Berlin - Nach dem Wahlerfolg im Saarland mit 7,4 Prozent der Stimmen sind die Piraten im Umfragehoch. Im aktuellen Sonntagstrend des Emnid-Instituts verbessert sich die Piratenpartei im Vergleich zur Vorwoche um zwei Prozentpunkte. So kommt die neue Partei für Freiheit und Transparenz im Internet jetzt auf neun Prozent.
Mit Blick auf die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen in sechs Wochen können sich die Piraten auch im bevölkerungsstärksten Bundesland Hoffnungen machen: Mit ihren derzeit fünf Prozent würden sie erstmals in das Düsseldorfer Landesparlament einziehen. Im Mai wird zudem in Schleswig-Holstein gewählt. Sollte die Partei dort erfolgreich sein, wäre auch ein Einzug in den Bundestag realistisch, sagt Politikwissenschaftler Professor Kai-Uwe Schnapp von der Universität Hamburg.
Und die etablierten Parteien müssen sich etwas einfallen lassen, um gegen die Aufsteiger, die im vergangenen Jahr in Berlin ihren ersten Wahlerfolg feierten, Stand halten zu können.
Bei den Wählern fehlt derzeit die Zustimmung für das rot-grüne Lager. Die Sozialdemokraten verschlechterten sich im Vergleich zur Vorwoche um einen Prozentpunkt und landen damit jetzt bei 27 Prozent. Die Grünen, Wunschkoalitionspartner der SPD für 2013, verlieren gleich zwei Prozentpunkte und kommen auf nur noch 13 Prozent. Für die Grünen ist das der niedrigste Wert seit Februar 2010. Für eine eigene rot-grüne Mehrheit sieht es damit schlecht aus.
Die CDU legt im Vergleich zur Vorwoche ein Prozent zu und bleibt mit jetzt 36 Prozent stärkste politische Kraft. Der Koalitionspartner FDP verharrt unter der Fünf-Prozent-Marke bei vier Prozent. Die Linke liegt weiter bei sieben Prozent.
Emnid befragte im Auftrag von "Bild am Sonntag" vom 22.03. bis zum 28.03.2012 insgesamt 1845 Personen.
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast stellt sich auf eine lange Auseinandersetzung mit der Piratenpartei ein. "Ich sehe keinen Anlass, darüber zu spekulieren, dass die Piraten wieder verschwinden", sagte sie der "Welt am Sonntag". "Wir sind gut beraten, davon auszugehen, dass die Piraten dabei sind. Wir nehmen sie ernst."
Die Arbeit in Parlamenten fordere die Piraten allerdings heraus, fügte Künast hinzu. "Wir werden sie zur Positionierung zwingen." Die Grünen hätten ein inhaltliches Profil, zudem seien sie "eine lernfähige Partei".
Die einstige Spitzenkandidatin der Grünen für die Berlin-Wahl räumte Versäumnisse im Umgang mit den Piraten ein. "Wir hätten mehr machen müssen, um die Wähler zu erreichen, die sich für die Piraten entschieden haben. Und das sind vor allem Männer unter 25 Jahren."
lgr/Reuters/AFP/dpa
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