Geldsorgen Piraten-Chef will geizigen Parteifreunden Mahnungen schicken

Die Piraten plagen massive Geldsorgen - auch weil die Zahlungsmoral der Mitglieder miserabel ist. Nun will Parteichef Schlömer Mahnungen an säumige Piraten schicken. Er fürchtet, nicht genügend Mittel für den Bundestagswahlkampf zu haben.

Parteichef Schlömer (im April): "Beitragsquote bis Jahresende erhöhen"
dapd

Parteichef Schlömer (im April): "Beitragsquote bis Jahresende erhöhen"


Berlin - Wegen der Finanzprobleme der Piratenpartei hat der Vorsitzende Bernd Schlömer säumigen Mitgliedern mit blauen Briefen gedroht. "Ich appelliere regelmäßig an die Zahlungsmoral der Piraten. Wenn das nicht hilft, sollten die Landesverbände Mahnungen verschicken", sagte Schlömer der "Bild am Sonntag".

Nach seinen Angaben haben rund 42 Prozent der mehr als 33.000 Mitglieder ihren Jahresbeitrag von 48 Euro noch nicht bezahlt. "Ich hoffe sehr, dass wir unsere Beitragsquote bis Ende des Jahres so auf drei Viertel hochschrauben können", sagte Schlömer.

Der Parteivorsitzende fürchtet daher finanzielle Engpässe im Bundestagswahlkampf im kommenden Jahr. Der werde die Partei rund eine Million Euro kosten, verfügbar seien jedoch bisher nur 300.000 Euro, sagte Schlömer "Bild am Sonntag". Die Piraten diskutieren seit langem über die Finanzierung des Wahlkampfs, haben aber noch keine Lösung gefunden.

Tatsächlich rief Parteichef Schlömer in den vergangenen Monaten immer wieder die Mitglieder öffentlich auf, ihre Beiträge zu zahlen. Lange zahlte gar nur die Hälfte der Parteimitglieder überhaupt Beiträge. Die Piraten hatten auf ihrem Parteitag im April erst nach langen Diskussionen den Mitgliedsbeitrag von 36 auf 48 Euro pro Jahr erhöht - was immer noch deutlich unter den durchschnittlichen Beiträgen in anderen Parteien liegt.

Schlömer forderte ebenfalls die mittlerweile 45 Abgeordneten in Landtagen auf, einen Teil ihrer Diäten der Partei zu spenden. "Wir brauchen Euch", appellierte er Anfang Juni an die Parlamentarier unter den Piraten. Eine Nachfrage von SPIEGEL ONLINE unter den Abgeordneten ergab jedoch, dass nur die wenigsten bereit sind, an die Bundespartei zu zahlen. Viele der Parlamentarier spenden lieber an ihren Landesverband oder auf Kreisebene. Seitdem macht das Schlagwort "Geiz-Gate" unter Freibeutern die Runde.

Im Sonntagstrend des Meinungsforschungsinstituts Emnid für die "Bild am Sonntag" verlor die Partei einen Prozentpunkt und kommt nur noch auf sieben Prozent. Ende April lagen die Piraten noch bei zwölf Prozent. Auch in anderen Umfragen anderer Institute liegen die Aufsteiger des Frühjahrs zwischen sieben und neun Prozent.

fab



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insgesamt 17 Beiträge
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djchrisi 05.08.2012
1. Piraten und Beiträge
Wie lachhaft ist das denn? Die Vorstellung von Piraten als brave Steuer und Gebührenzahler ist grotesk. Ein rechter Freibeuter nimmt sich was er braucht. Filme, Musik oder Straßenbahn soll kostenlos sein, aber Mitgliedsbeiträge bitte zahlen? Lächerlich. Als Mitglied der Piraten würde ich auch nichts zahlen.
weltoffener_realist 05.08.2012
2. Reale Kosten
Zitat von sysopdapdDie Piraten plagen massive Geldsorgen - auch weil die Zahlungsmoral der Mitglieder miserabel ist. Nun will Parteichef Schlömer Mahnungen an säumige Piraten schicken. Er fürchtet, nicht genügend Mittel für den Bundestagswahlkampf zu haben. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,848324,00.html
Die mangelnde Zahlungsmoral dieser Klientel ist doch kein Wunder. Da sind sich eben viele nicht bewusst, dass in der realen Welt reale Menschen reale Anstrengungen unternehmen müssen, um anderen virtuelle Teilhabe oder virtuelle Produkte bieten zu können - und diese Anstrengungen verursachen in der Regel kosten. Da wird sich in den nächsten Monaten und Jahren zeigen, wer von diesen Freizeitpolitikern auch bei rauer See noch an Bord bleibt.
speedy 05.08.2012
3. Vollpfosten überall!!!
Ihr habt doch alle einen Vollschuss in der Obtik.Diese Bevölkerung hofft auf eine Politische Alternativ in Berlin und den Landesverbänden und eure Mitglieder zahlen nicht ihren Beitrag.Wie wollt ihr eure Themen in die Tat umsetzen wenn ihr noch nicht mal die Partei am Leben halten könnt finanziell.Von anderen Bedingungsloses Grundeinkommen fordern aber selbst nicht einmal 48 € im Jaht/4 € im Monat für die Politischeumsetzung eurer/unsere Ziele zu haben.Noch eine dilettantische Partei wie die anderen brauchen wir nicht.
forenaccount 05.08.2012
4. Warum zahlen?
Wie bitte? Zahlen? Wofür denn? Wenn der Mitgliedsbeitrag jetzt wenigstens an einen "Ich-darf-alles-urheberrechtlich-geschützte-material-völlig-kostenlos-aus-dem-internet-saugen-und-verbreiten"-Tarif geknüpft wäre, würde es ja noch Sinn machen. Aber so?`Was kriegt man denn dafür? Nichts - im Gegenteil, mann muss sogar noch arbeiten, diskutieren und seine Freizeit opfern für's schöne Geld ... Tipp: Wie wäre es mit einer Freischaltfunktion für's Liquid Feedback-System? Gegen Zahlung einer Jahresgebühr in Höhe des Mitgliedsbeitrags ein Jahr lang freien Zugang zur Piraten-Gesamtplattform. Bei einer "Bestellung" erhält man einen 1 Jahr lang gültigen Mitgliedsausweis ohne RFID zugesendet. So sind alle, die nicht zahlen, grundsätzlich von allen Entscheidungen ausgeschlossen. Ohne großen Verwaltungsaufwand wäre auch die Zahl der Mitglieder festzustellen - die besteht einfach aus angemeldeten Beitragszahlern. Gleichzeitig hat man ein liquides System mit flukturierender Mitgliederzahl, offen für alle, ohne Zwang zur Dauermitgliedschaft und Engagement nach dem jeweiligen Lebensabschnittsgefühl.
Kajaal 05.08.2012
5. Was Wunder
PIraten sind eben Piraten. Im wahrsten Sinn des Wortes. Die Null-Euro-Fraktion möchte nicht nur TV, Musik und Lesestoff gratis, auch alles andere soll geschenkt sein. Leistung ist ein Fremdwort, Verantwortung auch - man möchte gewählt werden, will aber kein Parteiprogramm liefern. Im Kindergarten wäre es ja noch lustig, in der Politik bleibt es witzlos und kindisch. Werdet erst mal erwachsen, liebe Pirat/innen! :)
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