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22. September 2013, 19:29 Uhr

Scheitern der Piraten

Es ist vorbei

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Für sie endet der Wahlabend im Abseits: Die Piraten können ihr Ergebnis von 2009 nur minimal steigern, der Traum vom Bundestag ist geplatzt. Jetzt geht es um die Existenz einer ganzen Bewegung. Erste Auflösungserscheinungen sind schon auszumachen.

Berlin - Schönzureden gibt es da nichts. "Das ist ein schlechtes Ergebnis für uns", sagt Bernd Schlömer. Ob er zufrieden sei, wie die Sache für die Piraten gelaufen ist? "Nein." Der Parteichef steht neben der einstigen Piraten-Ikone Marina Weisband, als die ersten Zahlen verkündet werden. Als die Kameras auf sie schwenken, jubeln beide demonstrativ. Aber nur ganz kurz.

Den Hochrechnungen zufolge hat die Piratenpartei 2,2 Prozent der Stimmen geholt. Das magere Wahlergebnis ist nicht überraschend. Den Politikrebellen wurden trotz ihrer Triumphe bei vier Landtagswahlen seit Monaten kaum noch Chancen eingeräumt. Zu zerfasert, zu desorganisiert, zu zerstritten und zu irritiert vom einstigen Hype um sich selbst ist die Truppe mittlerweile.

Für die Wahlparty hat die Partei ein altes Fabrikgelände im Osten Berlins angemietet. Am Ufer der Spree wird der eigene Misserfolg mit viel Bier begossen. 2,2 Prozent, das sind nur 0,2 Prozent mehr als bei der Bundestagswahl 2009. Da waren die Piraten gerade auf der Bildfläche erschienen, eine Reihe von Sicherheitsgesetzen hatten bei netzaffinen Jungwählern für Frust gesorgt.

2012 lagen die Piraten für eine Weile im zweistelligen Bereich, galten als politisches Phänomen. Nun ist es fast so, als ob es die Erfolgswelle nach dem Überraschungssieg im Berliner Abgeordnetenhaus nie gegeben hätte. Der Traum vom Bundestag ist geplatzt.

Pirat verlässt Fraktion in Nordrhein-Westfalen

Dass sich die Bewegung davon zeitnah erholt ist unwahrscheinlich. Das Wahlergebnis sichert den Piraten immerhin die Parteienfinanzierung. Auch sitzen sie in mehreren Landtagen, wollen dort im Kleinen Politik machen. Allerdings gibt es dort bereits erste Auflösungserscheinungen. In Nordrhein-Westfalen trat ausgerechnet am Wahlsonntag ein Abgeordneter der Piraten aus seiner Fraktion aus. Dort holte die Partei im vergangenen Jahr knapp neun Prozent, jetzt wird frustriert aufgegeben. "Das wird nicht der erste Pirat bleiben, der geht", sagt ein Mitglied aus dem Bundesvorstand.

Auch andere Szenarien kursieren. Denkbar ist, dass noch mehr Abgeordnete die Politik schmeißen oder in anderen Parteien eine Karriere versuchen. Dass sich die Bewegung aufspaltet und einige Partei-Nomaden zur Konkurrenz wechseln. Ein paar Hoffnungsvolle meinen, dass im Scheitern auch eine Chance liege, sich die Piraten von alten Lasten befreien könnten. Doch das alte Wortspiel von den Ratten und dem sinkenden Schiff hört man am Wahlabend auffallend häufig.

Der Bundesvorstand wird sich im Herbst neu organisieren. Bernd Schlömer selbst lässt seine persönliche Zukunft offen. "Das Auf und Ab dieser Partei war die spannendste Erfahrung meines Lebens", sagt er. Eine, mit der er jetzt abschließt.

Im Wahlkampf fielen die Piraten mit kreativen Plakaten und Guerilla-Aktionen ohne Millionenbudget auf. Das sollte vor allem Jung- und Erstwählern eine politische Alternative bieten. Doch wird ihnen nicht zugetraut, Verantwortung im Bundestag zu übernehmen. Und dass Kleinparteien ein unberechenbares Potential entwickeln können, beweisen an diesem Sonntag nicht die Piraten, sondern die Euro-Kritiker von der Alternative für Deutschland, die nahe an die Fünfprozenthürde heranrücken.

Schlömer, der seine Frau und Tochter mit zur Wahlparty gebracht hat, will am Montag erst einmal ins Büro gehen, dann eine kleine Pressekonferenz geben. Anschließend will er die Parteizentrale besuchen. "Mal schauen, wer schon seinen Schreibtisch räumt und seine Sachen zusammenpackt", sagt er. Es klingt nicht wie ein Scherz.

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