Forsa-Umfrage: Piraten überholen erstmals bundesweit die Grünen

Die Piratenpartei liegt bei den Wählern hoch im Kurs, zum ersten Mal überrunden die Newcomer nun die Grünen. Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage erreichen die Politikneulinge 13 Prozent. Es ist der beste Wert seit der Parteigründung. Die Grünen kommen dagegen nur auf elf Prozent.

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Mitglied der Piratenpartei: Mit 13 Prozent vor den Grünen

Hamburg - Nach dem Wahlerfolg im Saarland erreichen die Piraten in Umfragen weitere Rekordwerte: Forsa sieht die Politikneulinge nun sogar bei 13 Prozent. Damit steigen sie erneut in der Gunst der Wähler - und lösen damit die Grünen als drittstärkste Kraft ab. Die Ökopartei kommt nach der aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL nur noch auf elf Prozent (minus zwei Prozentpunkte).

Damit wird sich die Rivalität zwischen den beiden Parteien verstärken - vor allem, da im Mai mit Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen zwei wichtige Landtagswahlen anstehen. In beiden Bundesländern kommen die Piraten in den Umfragen über die Fünfprozenthürde. "Ich wünsche mir 6,5 Prozent", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Piratenpartei Bernd Schlömer den Zeitungen der Essener "WAZ"-Mediengruppe. Gleichwohl will er der Abstimmung an Rhein und Ruhr nicht zu viel Bedeutung zumessen. Sie sei "nicht unbedingt" die Reifeprüfung für die Piratenpartei. "Es ist nicht tragisch, wenn wir in Schleswig-Holstein oder NRW die Fünfprozenthürde nicht erreichen", gab sich Schlömer betont bescheiden.

"Die Piraten lösen die Grünen als Protestpartei ab"

Die Grünen beobachten das Umfragehoch der Piraten mit Skepsis. Bereits Anfang April hatte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast angekündigt, dass sich ihre Partei mit den Piraten aktiv auseinandersetzen und "sie zur Positionierung zwingen" werde. Am Samstag legte sie im Deutschlandradio Kultur nach: Die Grünen seien "breiter aufgestellt", sagte sie und demonstrierte Gelassenheit. Allerdings teilt die nicht jeder in ihrer Partei: "Bin ich der Einzige, der rtl/Forsa-"Meinungsumfragen" ausgesprochen unserioes und unrepraesentativ findet??!", twittert der Grünen-Landtagsabgeordnete Arndt Klocke aus NRW.

"Die Piraten lösen die Grünen als Protestpartei ab", prophezeite der CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt in der "Welt". Die Grünen hätten ihr Mono-Thema Kernenergie verloren und seien "durch und durch technikfeindlich". "Deshalb können die Grünen das netzgetriebene, technikbasierte Protestpotential nicht binden."

Interne Querelen

Bei allen Erfolgsmeldungen in den Umfragen haben die Piraten derzeit vor allem mit sich selbst zu tun. Bei den Politikneulingen gibt es Streit über den innerparteilichen Kurs. Die Jungen Piraten werfen der Partei Sexismus und Rassismus vor. Eine Frau sei als "zu hübsch" bezeichnet worden, schrieb die Nachwuchsorganisation und fordere eine härtere Gangart gegen Problemmitglieder. Doch der Vorstand wiegelt ab: In jeder Partei gebe es "zehn Prozent Idioten", heißt es in einer Stellungnahme.

Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig nutzte die Gelegenheit zur Attacke: Sie warf der Piratenpartei vor, nicht genug für Frauen zu tun. Es verwundere sie, dass bei den Piraten kaum Frauen vorkämen, sagte sie dem "Hamburger Abendblatt". "Das entspricht nicht meinen Vorstellungen von einer jungen, modernen Partei." Die SPD-Politikerin forderte die Piraten auf, sich "den Inhalten" zu stellen. "Sie werden nicht dauerhaft mit der Haltung durchkommen, keine Meinung zu wichtigen Themen zu haben", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin.

Fünf Prozent für die FDP

Scharfe Kritik übte Schwesig auch an der FDP. Die SPD-Politikerin betonte, dass sie bei den Liberalen ihre sozialliberale Haltung vermisse. Diese habe die FDP einmal ausgezeichnet, sagte Schwesig der Zeitung. "Davon ist nichts mehr übrig." Die FDP habe in den vergangenen zweieinhalb Jahren bewiesen, dass sie auf der Regierungsbank nichts verloren habe.

Allerdings kommen die Liberalen nach der aktuellen Forsa-Umfrage nun auf fünf Prozent - und würden demnach wieder in den Bundestag einziehen. Für den Generalsekretär der NRW-FDP Joachim Stamp ein Grund zur Freude, wie er bei Facebook schrieb, und "zusätzliche Motivation mit unserem hervorragenden Spitzenkandidaten Christian Lindner, einem klaren Programm und einer guten Kampagne die Menschen wieder für uns zu gewinnen".

CDU/CSU erreichen nach der Forsa-Umfrage 36 Prozent (plus ein Prozentpunkt). Eine eigene Mehrheit hätte Schwarz-Gelb damit weiterhin nicht. Die SPD bekommt 24 Prozent (minus einem Prozentpunkt) Zustimmung, die Linke acht Prozent (minus einem Prozentpunkt).

