die Partei. "Er hat wie kein Anderer die Junge Union in den letzten Jahren geprägt. Die CDU und die Junge Union haben Philipp Mißfelder viel zu verdanken", sagte Tauber. Die Nachricht vom plötzlichem Tod des Politikers habe ihn und seine Parteikollegen während der Präsidiumssitzung erreicht. Alle seien fassungslos und mit tiefer Trauer erfüllt.

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CDU-Außenpolitiker: Philipp Mißfelder ist tot
Außenminister Frank-Walter Steinmeier zeigte sich schockiert. "Seiner Frau und seinen beiden kleinen Töchtern gilt mein tiefes Beileid und Mitgefühl", sagte der SPD-Politiker. Er habe Mißfelder geschätzt als "talentierten Politiker, der sich allen wichtigen außenpolitischen Fragen mit großer Kenntnis und höchstem Engagement angenommen hat". Er habe sich bereits in jungem Alter für die transatlantische Zusammenarbeit engagiert. "Seine Leidenschaft für die Politik und seine unermüdliche Bereitschaft, für seine Überzeugungen zu streiten, werden uns sehr fehlen", so Steinmeier.

Der Zentralrat der Juden reagierte betroffen auf den Tod des Außenpolitikers. "Philipp Mißfelder hat sich über viele Jahre mit großem Verantwortungsbewusstsein und außenpolitischem Gespür für Israel eingesetzt", sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster. Mißfelder sei ein wichtiger und vertrauensvoller Gesprächspartner gewesen. Sein Tod ist ein großer Verlust für die deutsche Politik und die jüdische Gemeinschaft. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau und seinen Kindern.

Ex-Juso-Chef Niels Annen zeigte sich zutiefst schockiert vom Tod seines Kollegen. "Wir haben damals, bei allen politischen Unterschieden, beide für eine eigenständige und starke Rolle unserer Jugendorganisationen gekämpft. Diese Erfahrungen verbinden", sagte der außenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion zu SPIEGEL ONLINE. Auch in Zeiten harter Auseinandersetzung sei ihr enges Vertrauensverhältnis belastbar gewesen, dafür sei er Mißfelder sehr dankbar. "Meine Gedanken sind bei seiner jungen Familie. Wir werden ihn vermissen."

Mißfelder war von 2002 bis 2014 Vorsitzender der Jungen Union. Seit 2005 saß er zudem für die CDU im Bundestag. Zuletzt war er außenpolitischer Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion. Die Nachwuchsorganisation schrieb: "Wir sind unfassbar traurig und schockiert (...). Er hat die Junge Union geprägt."

Für erhebliche Irritationen auch in den Unionsreihen hatte Mißfelder 2003 gesorgt, als er infrage stellte, ob 85-Jährige noch auf Kosten der Solidargemeinschaft künstliche Hüftgelenke bekommen sollten. 2014 stieß seine Teilnahme an einem Geburtstagsempfang für Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in St. Petersburg auf Kritik.

Vor wenigen Tagen war Mißfelder noch in London und wurde auf CNN von Christiane Amanpour interviewt. Auf dieser Reise machte er einen gesunden Eindruck.

Wie mehrere Zeitungen berichten, war Mißfelder im Frühjahr schwer gestürzt und hatte sich dabei am Rücken verletzt. Er war danach viele Wochen lang ausgefallen. Es gibt es bislang keine Hinweise, das es einen Zusammenhang mit der nun aufgetretenen Lungenembolie gibt.

Bei einer Lungenembolie ist ein Blutgefäß, das Blut vom Herzen in die Lunge transportiert, verstopft. Die Embolie entsteht durch eine Thrombose, meist im Bein. Wenn sich ein Blutgerinnsel löst, gelangt es mit dem Blut über die rechte Herzhälfte bis in die Lunge. Atemnot und Herzversagen können die Folge sein. In Deutschland sterben jährlich 40.000 bis 100.000 - vorwiegend ältere - Menschen an einer Lungenembolie.

