"Klick mich"-Autorin: Piraten-Vorstand Schramm tritt zurück

Sie zieht sich zurück: Julia Schramm, Mitglied des Bundesvorstands der Piraten, will noch am Freitag ihr Amt aufgeben. Über die Politikerin war ein Shitstorm hinweggefegt, weil sie ihr Buch nicht frei verfügbar ins Netz stellte.

Piratin Julia Schramm: Bericht über Rückzug aus dem Bundesvorstand Zur Großansicht
dapd

Piratin Julia Schramm: Bericht über Rückzug aus dem Bundesvorstand

Hamburg - Julia Schramm hat genug: Sie tritt noch am Freitag von ihrem Parteiamt zurück, berichtete zunächst stern.de. Aus Parteikreisen wurde SPIEGEL ONLINE der Rücktritt der Beisitzerin im Bundesvorstand bestätigt. Schramm selbst war zunächst nicht zu erreichen.

Eine Sprecherin der Partei bestätigte "entsprechende Überlegungen", verwies aber darauf, dass zunächst der Nachmittag abzuwarten sei. Auch niemand im Vorstand der Piraten wollte den geplanten Rücktritt bestätigen. Aus Parteikreisen erfuhr SPIEGEL ONLINE, dass am Nachmittag eine Pressekonferenz mit Parteichef Bernd Schlömer geplant ist.

Schramm steht seit Wochen massiv in der Kritik, weil sie ihr Buch "Klick mich" nicht frei verfügbar ins Netz stellte. Ihr Verlag hatte mit ihrer Zustimmung eine kostenlose Kopie des Buches im Internet sperren lassen. Für viele Piraten war dies ein Widerspruch zum Programm der Partei, die sich für ein Recht auf kostenlose Kopien von Musik und Büchern einsetzt. Auch Schramm hatte in der Vergangenheit eine Neuregelung des bestehenden Urheberrechts gefordert.

Die Piraten sind seit Wochen nach den heftigen innerparteilichen Querelen im Stimmungstief, am Freitag rauschten sie im ZDF-Politbarometer unter die Fünfprozenthürde. Mit vier Prozent würden sie den Einzug in den Bundestag verpassen. Auch an dem politischen Geschäftsführer Johannes Ponader hatte es heftige Kritik wegen einer umstrittenen Spendenaktion zu seinen Gunsten gegeben. Der Bundesvorstand zeigte sich zuletzt tief zerstritten. Parteichef Schlömer forderte Ponader öffentlich auf, "mal zu arbeiten, anstatt Modelle vorzustellen, die die Berufstätigkeit umgehen".

Am Donnerstag hatte der Vorsitzende der bayerischen Piraten, Stefan Körner, SPIEGEL ONLINE gesagt: "Ein Piratenvorstand, der weiter mit Johannes Ponader und Julia Schramm besetzt ist, schadet uns langfristig." Auch Wahlkämpfer in Niedersachsen hatten Schramm im August bereits zum Rückzug aufgefordert.

Ponader ließ am Freitag verlauten, er werde nicht zurücktreten. Dennoch ist nicht ausgeschlossen, dass es weitere Rücktritte geben wird.

fab/heb

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insgesamt 173 Beiträge
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1.
niska 26.10.2012
Zitat von sysopSie zieht sich zurück: Julia Schramm, Mitglied des Bundesvorstands der Piraten, will nach einem Medienbericht noch am Freitag ihr Amt aufgeben. Über die Politikerin war ein Shitstorm hinweggefegt, weil sie ihr Buch nicht frei verfügbar ins Netz stellte. Piratenpartei: Vorstandsmitglied Julia Schramm tritt zurück - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/piratenpartei-vorstandsmitglied-julia-schramm-tritt-zurueck-a-863616.html)
Schön. Da sollte sie ein Buch drüber schreiben...
2. Piraten sind out,
dabinichjetzt 26.10.2012
der Schatz als Falschgold etlarvt.
3. Tja Frau Schramm...
fatherted98 26.10.2012
...das mit Ihrem Buch ist doch echt dumm gelaufen...das war in etwa so als wenn Sie als FDP Parteigröße die Zahlung von Lobby-Geldern aufs eigene Konto verweigert hätten...so sind Sie nicht zu halten.
4.
raju56 26.10.2012
Das war kein Shitstorm, dass war berechtigte Kritik!
5. Das passiert ...
kreis_rund 26.10.2012
Zitat von sysopSie zieht sich zurück: Julia Schramm, Mitglied des Bundesvorstands der Piraten, will nach einem Medienbericht noch am Freitag ihr Amt aufgeben. Über die Politikerin war ein Shitstorm hinweggefegt, weil sie ihr Buch nicht frei verfügbar ins Netz stellte. Piratenpartei: Vorstandsmitglied Julia Schramm tritt zurück - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/piratenpartei-vorstandsmitglied-julia-schramm-tritt-zurueck-a-863616.html)
... wenn sich ein Haufen junger Leute zusammenschließt, und ohne Sinn und Verstand einfach eine Protestpartei eröffnet. So ziemlich jedes Piratenpartei-Mitglied wird wohl recht naiv und unüberlegt an das Projekt "jetzt machen wir mal ein wenig Politik" heran gegangen sein. So lange sie nur eine Randerscheinung waren, war es ja auch ok: eine Gruppe von Nerds, die maximal von anderen Nerds gewählt werden. Mit dem zwischenzeitlichen Erfolg als "Protestwähler-Partei" waren sie dann vollkommen überfordert: sie standen im Focus der Berichterstattung, erst jetzt wurde der breiten Öffentlichkeit die teilweise unglaubliche Widersprüchlichkeit ihres "Wahlprogramms" bewusst. Dann stellten sie sich auch noch unglaublich kindlich-naiv an was die Personalpolitik anging, stellten sich selbst mehrere tiefe Fettnäpfe auf (Umgang mit rechtem Gesocks innerhalb der Partei) und so weiter und so fort. Die Piraten hätten einfach nur eine kleine Rand-Partei bleiben sollen.
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