Piratin: Marina Weisband bekam antisemitische Hass-Mails

Marina Weisband, prominentestes Mitglied der Piraten, hat sich aus ihrem Spitzenamt zurückgezogen - zumindest vorübergehend. Eine Rückkehr in die Parteispitze schließt sie für 2013 nicht aus. Während der letzten Monate hatte die Geschäftsführerin der Partei antisemitische Hass-Mails bekommen.

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REUTERS

Marina Weisband: "Einen Burnout habe ich nicht"

Hamburg - Die scheidende Politische Geschäftsführerin der Piraten-Partei, Marina Weisband, ist in den vergangenen Monaten wegen ihres jüdischen Glaubens massiv antisemitisch angefeindet worden. Weisband sagte der "Bild am Sonntag": "Ich habe Hass-Mails bekommen, auf rechtsextremistischen Web-Seiten wurde mein Foto veröffentlicht. Daneben standen Texte darüber, wie die Juden jetzt die deutsche Parteienlandschaft erobern würden."

Weisband hat mit ihrem offenen Politikstil Furore gemacht. Sie propagierte weitgehende Transparenz und sprach auch selbstbewusst über ihren jüdischen Glauben.

Die prominente Piratin relativierte die von ihr selbst angesprochenen gesundheitlichen Gründe für ihren vorübergehenden Rückzug aus der Bundespolitik: "Man muss sich keine Sorgen machen um mich. Ich brauche einfach Erholung." Sie wolle jetzt ihre Diplomarbeit schreiben. Die Psychologiestudentin sagte weiter: "Einen Burnout habe ich nicht."

Weisband, die auf dem kommenden Bundesparteitag nicht mehr für den Vorstand kandidieren wird, schließt eine Rückkehr in die Parteiführung noch vor der Bundestagswahl 2013 nicht aus: "Ich bin weiter in der Partei aktiv. Und ich kann mir auch vorstellen, 2013 wieder für ein Spitzenamt zu kandidieren."

Die Partei steht einer Rückkehr Weisbands offen gegenüber. Parteivize Bernd Schlömer sagte der "BamS: "Marina ist ein Gewinn für die Partei und wäre im Wahlkampf 2013 eine große Hilfe. Wenn sie will, kann sie jederzeit zurückkommen. Auch in ein Spitzenamt."

Die Piratenpartei kann erstmals seit Oktober in der Wählergunst wieder zulegen. Im repräsentativen Sonntagstrend, den das Meinungsforschungsinstitut Emnid wöchentlich im Auftrag von "Bild am Sonntag" erhebt, erreicht sie acht Prozent - das ist ein Zuwachs von einem Prozentpunkt. Einen Verlust von einem Prozentpunkt musste hingegen die Union hinlegen, sie kommt in dieser Woche auf 34 Prozent. Bei den anderen Parteien gibt es keine Veränderungen in der Wählergunst.

cai

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insgesamt 386 Beiträge
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1. Unfassbar!!!!!!!!
cicatriz 29.01.2012
Zitat von sysopMarina Weisband, prominentestes Mitglied der Piraten, hat sich aus ihrem Spitzenamt zurückgezogen - zumindest vorübergehend. Eine Rückkehr in die Parteispitze schließt sie für 2013 nicht aus. Während der letzten Monate*hatte die Geschäftsführerin der Partei antisemitische Hass-Mails bekommen. Piratin: Marina Weisband bekam antisemitische Hass-Mails - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,812036,00.html)
Das ist unfassbar, dass im Land der Täter nur 2 Tage nach der wundervollen Rede von RR im Bundestag zum Gedenken an die 7 Mio Ermordeten durch Nazis und ihre Mitläufer wieder solch eine Nachricht schockt. Mich kotzt der Antisemitismus und die Fremdenfeindlichkeit in diesem Land schlichtweg an. Hoffentlich tritt Weisband diesen rechten A****** mutig entgegen. Aber das verlange ich sowieso von uns Allen.
2. Notwendig...
rotakiwi 29.01.2012
...zu einer Normalisierung des Verhältnisses zwischen Deutschen und Juden sind öffentlich wahrnehmbare Juden, die ganz normal am öffentlichen Leben in Deutschland teilnehmen, auch wenn es ein Paar Rechtsrandpsychotiker immer geben wird.
3. Es kann nicht an dieser Politikerin liegen...
makake62 29.01.2012
Zitat von sysopMarina Weisband, prominentestes Mitglied der Piraten, hat sich aus ihrem Spitzenamt zurückgezogen - zumindest vorübergehend. Eine Rückkehr in die Parteispitze schließt sie für 2013 nicht aus. Während der letzten Monate*hatte die Geschäftsführerin der Partei antisemitische Hass-Mails bekommen. Piratin: Marina Weisband bekam antisemitische Hass-Mails - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,812036,00.html)
der Hass mitten in Deutschland ist Teil unserer Gesellschaft geworden, ohne dass dies bemerkt worden ist. Allein mit dem Thommy und mit Herrn Jauch - der eine steht für den Lausbub, der andere für den Musterschüler im TV - haben wir uns eine Imagekampagne der billigsten Art gegönnt, während auf den Dörfern in der ehemaligen DDR kein Zentimeter Boden sicher vor den Rechten ist. Auch im Westen ist das neue Lumpengesindel auf die rechte Bahn gerutscht und verbreitet Hass. Gefördert werden dies Leute aber von Oben: Betroffene Schuldirektoren und Lehrkräfte, welche nur auf Verspätungen, Fehlzeiten oder Ordnung "trimmen". Es ist kein Wunder, dass es so gekommen ist. Der rechte Mob wird aus unterschiedlichen Gründen gezüchtet, kultiviert und mit Hass aufgeladen. Das heißt, diese "Rechten" werden durchaus auch gequält, gedemütigt und als Hilfsarbeiter brutalstmöglich ausgenutzt. Die Freiheit die ihnen bleibt, ist den Hass - aus ihrer Sicht systemkonform - in Richtung der Linken ("Staatsfeinde") zu richten. Die Saat der harten Hand in der Pädagogik und Berufsausbildung blüht mittlerweile, Herr Bueb!
4. Dumpf
Guillermo Emmark 29.01.2012
Es ist unglaublich und beschämend, dass so etwas 67 Jahre nach Auschwitz in Deutschland noch bzw. wieder möglich ist. Ja und der Verfassungsschutz hat offenbar völlig falsche Prioritäten, wenn er nicht sogar von derartigen Dumpfbacken durchsetzt ist.
5. .
c++ 29.01.2012
Es gibt immer Durchgeknallte, solche Mails lassen sich wohl nicht verhindern. Sie bewirken hoffentlich nur, dass die Piratenpartei und die Öffentlichkeit geschlossen hinter Frau Weisband steht. Da ist klare Ansage notwendig.
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