Auch auf Twitter zeigten sich zahlreiche Politiker aller Parteien betroffen und schockiert vom plötzlichen Tod Mißfelders:

brk/mxw/dpa

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Thrombosen: Gefährliche Blutgerinnsel
So entsteht eine Thrombose:
Eine Thrombose ist ein Blutgerinnsel, das sich meistens in den Venen bildet, aber auch in Arterien entstehen kann. Zunächst lagern sich Blutplättchen, die sogenannten Thrombozyten, zusammen. Dadurch wird die Gerinnungskaskade ausgelöst, bei der verschiedene Faktoren im Blut ausgeschüttet werden und ein Netz bilden, in dem sich weitere Blutkörperchen verfangen - das Blutgefäß verengt sich oder verstopft.
Auslöser und Risikofaktoren
Die Ursachen für eine Thrombose fassen Mediziner in der Virchowschen Trias zusammen: Gerinnungsstörungen (etwa durch Erbkrankheiten oder Medikamente), Änderungen der Flussgeschwindigkeit (durch Bettlägerigkeit, Schwangerschaft, Sitzen mit übergeschlagenen Beinen) und Schäden in der Gefäßwand (durch Verletzungen, Entzündungen oder Krebserkrankungen). Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Als weitere wichtige Risikofaktoren gelten Rauchen, Schwangerschaft, die Antibabypille, Tumorerkrankungen, Übergewicht und Bewegungsmangel etwa bei Krankheit oder bei Flugreisen.
Erste Anzeichen
Folgende Symptome können bei einer Thrombose auftreten, müssen es jedoch nicht. Arm oder Bein schwellen an. Die Extremität schmerzt und fühlt sich schwer an. Sie ist deutlich wärmer als der andere Arm beziehungsweise das andere Bein. Die Haut wird bläulich. Die Venen treten viel deutlicher hervor als auf der nicht betroffenen Körperseite.
Folgen
Je nachdem, wo die Thrombose entsteht, unterscheiden sich die Folgen. Bei der tiefen Venenthrombose, die häufig in den tiefen Bein- oder Beckenvenen lokalisiert ist, droht die Gefahr einer Lungenembolie. Dabei löst sich das Blutgerinnsel von der Venenwand und schießt mit dem Blutstrom durch die rechte Herzhälfte in die Lunge. Dort behindert sie die Durchblutung und damit die Aufnahme von Sauerstoff. Atemnot und Rechtsherzversagen können die Folge sein. Bei einer Thrombose und Entzündung in den oberflächlichen Venen sprechen Ärzte von einer Thrombophlebitis. Auch diese Form tritt häufig in den Beinen auf, die betroffene Stelle schwillt an, schmerzt und rötet sich. Arterielle Thrombosen entstehen immer dort, wo die Gefäßwand geschädigt ist oder sich arteriosklerotische Plaques bilden. Sie können ein Gefäß komplett verschließen und damit die Organdurchblutung unterbinden. Passiert das etwa in einer Halsschlagader, droht ein ausgedehnter Schlaganfall.
Vorbeugung und Therapie
Bewegung beugt einer Thrombose am besten vor. Einige Schwangere und bettlägerige Patienten tragen Kompressionsstrümpfe, damit die Venenwände in Form gehalten werden, dem Druck des Blutes nicht nachgeben und sich nicht weiten. Je nach Risikoprofil des Patienten für die Entstehung einer Thrombose, erhält er prophylaktisch Heparin, das bestimmte Gerinnungsfaktoren hemmt. Heparin wird auch zur Therapie einer bestehenden Thrombose eingesetzt, damit das Gerinnsel nicht weiter wächst. Außerdem müssen die Betroffenen Cumarin-Derivate einnehmen, die die Blutgerinnung hemmen. Gleichzeitig erhöhen sie aber auch die Blutungsgefahr etwa im Magen, Darm oder Gehirn, weswegen engmaschige Gerinnungskontrollen erforderlich sind.


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