Plagiatsaffäre Staatsanwalt leitet Ermittlungen gegen Guttenberg ein

Mit der Causa Guttenberg beschäftigt sich die Justiz: Die Staatsanwaltschaft in Hof hat wegen der Plagiatsaffäre offiziell ein Ermittlungsverfahren gegen den Ex-Verteidigungsminister eingeleitet. Gegen Guttenberg lägen mehr als 100 Strafanzeigen vor.

Ex-Minister Guttenberg: Mängel eingestanden, Täuschung bestritten
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Ex-Minister Guttenberg: Mängel eingestanden, Täuschung bestritten


Hof Bayreuth - Karl-Theodor zu Guttenbergs Rücktritt liegt sechs Tage zurück - nun prüft die Staatsanwaltschaft in Hof die Plagiatsvorwürfe gegen den ehemaligen Verteidigungsminister. Es geht dabei um Guttenbergs umstrittene Doktorarbeit, die in großen Teilen fremde Texte enthält.

"Mittlerweile liegen über 100 Strafanzeigen im Zusammenhang mit den Plagiatsvorwürfen vor", sagte Oberstaatsanwalt Reiner Laib am Montag im bayerischen Hof. Seine Behörde werde auch die Ergebnisse der Selbstkontrollkommission der Universität mit in ihre Arbeit einbeziehen.

In erster Linie geht es laut Laib um mögliche Verstöße gegen das Urheberrecht. Zur Dauer und zu Einzelheiten der Ermittlungen wollte sich die Staatsanwaltschaft nicht äußern.

Die Behörde hatte bereits vergangene Woche angekündigt, sie werde ein Ermittlungsverfahren einleiten, sobald ihr offiziell vorliege, dass Guttenberg sein Bundestagsmandat niedergelegt habe und seine Immunität damit erloschen sei.

Guttenberg hatte die Mängel seiner juristischen Dissertation eingestanden, aber jede absichtliche Täuschung bestritten. Die Universität Bayreuth erkannte ihm den Doktortitel ab. Guttenberg trat am vergangenen Dienstag von seinem Amt als Verteidigungsminister zurück.

Gegen Guttenberg wird ermittelt - seine Prüfer verteidigen sich in der Affäre um dessen Doktorarbeit. Die Überprüfung von Dissertationen mit technischen Mitteln sei 2006 nicht üblich gewesen, schreiben Doktorvater Peter Häberle und Zweitgutachter Rudolf Streinz in einer gemeinsamen Erklärung. Zudem sei die "Erkennung von Plagiaten" mit den damals verfügbaren technischen Mitteln "kaum möglich" gewesen.

Die beiden Professoren betonen in ihrer Erklärung auch, dass sich im Promotionsverfahren allgemein ein intensives Vertrauensverhältnis zwischen Doktorvater und Doktorand entwickle. Daher gingen alle am Verfahren beteiligten von der Beachtung der Regeln wissenschaftlichen Arbeitens aus. Der Doktorand sei dafür allein verantwortlich.

anr/dpa/dapd



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insgesamt 140 Beiträge
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Gajana 07.03.2011
1. 2006 war es möglich Plagiate zu erkennen
Auch 2006 war es möglich Plagiate zu erkennen. Die Qualität der Prüfung scheint an der Uni etwas rückständig zu sein. Und Herr Guttenberg muss eine einfache Wahrheit ´lernen, die für alle in einem Rechtssaat gilt: Wer eine Straftat begeht muss mit einer Strafanzeige rechnen. Alles andere wäre eine Farca
si_tacuisses 07.03.2011
2. Na, da konnte sich die Staatsanwaltschaft Hof wohl nicht
Zitat von sysopMit der Causa Guttenberg beschäftigt sich die Justiz: Die Staatsanwaltschaft Hof hat wegen der Plagiatsaffäre offiziell ein Ermittlungsverfahren gegen den Ex-Verteidigungsminister eingeleitet. Gegen Guttenberg lägen mehr als*100 Strafanzeigen wegen möglicher Verstöße gegen das Urheberrecht vor. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,749452,00.html
länger gegen die Aufnahme der Ermittlungen wehren ohne sich dem Verdacht der Rechtsbeugung auszusetzen.
Kalle, 07.03.2011
3. Dauert ein wenig, wird aber eingestellt
Zitat von sysopMit der Causa Guttenberg beschäftigt sich die Justiz: Die Staatsanwaltschaft Hof hat wegen der Plagiatsaffäre offiziell ein Ermittlungsverfahren gegen den Ex-Verteidigungsminister eingeleitet. Gegen Guttenberg lägen mehr als*100 Strafanzeigen wegen möglicher Verstöße gegen das Urheberrecht vor. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,749452,00.html
Nachdem er sich aus der Politik verabschiedet hat, wird das Verfahren mangels öffentlichen Interesses eingestellt, es sei denn, es wird Anzeige von den nicht genannten "Zitierten" erstattet.
Münchner, 07.03.2011
4. Auflösung der juristischen Fakultät in Bayreuth
Die nächste Konsequenz nach KTs Rücktritt, ist die Auflösung der juristischen Fakultät der Uni Bayreuth. Wer für einen derartigen Murks einen Doktor mit summa cum laude vergibt, ist völlig unglaubwürdig. Ich vermute, die Prüfer haben ebenso wie KT die Arbeit nicht mal gelesen. Kein ernsthafter Student wird dort noch studieren wollen. Ein Doktortitel dieser Fakultät bringt jeden Inahber in den Geruch des Hochstaplers. Es sollte nicht nur gegen KT strafrechtlich ermittelt werden sondern auch die Doktorvärer sollten zumindest disziplinarrechtlich belangt werden.
betawa 07.03.2011
5. Das Jahr 2007
Das Jahr 2007 als laut Häberle Google online ging...
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