Plagiatsaffäre: Wie Guttenberg seine Krise überstehen will

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Karl-Theodor zu Guttenberg hat öffentlich gebeichtet, sich entschuldigt, auf seinen Doktortitel verzichtet. Ein dreistes Schauspiel, findet die Opposition. Doch der Verteidigungsminister und die Union hoffen, dass die Plagiatsaffäre damit ausgestanden ist. Die Chancen stehen nicht schlecht.

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dapd

Minister Guttenberg in Kelkheim: Endlich wieder umjubelt

Berlin - Die Empörungsmaschine läuft jetzt auf höchstmöglichen Touren. Dreistes "Demutsgefasel" sei das alles, empören sich die Grünen. Die SPD schreit "Lügner!" und fordert seinen Rücktritt. "Unausweichlich" sei der, stimmen die Linken zu.

Es läuft gut für Karl-Theodor zu Guttenberg.

Wenn die Opposition sich in ihrer Wut überschlägt, dann scheint die Verzweiflung dort bereits groß. Dann hat der Verteidigungsminister das Schlimmste in der Plagiatsaffäre wohl schon überstanden.

Guttenberg hat zum Befreiungsschlag ausgeholt. Er hat eine Beichte abgelegt. Nun ist er zwar kein Doktor mehr, aber immer noch Minister. Und er wird es wohl auch bleiben.

Wie hat er das nur wieder gemacht? Wie hat dieser Karl-Theodor zu Guttenberg auch diese bisher schlimmste und persönlichste Krise bisher bewältigt, ohne darüber zu stürzen?

Das Schuldeingeständnis: Lange hat er gezögert einzuräumen, dass seine Doktorarbeit in weiten Teilen einfach kopiert ist. Selbst in den Unionsparteien wurden sie nervös: Warum entschuldigt er sich nicht mit deutlichen Worten? Die Tage vergingen, Stunde um Stunde wurden neue plagiierte Stellen in Guttenbergs Arbeit gefunden. Lange, das war den Parteistrategen klar, konnte das nicht mehr gutgehen. Am Wochenende machten erste Rücktrittsgerüchte die Runde.

Am Montagabend, im südhessischen Kelkheim, spricht Guttenberg auf einer CDU-Wahlkampfveranstaltung dann endlich von "gravierenden Fehlern", die er gemacht habe. Bewusst getäuscht habe er nicht, allerdings den "Überblick über die Quellen verloren". Und dann der Paukenschlag: Guttenberg verzichtet auf seinen Doktortitel.

Bei den Leuten kommt das an wie ein großes Opfer. Dabei hatte Guttenberg in Wirklichkeit keine Wahl. Irgendwie musste er raus aus der Defensive. Es ist ein Tausch: Doktortitel gegen Karriere. Dem Minister muss klar geworden sein, dass die Beweislage gegen ihn erdrückend ist, dass ihm die Universität Bayreuth seinen Titel wohl nicht lassen wird. Dann lieber die Eigeninitiative übernehmen und für "Blödsinn" geradestehen.

"Bravo", schallt es dafür aus dem mit 900 Besuchern überfüllten Saal. Anhänger einer Partei, die gern bürgerliche Werte vor sich herträgt, jubeln einem Minister zu, der eben diese Werte ganz offensichtlich nicht geachtet hat. Was ist da los? Erstens: Sie wollen sich ihren Hoffnungsträger erhalten. Zweitens: Guttenberg hebt seine Schummelei auf eine Meta-Ebene. "Ich bin ein Mensch mit Fehlern und Schwächen." Ich bin einer von euch, soll das heißen, Freiherr und Doktor hin oder her.

Die Stilisierung als Opfer: Seit der Opel-Krise vor zwei Jahren hat sich Guttenberg immer wieder als Antipolitiker in Szene gesetzt, als der Unabhängige unter den Angepassten. Es ist seine Art des Populismus. Am Montagabend in Kelkheim ein ähnliches Muster, diesmal bezogen auf die Medien: Hier das Volk, dort die böse "Hauptstadtpresse".

