Baden-Württemberg: Piratenchef im Südwesten verlässt Partei
Die Piraten kommen nicht zur Ruhe. Nun legt der Parteivorsitzende in Baden-Württemberg sein Amt nieder - und verlässt die Partei. Es habe Gewaltandrohungen gegen ihn gegeben, klagt Lars Pallasch. Den umstrittenen Geschäftsführer Johannes Ponader fordert er ebenfalls zum Rücktritt auf.
Hamburg/Stuttgart - Bei den Piraten legt der baden-württembergische Landeschef sein Amt nieder und verlässt die Partei. Der 36-jährige Lars Pallasch verkündete, er ziehe damit die Konsequenzen aus dem rüden Umgangston in der Piratenpartei. In einem Schreiben beklagte er, ihm und seiner Familie sei anonym körperliche Gewalt angedroht worden. Dies sei der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe.
Pallasch geht davon aus, dass es Parteimitglieder waren, die ihn bedroht haben. "Ich habe mehrere Personen im Verdacht", sagte er. Er habe Anzeige erstattet und die Drohungen der Staatsanwaltschaft übergeben. Sein Austritt aus der Partei sei unvermeidlich gewesen: "Ich setze damit ein Zeichen, dass es so nicht weitergeht." Er wolle die Partei, die sich derzeit in Umfragen im Sinkflug befindet, aufrütteln.
Er habe ständig beleidigende E-Mails bekommen, schreibt Pallasch. Dort sei er unter anderem als "Bremser" oder "anti-progressives Arschloch" verunglimpft worden. Ständig hätten Mitglieder dem Vorstand vorgeworfen, es werde intransparent gearbeitet und "geklüngelt".
"Johannes Ponader, treten Sie umgehend zurück"
Entnervt zeigte sich Pallasch auch vom Dauerstreit unter den Führungskräften der Piratenpartei im Bund. Er habe immer wieder versucht, Journalisten davon zu überzeugen, dass die Piraten "kein zerstrittener, planloser Haufen" seien. "Habe ich mich getäuscht?", schrieb er nun.
Dem umstrittenen Bundesgeschäftsführer Johannes Ponader empfahl er den sofortigen Rücktritt. "Johannes Ponader, treten Sie umgehend zurück - Sie schaden sich, Sie schaden der Piratenpartei, Sie schaden jedem, der sich politisch engagiert." Es müsse klar sein: "Wer Mehrheitsentscheidungen nicht akzeptieren kann, muss gehen", so Pallasch.
Die Piratenpartei quält sich seit Monaten mit Streitigkeiten im und um den Bundesvorstand. Am Mittwoch hatte der Berliner Fraktionschef Christopher Lauer in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" erklärt, dass er auch wegen der Kommunikationskultur dem Kurznachrichtendienst Twitter den Rücken kehre. Twitter ist für die Piratenpartei eines der wichtigsten Kommunikationsinstrumente.
Lauer schrieb nun: "Als Kommunikationsmedium ist Twitter für mich gestorben." Er habe keine Lust mehr, jeden Tag "mindestens einen doofen Kommentar, eine Beleidigung" zu lesen. Mehr als 500 Personen habe er deshalb bereits geblockt - sie können nicht mehr mit ihm kommunizieren. Zuvor hatte Lauer bereits dem SPIEGEL sowie dem Deutschlandfunk gesagt, er nutze Twitter kaum noch.
fab/dpa
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