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29. Dezember 2012, 15:35 Uhr

Wahlkampfhilfe in Niedersachsen

Piratin twittert für die Linke

In Niedersachsen muss sich twittermäßig noch einiges tun, meint die Piratin Christine Haasler. Sie betrieb deshalb beim Kurznachrichtendienst wochenlang einen Kanal für die Linkspartei - die sich sehr über die Wahlkampfhilfe wunderte.

Hannover - Für Christine Haasler ist es eine "symbolische Aktion", für andere nur absurd: Die Landtagskandidatin der Piraten in Niedersachsen hat für die Linkspartei einen Twitter-Account angelegt und diesen wochenlang betrieben.

Das klinge seltsam, wie Haasler selbst zugibt. Sie findet aber, dass sich im politischen Niedersachsen noch einiges digital vor der Wahl am 20. Januar entwickeln muss - zumindest bei der Linkspartei. Die war bis Anfang Dezember nicht bei Twitter vertreten. "Das war sehr schade, dass die nur bei Facebook waren", sagte Haasler SPIEGEL ONLINE. Es gehe schließlich um die "digitale Teilhabe" und "Pluralismus" im Netz.

"Erste Schritte bei Twitter. Ab jetzt reden wir hier mit", lautete Haaslers erstes Tweet am 6. Dezember im Namen der Linkspartei. Wochenlang habe sie dann versucht, den Account an den politischen Mitbewerber zu übergeben - habe aber erst keine Antwort erhalten. Dann zeigten sich die Linken überrascht von dem Wahlkampfgeschenk, von dem sie aber nicht sehr angetan waren, wie Haasler berichtete.

"Die Piraten leiden wohl unter politischer Persönlichkeitsstörung", sagte Jörn Jan Leidecker, der den Landtagswahlkampf der Linken managt, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Den Kurznachrichtendienst habe seine Partei ganz bewusst vernachlässigt. Übernommen hat sie den Account trotzdem.

Am Freitag hieß es dann dort: "@die_linke_nds Nun wirklich LINKS. Danke @PiratinnenNDS fürs vorwärmen!" Leidecker twitterte über seinen Account: "@PiratinnenNDS so viel ehrenamtliches engagement hat uns dann doch überrascht.. :-)". Der Zeitung sagte Leidecker, seine Partei wolle den Kanal nicht weiterbetreiben. Am Samstag hieß es dann aber via Kurznachrichtendienst: "Wir werden Twitter weiter verwenden. Wir sind doch nicht blöd." Am Abend fügte Leidecker über sein privates Konto noch hinzu: "wollte den Account nicht schließen... Unser Schwerpunkt bleibt unser Facebook-Profil."

Piratin Haasler, Listenplatz neun, will in ihrem Vorgehen keine Wahlkampfhilfe sehen - "dafür ist Twitter dann doch zu klein". In den Umfragen liegen Piraten und Linke seit Monaten unter der Fünfprozenthürde. Immerhin 110 Follower hat Haasler den Linken beschert und nach eigenen Angaben eine Anleitung, wie sie die Twitterpräsenz künftig pflegen können - auch via Facebook.

heb

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