Hamburg - Sie galt als große Hoffnung der Piraten, gab der jungen Partei als politische Geschäftsführerin ein Gesicht. Doch dann verabschiedete sich Marina Weisband aus dem Rampenlicht. Als Grund für ihren Abschied im Frühjahr 2012 gab sie auch ihren schlechten Gesundheitszustand an. Nun hat sich die 25-Jährige erstmals im Detail über eine schwere Erkrankung in ihrer Kindheit geäußert.
Weisband bezeichnete sich im Gespräch mit dem "Zeit-Magazin" als "Tschernobyl-Kind". "Das haben die Ärzte damals meinen Eltern gesagt, als sie verzweifelt zu ihnen kamen", so Weisband: "Was wollen Sie - sie ist ein Tschernobyl-Kind."
Die Politikerin wurde 1987 in Kiew geboren, hundert Kilometer entfernt von Tschernobyl, wo sich ein Jahr zuvor die Nuklearkatastrophe ereignet hatte. "Es begann etwa in meinem zweiten Lebensjahr als Immunschwäche und setzte sich in einer Reihe von Folgekrankheiten fort", schreibt sie in ihrem Buch "Wir nennen es Politik. Ideen für eine zeitgemäße Demokratie", das in der kommenden Woche erscheint.
Am 26. April 1986 war in dem Kraftwerk ein Reaktor explodiert. Als Folge wurden große Mengen radioaktives Material in die Luft geschleudert und verbreitet. In vielen Teilen Europas wurden später erhöhte Strahlenwerte festgestellt. Besonders hoch war die Belastung jedoch in der Nähe des Kraftwerks. Schon lange gibt es Diskussionen über die möglichen Folgen der Strahlenbelastung in der Zivilbevölkerung.
Nach der Katastrophe hatten Weisbands Eltern immer wieder Ärzte in Kiew aufgesucht - ohne jedoch viel Hilfe zu erhalten. "Schließlich haben sie meiner Mutter gesagt: Wenn Ihre Tochter hierbleibt, wird sie sterben", sagt sie im "Zeit-Magazin". Der anschließende Umzug der Familie nach Deutschland habe ihr das Leben gerettet, mehrere Nachbarskinder von damals seien mittlerweile tot.
jok
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