Flugtauglichkeit von Piloten EU-Kommission rügte schon vor Monaten lasche Aufsicht der Behörden

Das Luftfahrtbundesamt hat den Gesundheitscheck von Piloten offenbar nicht ausreichend überwacht: Die EU-Kommission hat Deutschland bereits vor Monaten zu besseren Kontrollen aufgefordert. Nun droht eine EU-Klage.

Training im Flugsimulator: Ärzte und Medizinzentren werden zu wenig überwacht
REUTERS

Training im Flugsimulator: Ärzte und Medizinzentren werden zu wenig überwacht


Schon Monate vor dem Absturz der Germanwings-Maschine hat die EU-Kommission Deutschland wegen einer zu laschen Aufsicht über die Flugtauglichkeit von Piloten gerügt.

Bereits im November vergangenen Jahres schickte die EU-Behörde einen Brief an Deutschland und forderte, das zuständige Luftfahrtbundesamt (LBA) müsse die Airlines bei den Gesundheitschecks schärfer überwachen. Das verlautete am Mittwoch aus Kreisen der Brüsseler EU-Kommission. Zuvor hatte das "Wall Street Journal" darüber berichtet.

Die EU-Kommission rügte demnach, dass die Behörden die Ausstellung von Flugtauglichkeitsbescheinigungen für Piloten zu wenig kontrollierten. Dies entspreche nicht den EU-Regeln, hieß es aus Brüssel. Grundlage für den Brief seien Beschwerden der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) gewesen.

Die EASA bemängelte, dass das deutsche Luftfahrtbundesamt zu wenig Personal vorhalte, zu wenig Zugang zu medizinischen Akten habe und Ärzte und Medizinzentren, die die Tests durchführten, zu wenig überwache.

Checks bescheinigen Piloten körperliche Fitness

Die EU-Kommission bestätigte auf Anfrage nur, dass sie auf Basis von EASA-Empfehlungen "eine Reihe von Fragen" an die deutschen Behörden zur Flugsicherheit gestellt habe. Die EU-Kommission werte derzeit die Antwort aus Deutschland aus.

"Wenn die Abhilfemaßnahmen nicht den EU-Standards entsprechen, wird die EU-Kommission die notwendigen Schritte einleiten", teilte die Behörde mit. Der nächste Schritt wäre eine Klage gegen Deutschland wegen Verletzung des EU-Vertrags.

Das EU-Recht sieht vor, dass ein beruflicher Einsatz im Cockpit von der Fitness abhängt. Berufspiloten müssen ihre Fitness jährlich bei einem gründlichen Gesundheitscheck durch einen flugmedizinischen Sachverständigen nachweisen - ab dem 40. Lebensjahr sogar alle sechs Monate.

Gibt es psychologische Auffälligkeiten, werden die Piloten an spezielle Luftfahrtpsychologen überwiesen. Bei schwerwiegenden ärztlichen Bedenken droht das Aus im Flugberuf.

Bei dem Absturz der Germanwings-Maschine am 24. März in den französischen Alpen waren 150 Menschen ums Leben gekommen. Der Co-Pilot soll früher unter Depressionen gelitten haben und die Maschine absichtlich zum Absturz gebracht haben.

sun/dpa

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postnational 09.04.2015
1. Den wie immer guten deutschen Hierarchien wurde also nur mangelhaft zugearbeitet?
Depressionen sind eine Störung und keine Krankheit, die verschwindet, sobald die Auslöser bewältigt sind, aber trotzdem reduziert sich die Abwicklung des Flugzeugabsturzes allein auf mangelnde Unterrichtung der „guten Hierarchien“, obwohl das überhaupt keine Gewißheit für die Zukunft gibt und allein die Frage relevant wäre, welche Auslöser bei Andreas Lubitz wahrscheinlich waren. Warum steht eigentlich nirgends, wieviel Andreas Lubitz von den 70.000 Euro seiner Ausbildungskosten und ggf. weiteren Darlehen schon abgearbeitet hatte und wieviel er noch einspielen mußte? Seelischer Druck hat immer Auslöser. Aber auch diesmal wieder: „Einzelfall infolge von Krankheit“ – bis zum nächsten Fall…
Walther Kempinski 09.04.2015
2. Böse
Die böse böse EU. Macht soviel richtig, aber niemand kriegts mit. Der rechte Stammtisch quatscht die EU derweil mithilfe Griechenlands in den Abgrund. Das Gute hat sich noch nie wirklich durchgesetzt. Sonst würden wir schon längst im Paradies leben.
hermann_huber 09.04.2015
3. Sparen koste es eas es wolle
Weder in der Flugsicherung noch im Sicherheitsbereich noch bei Polizeiund allen anderen Behörden hat Deutschland ausreichend Personal welches zudem auch nicht ausreichend ausgestattet ist. Zumindestin den Kernbereichen. In der Verwaltung gibt es mehr als genug Bürokraten die sich selber beschäftigen und mit überRegulierung den Laden zum Stillstandbringen wollen. Man gehe ala Bürger einfach mal zur Polizei für eine Anzeige und sieht dann Technik aus 1970.. Es wird gespart koste es was es wolle. Ich frage mich immer was wohl in wirtschaftlichen Krisenzeiten passiert, derzeit haben wir ja die höchsten Steuereinnahmenaller Zeiten. Von wirklichen Sichheheitsvorfällen will ich gar nicht erst anfangen. Dann wurd man feststellen das bei den Polizisten kein Geld für die Munition beim Schiesstraining da war. Armes reiches Land!
parabellum 09.04.2015
4. Gesundheitschecks hin und her...
Ohne Hellseher konnte so etwas nicht verhindert werden. Nur weil jemand mal deprimiert war, kann man doch eine solche Amoktat nicht vorhersagen. Depressiv ist nicht gleich moerderisch. Medien sollten aufhoeren, es Depression zu nennen.
onewayjan-004 09.04.2015
5. Na bitte!
Nicht Alles aus Bruessel ist schlecht und nicht Alles in Deutschland ist besser als anderswo.
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