Andere Umfrage-Institute hatten für die Piraten weniger Zustimmung gesehen: Laut infratest dimap und Emnid lagen sie in den letzten Umfragen bei jeweils zehn Prozent. Die FDP erreichte zuletzt bei Emnid im Auftrag der "Bild am Sonntag" vier Prozent, bei infratest dimap drei Prozent.

heb/dapd

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insgesamt 610 Beiträge
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1. Großartig!
qranqe 10.04.2012
Weiter so, ich freue mich! Das ist klasse - immer mehr Bundesbürger finden Gefallen an dieser neuen Art der transparenten Politik. Besonders großartig ist die Tatsache, dass die Grünen darunter leiden, die zwar die gleichen Ziele propagieren, aber schon lange nicht mehr danach handeln. Seit Jahren bestimmen die 2 sog. Realos und die 2 sog. Fundis die Agenda, bar jedes Verstandes und jedweder Basisbeteiligung.
2.
Altesocke 10.04.2012
Zitat von sysopDie Piratenpartei liegt bei den Wählern hoch im Kurs, zum ersten Mal überrunden die Newcomer nun die Grünen. Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage erreichen die Politikneulinge 13 Prozent. Es ist der beste Wert seit Parteigründung. Die Grünen kommt dagegen nur auf elf Prozent. Forsa-Umfrage: Piraten überholen erstmals*bundesweit*die Grünen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,826458,00.html)
Wie sich Zeiten doch aendern, oder? Damit sind die Piraten deutlich schneller, als es die Gruenen (im Vergleich mit der FDP. 'Mit wem? Ach, mit dieser Splitterpartei!) jemals waren. Bleibt nur zu hoffen, das die Geldorientierung noch etwas auf sich warten laesst. Wie lange war das, bei den Gruenen?
3. mir sagt das:
fr.rottenmeier 10.04.2012
Zitat von sysopDie Piratenpartei liegt bei den Wählern hoch im Kurs, zum ersten Mal überrunden die Newcomer nun die Grünen. Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage erreichen die Politikneulinge 13 Prozent. Es ist der beste Wert seit Parteigründung. Die Grünen kommt dagegen nur auf elf Prozent. Forsa-Umfrage: Piraten überholen erstmals*bundesweit*die Grünen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,826458,00.html)
Wenn nun die Befragten auch tatsächlich zur Wahl gehen würden, ist die Politikverdrossenheit der Menschen nicht so ausgeprägt wie ursprünglich gedacht. Und zweitens sagt es mir, dass die Piraten zur Abgabestelle werden für Denkzettel, die einige Menschen in diesem Land auf diese Art und Weise den anderen bzw. großen Parteien erteilen können. Denn gute Ergebnisse bei den Piraten werden die anderen Parteien nicht schön finden und es dürfte das Koalitionspoker an der ein oder anderen Stelle ganz gewaltig durcheinanderbringen. :-) Aber für die politischen Ziele in diesem Land besteht keine Gefahr. Jede Partei, oder jeder Politiker, bei der/dem zu befürchten ist, dass Sie/er sich diesen erfolgreich in den Weg stellen könnte, bekommt den Skandal, der für sie/ihn vorgesehen ist. ........ansonsten gibt es ja da auch schon den ein oder anderen ehemaligen CDU oder FDPler,der es bereits in die Führungsriege der Piraten geschafft hat.
4.
eduardschulz 10.04.2012
Zitat von sysopDie Piratenpartei liegt bei den Wählern hoch im Kurs, zum ersten Mal überrunden die Newcomer nun die Grünen. Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage erreichen die Politikneulinge 13 Prozent. Es ist der beste Wert seit Parteigründung. Die Grünen kommt dagegen nur auf elf Prozent. Forsa-Umfrage: Piraten überholen erstmals*bundesweit*die Grünen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,826458,00.html)
Frau Schwesig ins Stammbuch geschrieben: Wir brauchen in Deutschland wenigstens eine Partei, die nicht dem Quotenwahn anheimgefallen ist. Wenn es die Piraten sind - von mir aus. Alleine deshalb bekämen sie meine Stimme, könnte ich in NRW wählen.
5. Inhalte klären
canebcam 10.04.2012
Zitat von sysopDie Piratenpartei liegt bei den Wählern hoch im Kurs, zum ersten Mal überrunden die Newcomer nun die Grünen. Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage erreichen die Politikneulinge 13 Prozent. Es ist der beste Wert seit Parteigründung. Die Grünen kommt dagegen nur auf elf Prozent. Forsa-Umfrage: Piraten überholen erstmals*bundesweit*die Grünen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,826458,00.html)
Was mir und vielen Anderen Sorge bereiten sollte ist, dass die Piraten zu vielen politischen Themen keine Stellung beziehen können, da die prteipolitischen Inhalte noch nicht geklärt wurden. Das macht sie somit zum trojanischen Pferd. Wer sagt das sie die Meinung der Wähler vertritt? Mal von der Internet"freiheit" abgesehen. Jeder der denkt etwas zum positiven verändern zu wollen, tut der Allgemeinbevölkerung nichts gutes damit, wenn er eine neue Partei, welche sich erst finden muss so sehr stärkt. Es kann genauso gut sein das sie nach Rechts oder Links abdriftet. Keiner der Parteimitglieder kann das sagen, da die Inhalte noch nicht geklärt sind.
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