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Pistolenspiele in Afghanistan: Bundeswehr entlässt Unglücksschützen

Für den deutschen Soldaten, der in Afghanistan seinen Kameraden versehentlich bei einem Spiel erschoss, sind die Tage in der Bundeswehr gezählt: Nach SPIEGEL-Informationen wird der Hauptgefreite vorzeitig und sofort entlassen. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Schützen.

Soldat in Afghanistan: Todesschütze muss die Bundeswehr verlassen Zur Großansicht
REUTERS

Soldat in Afghanistan: Todesschütze muss die Bundeswehr verlassen

Die Bundeswehr will den 21-jährigen Hauptgefreiten, der im Dezember versehentlich einen Kameraden in Afghanistan erschossen hatte, vorzeitig und per sofort entlassen. Nach SPIEGEL-Informationen wirft sie ihm nicht sachgerechten Umgang mit Waffen und Munition vor. Dadurch sei "das Vertrauen in den Soldaten nachhaltig erschüttert".

Bei einem sogenannten Pistolenspiel hatte der Soldat seinen Kameraden, den Hauptgefreiten Oliver O., am 17. Dezember 2010 auf einem Außenposten in Nordafghanistan aus kurzer Distanz mit einem Schuss in den Kopf getötet. Zuvor hatten Bundeswehrsoldaten ihre Waffen aus Spaß aufeinander gerichtet. Einige von ihnen ließen sich beim sogenannten Posing mit den Dienstwaffen auch fotografieren.

Die Staatsanwaltschaft Gera ermittelt gegen den Schützen zudem wegen fahrlässiger Tötung. Erste Untersuchungen der Feldjäger hatten ergeben, dass der Schuss aus kurzer Distanz abgegeben wurde, eine vorsätzliche Tat schlossen sie aber aus. Willi Weber, der Münchner Anwalt des Schützen, hält die fristlose Entlassung des freiwillig Wehrdienstleistenden für "verfehlt". Sein Mandant leide unter dem Tod seines Freundes. Er sehe einer Anklage und Disziplinarmaßnahmen entgegen und falle durch die Kündigung nun auch "ins soziale Nichts".

cht

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insgesamt 66 Beiträge
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1. Der Fall "ins soziale Nichts"
eine_oma 12.03.2011
---Zitat von SPN-Artikel--- Sein Mandant leide unter dem Tod seines Freundes. Er sehe einer Anklage und Disziplinarmaßnahmen entgegen und falle durch die Kündigung nun auch "ins soziale Nichts". ---Zitatende--- Ach, hätte man ihn auszeichnen und befördern sollen dafür? Weil Töten ja nun mal eine vornehmliche Aufgabe von Soldaten ist, wenn es hart auf hart kommt?
2. Posing
sirleon 12.03.2011
"Posing"... wer lässt sich eigentlich immer solche schwachsinnigen Synonyme einfallen? Hieß es nicht auch vielleicht "aufeinander zieling"? glaube kaum, dass einer der beiden Soldaten nach dem Verpflegen sagte "hey Kamerad, lass mal ne runde Posing spielen"
3. Grosser Zapfenstreich?
Reformhaus, 12.03.2011
---Zitat--- Dadurch sei "das Vertrauen in den Soldaten nachhaltig erschüttert". ---Zitatende--- Für "erschüttertes Vertrauen" wird man neuerdings mit großem Zapfenstreich verabschiedet - LIVE-Übertragung inclusive, versteht sich.
4. Noch nicht in der Wirklichkeit angekommen
jüttemann 12.03.2011
Zitat von sysopFür den deutschen Soldaten, der in Afghanistan seinen Kameraden versehentlich bei einem Spiel erschoss, sind die Tage in der Bundeswehr gezählt: Nach SPIEGEL-Informationen wird der Hauptgefreit vorzeitig und sofort entlassen. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Schützen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,750542,00.html
Natürlich hat der Soldat gewaltig Mist gebaut, natürlich ist ein derartig leichtfertiger Umgang mit der Waffe verboten. Aber nun so zu tun, als wäre das auf einer Polizeiwache oder Kaserne in Deutschland passiert, wird der Sache nicht gerecht. Denn unzählige Berichte aus anderen Kriegen zeigen, dass ein derartiges "Spiel mit dem Feuer" für Soldaten fast ein notwendiges Ventil ist, um mit dem täglichen Tod, dem täglichen Grauen und der täglichen Lebensgefahr fertig zu werden. Ganz einfach dadurch, in dem man die Gefahr spielerisch entdämonisiert. Die Generation meines Vaters setzte sich Handgranaten auf den Helm und ließ sie explodieren, die meines Großvaters schraubte Blindgänger auf und steckte den Sprengstoff mit Streichhölzern an. Aber wenn etwas passiert war, wurden sie von denen bestraft, die auch an der Front waren und wussten, was Soldaten dazu bringt, solche lebensgefährlichen Kindereien zu machen. Heutzutage urteilen darüber Staatsanwälte und Bürokraten, die nichts anderes als ihre ruhige 38 1/2 Stundenwoche erlebt haben und Afghanistan nur aus den Medien kennen. Schon die Geschehnisse um Oberst Klein haben gezeigt, dass man zwar Soldaten in einen Krieg geschickt hat, aber die meisten Deutschen überhaupt nicht wahrhaben wollen, was Krieg eigentlich ist und was Krieg bedeutet.
5. -
Willie, 12.03.2011
Zitat von ReformhausFür "erschüttertes Vertrauen" wird man neuerdings mit großem Zapfenstreich verabschiedet - LIVE-Übertragung inclusive, versteht sich.
Nicht "man" -hoechstens Verteidigungsminister und Bundeskanzler. Auch wenn sie zu lukrativerem bei Gazprom gehen.
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