Plagiatsaffäre Warum es für den Minister richtig eng wird

Muss Verteidigungsminister Guttenberg doch noch zurücktreten? Der Aufstand der akademischen Klasse wird für den CSU-Mann zur ernsten Gefahr.  Die wissenschaftliche Elite kann nicht hinnehmen, dass ihr eigenes Ansehen durch einen Schummel-Doktor ramponiert wird.

Ein Kommentar von Franz Walter

Getäuscht, geklaut, geheuchelt: Guttenberg wird seinen Stuhl und Posten räumen müssen
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Getäuscht, geklaut, geheuchelt: Guttenberg wird seinen Stuhl und Posten räumen müssen


"Der wird das aussitzen, der Guttenberg." Wie oft hat man in den letzten zwei Wochen privat und öffentlich diese Prognose zu hören bekommen. Und wer wagte ihr schon mit Vehemenz zu widersprechen? Denn man hat es schließlich oft genug bereits erlebt, nicht zuletzt beim Verteidigungsminister selbst, dass empörte Diskussionen über Fehlverhalten zwei Tage kamen, zwei Tagen andauerten und in zwei weiteren Tagen verebbten, bis sie ganz in der Versenkung verschwanden und den Erinnerungen entflogen.

Länger waren offenkundig solche Aufgeregtheiten nicht in der Medienaufmerksamkeit zu halten. Und hier, bei Guttenberg, handelte es sich noch dazu um Fußnoten, Zitationskonventionen akademischer Elfenbeintürmler. Kurz: ein Minderheitenthema. Das musste lässig zu überstehen sein für einen Mann von Charisma und Popularität, der sich noch dazu der furiosen Unterstützung des Boulevardblatts Nummer eins der Republik sicher sein durfte.

Aber nun liegen die Dinge anders. Und das hat am wenigsten damit zu tun, dass hier in einem besonders unerträglichen Ausmaß gegen Moral und Anstand verstoßen wurde. Empörung hierüber ist in der Tat vergänglich. Zu Fall bringt sie kaum jemanden - zumal wenn er trotz seines verwerflichen Tuns plebiszitär getragen wird. Guttenberg wird nicht an Gutmenschen scheitern, nicht an Wächtern der Moral, an Hohepriestern der Tugend, an Evaluationsautoritäten der Hochschulen. Die Hüter einer korrekten politischen Kultur und wissenschaftlichen Arbeitsform haben den Fall wohl - und Humboldt sei Dank - aufgerollt, haben in den ersten Tagen netzdemokratische Transparenz über die Verfehlungen hergestellt. Aber da wankte Guttenberg noch nicht allzu sehr.

Über den Umgang mit der Promotion in der CDU

Wenn Guttenberg fällt, dann weil die Empörung zusätzlich durch handfeste Interessen einer ganzen sozialen Gruppe ein starkes Fundament bekommt. Und damit ist keineswegs das Interesse der parlamentarischen Opposition an taktischen Pluspunkten im Kampf gegen Bundesregierung gemeint. Auch das hätte Guttenberg lässig überlebt.

Nun dämmert den akademisch-arrivierten Mittelschichten mit Hochschulzertifikaten, dass die Nonchalance der CDU-Granden und Guttenberg-Apologeten - "was sind schon Fußnoten"; "scheiß was auf den Doktor" - ihre Berechtigungsausweise für berufliche Erfolge und gesellschaftliche Statuspositionen gefährdet.

Eine ordentliche und selbstverfasste Promotionsarbeit ist anstrengend; sie zieht sich hin; man erlebt Durststrecken des Selbstzweifels, ist Versuchungen ausgesetzt, das schwierige Dissertationsprojekt hinzuwerfen. Aber man steht die Sache durch, weil "der Doktor" hilfreich ist für das berufliche Fortkommen, unabdingbar sowieso für eine universitäre Karriere, für den ersehnten Lehrstuhl. Der akademische Grad und offizielle Titel vor dem eigenen Namen ist in dieser Lebenswelt ein begehrtes Distinktionsmittel. Man hebt sich ab und kann das mit besonderen Leistungen begründen. Wer Doktor ist, verfügt über exklusives berufliches und kulturelles, dadurch oft auch ökonomisches Kapital, das andere wohl begehren mögen, aber nicht besitzen können.

Guttenberg droht dieses Kapital der akademisch-arrivierten Mittelschichten, gleichsam Kern ihres Stolzes und Basis vieler Privilegien, zu zerstören, jedenfalls Stück für Stück zu entwerten. Gerade diese Mittelschichten in diesem Land aber fürchten Inflationen aller Art, welche unweigerlich Entwertung ihrer Besitztümer, den Verfall von Positionen in der gesellschaftlichen Hierarchie zur Folge haben. Denn die akademische Mitte hat das im 20. Jahrhundert zweimal bitter erlebt. Die Inflation wirkte für sie niederschmetternd nivellierend, da Abstände nach unten verlorengingen, Eigentum zerrann und die gesellschaftlichen Ansehensprämien nicht mehr geltend gemacht werden konnten.

Der saloppe Umgang mit dem Reglement und Anspruch einer Promotion in Kreisen der CDU wirkt wie eine Inflation. Wenn man es so machen darf wie Guttenberg und dies als lässlicher Akt großzügig zu behandeln ist, dann verliert der "Doktor" an Rang und Bedeutung. Dann wird die Promotion zu Trivialität, Gegenstand von Süffisanz und Herablassung.

