CSU-Kritik an Schavan: "Die Dame soll sich schämen"

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Bildungsministerin Annette Schavan: Kritik aus den eigenen Reihen

Annette Schavan kämpft gegen den Vorwurf, ihre Doktorarbeit sei ein Plagiat. Erstmals kritisiert jetzt ein Unionspolitiker die Bildungsministerin offen: Ein CSU-Landtagsabgeordneter sagt, es "wäre an der Zeit, dass die Dame sich unheimlich schämt".

Berlin - Es geht um Annette Schavans Glaubwürdigkeit. Die Universität Düsseldorf hat nach Plagiatsvorwürfen ein Verfahren gegen die Bildungsministerin eröffnet. Sie muss um ihren Doktortitel bangen.

Noch weiß Schavan die Kanzlerin hinter sich. Angela Merkel habe "volles Vertrauen" in ihre Arbeit, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Sie sei "eine hoch angesehene und erfolgreiche" Ministerin.

Vertrauen hatte Merkel Anfang 2011 allerdings auch ihrem damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zugesichert, der später doch zurücktreten musste. Schavan war damals das erste Kabinettsmitglied gewesen, das sich distanziert hatte: Als Wissenschaftlerin, die vor 30 Jahren selbst promoviert habe, schäme sie sich "nicht nur heimlich" für das Debakel um Guttenbergs Doktorarbeit, sagte sie der "Süddeutschen Zeitung".

Einige in der CSU scheinen ihr das nicht vergessen zu haben. Bislang gab es Häme nur hinter den Kulissen. Nun wagt sich erstmals der bayerische CSU-Landtagsabgeordnete Ernst Weidenbusch vor. "Es wäre an der Zeit, dass die Dame sich unheimlich schämt", sagte er laut Agentur dapd am Mittwoch.

Zurückhaltender äußerte sich der CSU-Wirtschaftsexperte Erwin Huber. Der frühere Parteichef erklärte, zunächst müsse das Ergebnis des Prüfverfahrens abgewartet werden. Danach müsse Schavan "selber wissen, was zu tun ist". Klar sei, dass die CDU-Politikerin als Wissenschaftsministerin unter "besonderer Beobachtung" stehe.

"Meine Dissertation ist kein Plagiat"

Nun ist der Fall Schavan nicht mit der Affäre um Guttenberg vergleichbar. Und Kanzlerin Merkel will ihre Parteifreundin nicht fallen lassen. Sie sind nicht nur politische Weggefährten, die CDU-Frauen verbindet ein echtes Vertrauensverhältnis, Schavan gilt Merkel als wichtige Ratgeberin.

Die Opposition jedoch denkt bereits über Schavans Rückzug nach. "Wenn Annette Schavan der Doktortitel aberkannt werden würde, wäre ihr Verbleib im Amt ein Bärendienst an der Wissenschaft", sagte Grünen-Chefin Claudia Roth der "Welt". Der SPD-Bildungsexperte Ernst Dieter Rossmann sagte, sollte es zur Aberkennung des Doktortitels kommen, sei Schavan nicht zu halten. Der Präsident des Deutschen Hochschulverbands Bernhard Kempen meinte im WDR, die Ministerin solle überlegen, ob sie dem Amt einen Gefallen tue, wenn sie es weiter wahrnehme.

Doch an Rücktritt denkt Schavan nach Angaben ihres Sprechers nicht. Sie werde auch wie geplant am Freitag vor den Mitgliedern ihres CDU-Kreisverbands Alb-Donau/Ulm als Kandidatin für die Bundestagswahl antreten, so ihr Sprecher.

Die Ministerin geht in die Offensive: Sie hat am Mittwoch erneut alle Vorwürfe von sich gewiesen und die Uni aufgefordert, "externe Fachgutachten" einzuholen. Sie habe sich in den acht Monaten seit Bekanntwerden der Vorwürfe intensiv mit dem Text ihrer Dissertation befasst und mit zahlreichen Fachwissenschaftlern gesprochen. Sie sehe sich dadurch in ihrer Überzeugung bestärkt, "dass meine Dissertation kein Plagiat ist", so Schavan.

Konkret geht es um ihre Doktorarbeit zum Thema "Person und Gewissen" aus dem Jahr 1980. Ihr wird vorgeworfen, falsch zitiert und Quellen nicht genannt zu haben. Das zuständige Gremium der Uni Düsseldorf hatte am Dienstagabend nach monatelangen Vorermittlungen beschlossen, ein formales Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels einzuleiten. Dies bedeutet noch nicht, dass Schavan ihren akademischen Grad verliert. Die Prüfer könnten auch zu dem Schluss kommen, dass für einen Titelentzug keine ausreichenden Gründe vorliegen.

kgp/dpa/dapd

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insgesamt 109 Beiträge
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    Seite 1    
1. Gewissen
xehris 23.01.2013
Um sich schämen zu können, braucht man ein Gewissen.
2. Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln
Klaus100 23.01.2013
Ja, man muss das Thema natürlich weiterhin in der Berichterstattung lassen. Es geht nämlich um nicht mehr und nicht weniger als um Politik.Wenn schon sachliche Auseinandersetzung nicht zum Erfolg führt, dann wenigstens persönliche Angriffe unterhalb der Gürtellinie. Die Uni Düsseldorf lässt sich instrumentalisieren. Die Qualitäts-Medien tun ihr Übriges. Es geht doch nicht um eine simple Dissertation. Wir haben andere Probleme genug. Im übrigen harre ich nun der freundlichen Kommentare der Blogger mit dem Besserwisser-Gen.
3. Person und Gewissen
level 23.01.2013
Vermutlich schämt sich die Dame ja auch heimlich - aber die Kohle muss weiter fließen ... dieses Verhalten hat leider längst Vorbildfunktion in der Politik, sonst müssten noch ganz andere Politiker vor Scham abtreten.
4. Wie recht der CSU-Politiker hat
luxus64 23.01.2013
Was sagte sie zu Guttenberg? " Sie schämt sich für Guttenberg" Es wäre besser sie würde zurücktreten. Von unseren Studenten verlangen wir Ehrlichkeit. Kann sie den Studenten eigentlich in die Augen sehen wenn sie immer behauptet sie sei Unschuldig? Frau Merkel hat sich schon einmal hinter einen Ihrer Minister gestellt und vollstes Vertrauen geäußert. Und wer hatte gelogen? Der Guttenberg. Ich glaube der Schavan nicht.
5. optional
wagner.volkmar 23.01.2013
Es ist traurig und beschämend, wenn Politiker sich an über dreißig Jahren zurückliegenden Vorgängen ereifern, obwohl es in Deutschland genug aktuelle Probleme auf allen Gebieten gibt. Aber da könnte man ja in irgendein Fettnäppchen treten und nicht mehr aufgestellt werden. Die Mehrheit der Wähler dürfte für solche Zeitverschwendung wenig Verständnis haben, solange in Deutschland noch Obdachlose erfrieren und verhungern und Rentner oft nicht mehr bekommen als Sozialschmarotzer.
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