Piratenpartei Stefan Körner wird neuer Chefpirat

Die Piratenpartei hat eine neue Spitze gewählt. Chef Stefan Körner und der politische Geschäftsführer Kristos Thingilouthis wollen weg vom Image des "zerstrittenen Haufens" - und die "anderen Parteien wieder bashen".

Stefan Körner: Neuer Bundesvorsitzender der Piratenpartei
DPA

Stefan Körner: Neuer Bundesvorsitzender der Piratenpartei


Halle - Stefan Körner ist neuer Chef der Piratenpartei. Er bekam beim Parteitag in Halle 62,05 Prozent der Stimmen. Körner wird dem liberalen Flügel der Piraten zugerechnet und gilt als Vertreter derjenigen, die vor allem die Kompetenz in der Netzpolitik betonen wollen. Der Softwareentwickler ist seit 2009 bei den Piraten und hat auch schon Führungserfahrung in der Partei gesammelt: Er leitete von 2010 bis 2013 den bayerischen Landesverband, trat aber nach dem schlechten Ergebnis der Piraten bei der Landtagswahl im vergangenen September zurück.

Körner folgt Thorsten Wirth nach, der nach nur einem Dreivierteljahr im Amt nicht mehr angetreten war. Der alte Vorstand hatte sich im Streit um den Kurs der Partei zurückgezogen. Der Parteitag in Halle sollte auch dazu dienen, die zerstrittenen Lager einander wieder anzunähern. Mehr als tausend Parteimitglieder waren angereist.

Bei der Bundestagswahl scheiterte die Partei mit 2,2 Prozent der Wählerstimmen klar an der Fünf-Prozent-Hürde, bei der Europawahl erreichten die Piraten nur 1,4 Prozent. Einige prominente Piraten haben die Partei verlassen, darunter der ehemalige Parteichef Sebastian Nerz. Die Zahl der Mitglieder ging auf rund 28.000 zurück. Die Partei selbst schätzt, dass nur noch rund 10.000 Mitglieder mit Überzeugung dabei sind.

"Die Piraten befinden sich im Augenblick in einem etwas desolaten Zustand", räumte der neue Parteichef Körner ein. "Die ersten Schritte müssten nun sein, dafür zu sorgen, dass wir weniger Grund haben, zu streiten, um unser Image vom zerstrittenen Haufen wieder zurückzuwandeln."

"Lasst uns die anderen Parteien alle wieder bashen"

Der hessische Landesvorsitzende Kristos Thingilouthis wird neuer politischer Geschäftsführer und damit für die Außenwirkung der Partei zuständig sein. Er erhielt 69,2 Prozent der Stimmen. Thingilouthis appellierte an die Kampfbereitschaft der Partei: "Lasst uns nach vorne gucken, lasst uns die anderen Parteien alle wieder bashen."

Der 41-jährige Thingilouthis folgt auf Björn Semrau, der im Frühjahr ebenfalls zurückgetreten war. In einem Interview mit der Parteizeitung "Flaschenpost" kündigte Thingiloutis an, sich für ein "Miteinander" der "sehr unterschiedlich tickenden" Piraten-Mitglieder einsetzen zu wollen.

Der in der Partei umstrittene Berliner Abgeordnete Christopher Lauer durfte trotz einer Kandidatur nicht zur Wahl antreten. Die Parteitagsleitung gab eine ungültige Unterschriftenliste als Grund an. Das Verhältnis Lauers zu dem neugewählten Parteichef Stefan Körner gilt als schwierig.

Erneut ins Amt gewählt wurde in Halle auch Schatzmeister Stefan Bartels. Auch er war im Frühjahr zurückgetreten, als bei den Piraten der Streit um eine eher linke oder sozialliberale Ausrichtung eskaliert war.

isa/AFP

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insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
warholandy 28.06.2014
1. hmm
Zitat von sysopDPADie Piratenpartei hat eine neue Spitze gewählt. Chef Stefan Körner und der politische Geschäftsführer Kristos Thingilouthis wollen weg vom Image des "zerstrittenen Haufens" - und die "anderen Parteien wieder bashen". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/piratenpartei-stefan-koerner-wird-neuer-parteichef-a-978113.html
Na vielleicht/hoffentlich wird das Thema " Bedingungsloses Grundeinkommen" wieder aufgegriffen.
whocaresbutyou 28.06.2014
2. Basisdemokratie... der Traum vom intelligenten Menschen
Zitat von warholandyNa vielleicht/hoffentlich wird das Thema " Bedingungsloses Grundeinkommen" wieder aufgegriffen.
mal abgesehen davon, dass ich ihren Wunsch nicht teile (warum sollte ich arbeiten, wenn ich auch ohne bedingungslos Geld bekomme), ist es völlig egal, was die Piraten aufgreifen. Basisdemokratie funktioniert in Deutschland ungefähr so gut wie in deutschen Foren. Jemand hat einen Idee mit Potential und wird sofort von 20 anderen niedergepöbelt, die es besser wissen. Die meisten guten Ideen scheitern schlicht und ergreifend daran, dass die meisten Menschen ihr eigenes Wohl über das der Gemeinschaft stellen. Die Top drei der deutschen Gefühle sind derzeit Angst, Neid und Arroganz. Bei der Reihenfolge lasse ich situationsbedingt mit mir handeln...
otla.pinnow 28.06.2014
3. Wahlwiederholung?
Mit Wiederholung der Wahl zum politischen Geschäftsführer sollte man rechnen, denn ob Bochum oder Neumarkt, bisher hat der linksextreme Flügel noch immer Abstimmungen getrollt, die nicht nach seinen Wünschen ausgefallen sind und Lauer immer ganz vorne dabei. Das kennt man schon, also rechnet man damit. Nun ja. Dass die Kämpfe gegen eine linksextremistische Unterwanderung sozusagen blutig sind, erkennt man daran, dass der unterlegene Flügel schon von Neuwahlen in drei Monaten träumt. Ich gehe allerdings davon aus, dass es wohl Träume bleiben werden, denn die Nerds sind wirklich stink sauer.
mka1983 28.06.2014
4. Wieso
gibt es die eigentlich. Die haben sich doch genauso abgenutzt wie die FDP und die Grünen. Die Nieten der beiden Großparteien machen doch auch allein alles kaputt.
Peter Werner 28.06.2014
5.
Liebe Redaktion von SPON, bei den Piraten gibt es keine "Delegierten". Jedes Parteimitglied, welches mit der Beitragszahlung nicht im Rückstand ist, darf an Parteitagen teilnehmen und mitentscheiden. Mögen die Piraten auch derzeit (großteils zurecht) am Boden liegen, so haben wir ihnen doch einiges zu verdanken. So z.B. die abgewendete Vorratsdatenspeicherung sowie die außer Kraft gesetzten, von der damaligen Familienministerin Ursula v.d. Leyen initierten, Netzsperren. Ohne die damals starke bzw. erstarkende Piratenpartei, hätte die damalige Schwarz/Gelbe Koalition wohl beide Gesetze einfach durchgewunken. Die Piraten haben sich unzweifelhaft bei der Bewusstseinsbildung über diese (und andere netzpolitische) Themen Verdienste erworben. Insofern: ein nachträgliches Danke schön. Und meinen Wunsch, dass die neue Führungsmannschaft einen guten Job macht und die Piraten wieder zu alter Stärke zurückführt.
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