Bildungsbürgertum in Gefahr

Es gab und gibt durchweg gute Gründe, sich über Guttenberg aus moralischen, ja: ethischen Gründen zu erregen. Er hat getäuscht, geklaut, geheuchelt. In der politischen Klasse einer aufgeklärten Demokratie hat er nichts mehr zu suchen; als Bundesminister der Soldaten - die zur Sauberkeit ihres Spindes gedrillt werden - fehlt ihm die gerade hier erwartete Tadellosigkeit des Vorgesetzten. Auch haben alle Wissenschaftler mit der Befürchtung recht, dass die Plagiatspraxis von Guttenberg und die schnoddrigen Verteidigungsreden der christdemokratischen Anführer wissenschaftliche Grundvoraussetzungen schwer belasten, ja zu diskreditieren drohen.

Aber seinen Stuhl und Posten wird der fränkische Edelmann womöglich am Ende deshalb räumen müssen, weil er die meritokratischen Ansprüche und Stellungen des hiesigen Bildungsbürgertums elementar gefährdet. In solchen Fällen aber bleibt die arrivierte Mittelschicht in Deutschland, bleibt die akademische Klasse nicht still. Es geht um handfeste Interessen; und um die wird ebenso robust wie dauerhaft gekämpft. In diesem Fall trifft es zumindest den Richtigen. Moral und Interessen - daraus bilden sich immer noch die wirksamsten Bündnisse, die weiter reichen als der sonst bekannte mediale Erregungszyklus.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 442 Beiträge
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Thomas Kossatz 28.02.2011
1. Dünnbrettbohrer
Zitat von sysopMuss Verteidigungsminister zu Guttenberg doch noch zurücktreten? Der Aufstand der akademischen*Klasse wird für*den CSU-Mann*zur ernsten Gefahr.**Die wissenschaftliche Elite kann nicht hinnehmen, dass*ihr eigenes Ansehen durch einen Schummel-Doktor ramponiert wird. * http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,748079,00.html
Wenn die "Elite" vor der eigenen Haustür kehrt und verhindert, dass Dünnbrettbohrer ein "summa cum laude" bekommen, wäre schon viel gewonnen. Die Empörung wirkt bemüht.
servadbogdanov 28.02.2011
2. Frag Bild!
Zitat von sysopMuss Verteidigungsminister zu Guttenberg doch noch zurücktreten? Der Aufstand der akademischen*Klasse wird für*den CSU-Mann*zur ernsten Gefahr.**Die wissenschaftliche Elite kann nicht hinnehmen, dass*ihr eigenes Ansehen durch einen Schummel-Doktor ramponiert wird. * http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,748079,00.html
Fragen Sie mal Herrn Blome vom Völkischen Beobachter oder einen von den anderen Lügenbaron-Verteidigern, dann wüßten Sie, dass die akademische Klasse ausschließlich aus linken Chaoten besteht.
Michael Giertz, 28.02.2011
3. Was versteh ich Unwürdiger davon.
Zitat von sysopMuss Verteidigungsminister zu Guttenberg doch noch zurücktreten? Der Aufstand der akademischen*Klasse wird für*den CSU-Mann*zur ernsten Gefahr.**Die wissenschaftliche Elite kann nicht hinnehmen, dass*ihr eigenes Ansehen durch einen Schummel-Doktor ramponiert wird. * http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,748079,00.html
Es wird im Beitrag das "Bildungsbürgertum" erwähnt. Ich öchte da meine berechtigten Zweifel anmelden, ob es dieses "Bildungsbürgertum" noch gibt in Deutschland. Jedenfalls sind die Reihen der "Intellektuellen", die sich ja aus dem "Bildungsbürgertum" rekrutieren, schon recht ausgedünnt. Wirkliche mahnende Stimmen der Vernunft hört und liest man immer seltener. Die Entwertung der akademischen Titel fängt übrigens mitnichten bei zu Guttenberg an. Der setzt mit seinem Unwille, ernsthafte Konsequenzen zu ziehen, nur das I-Pünktchen. Nein, die Entwertung fing mit dem Bologna-Prozess an, mit "Bachelor" und "Master", mit rabiat gestutzten Studiengängen, so dass der wissenschaftlichen Arbeit zu wenig Platz eingeräumt wird und viel eher stupide auswendig gepaukt werden muss. Aber hey, ich bin kein Akademiker. Was versteh' ich kleines Licht schon davon ...
Inuk 28.02.2011
4. Druck aufbauen
Zitat von sysopMuss Verteidigungsminister zu Guttenberg doch noch zurücktreten? Der Aufstand der akademischen*Klasse wird für*den CSU-Mann*zur ernsten Gefahr.**Die wissenschaftliche Elite kann nicht hinnehmen, dass*ihr eigenes Ansehen durch einen Schummel-Doktor ramponiert wird. * http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,748079,00.html
KTzG muss zurück treten. Er hat das Vertrauen verloren. Ich kann nicht den Umfragen glauben, dass die Mehrheit der Deutschen möchte, dass zu Guttenberg Verteidigungsminister bleiben soll. Die akademischen Eliten, Offiziere, Admiräle und Soldaten sollen weiterhin Druck aufbauen.
Schmockse 28.02.2011
5. Einfach unverschämt ehrlich!
Zitat von sysopMuss Verteidigungsminister zu Guttenberg doch noch zurücktreten? Der Aufstand der akademischen*Klasse wird für*den CSU-Mann*zur ernsten Gefahr.**Die wissenschaftliche Elite kann nicht hinnehmen, dass*ihr eigenes Ansehen durch einen Schummel-Doktor ramponiert wird. * http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,748079,00.html
Jetzt haben sich BILD, JU und der Fleischhauer Jan so viel Mühe gegeben es so aussehen zu lassen, dass die Linken die wahren Schuldigen wären - jetzt sind es doch noch die Wissenschaftler, die dem Gutti die Löffel langziehen wollen! Darf das denn wahr sein?! Gibt es doch noch eine denkende Bevölkerungsmasse?!
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