Man müsse aufpassen, dass sich im Land nicht einige Maßstäbe verschöben, sagt Guttenberg: "Dass am vergangenen Freitag das Hauptaugenmerk mit Sondersendungen und allem Pipapo auf die Fußnoten in einer ministeriellen Doktorarbeit gelegt wurde, gleichzeitig aber der Umstand, dass in Afghanistan drei Soldaten gefallen sind, zur Randnotiz verkommen ist, das ist kein Beispiel exzellenten Journalismus." Jubel im Saal.

Am Ende sagt Guttenberg, dass er an diesem Abend in Kelkheim Kraft getankt habe - für den "Zinnober", der ihn nun wieder erwarte. Wir gegen die. Jetzt applaudieren die Leute stehend.

Das Phänomen KT: Guttenberg scheint unantastbar - egal was geschieht. Nein zur Opel-Rettung, Kunduz-Affäre, Ärger mit der "Gorch Fock", Ärger mit der Doktorarbeit - forscher Vorstoß, forsche Relativierung - der Beliebtheit des CSU-Politikers scheint das System Guttenberg nicht zu schaden. In einer im Auftrag der ARD erfolgten Infratest-Dimap-Umfrage äußerten sich gerade 73 Prozent der Befragten zufrieden mit Guttenbergs politischer Arbeit; nur 21 Prozent sind unzufrieden.

Und, für Guttenberg besonders entscheidend: Die Zustimmung macht vor Parteigrenzen nicht halt. Auch 71 Prozent der SPD- und 61 Prozent der Grünen-Anhänger zeigten sich zufrieden mit dem Minister. Das könnte die immer weiter anschwellende Kritik der Opposition aushebeln.

Die politische Rückendeckung: Die Liebe des Volkes ist nicht unerheblich für den Rückhalt, den Guttenberg von seinem politischen Freunden bekommt. Der Freiherr ist ihre Zukunft, ihre Garantie für den demoskopischen Aufschwung nach langer Durststrecke, das wissen sie in der CSU - auch Horst Seehofer. "Ein Minister stürzt nur, wenn die Partei es will", sagt der CSU-Chef. "Die Partei will es nicht. Das ist die Meinung der Basis und der Spitze."

Auch Angela Merkel kann es sich nicht leisten, ihren Verteidigungsminister fallenzulassen, so lange er so populär ist. Schon gar nicht vor den anstehenden Wahlen. Die Kanzlerin hat daher "volles Vertrauen" in die politische Arbeit ihres Ministers bekundet, diese sei hervorragend und das einzige, was für sie zählt. Schließlich habe sie ja keinen "wissenschaftlichen Assistenten" angestellt. So distanziert sich Merkel zugleich von der akademischen Qualität ihres Kabinettstars - und kann dessen Titelverzicht problemlos richtig finden.

Die bemerkenswerte Persönlichkeitsspaltung ist riskant. Denn was ist, wenn die Uni Bayreuth am Ende nicht nur den Doktortitel aberkennt - sondern wenn sie auch noch zu dem Schluss kommt, dass Guttenbergs Arbeit eine bewusste Täuschung ist? Könnte Merkel dann immer noch allen Ernstes behaupten, das sei alles Privatsache? Wohl kaum.

Das ist die Gefahr für Guttenberg. Sollte sich wirklich belegen lassen, dass er nicht nur schlampig gearbeitet hat, sondern seine Dissertation in Teilen vorsätzlich zusammengeklaut hat, dann wäre das ganze nicht mehr einfach nur unendlich peinlich für den politischen Überflieger. Dann wäre nicht mehr nur die Glaubwürdigkeit des Ministers beschädigt.

Dann wäre Guttenberg ein Betrüger und müsste zurücktreten.

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1. Frei nach Erich Kästner (hat heute Geb-Tag):
schoppenhauer 23.02.2011
Die Sache mit dem Plagiat Karl-Theo ist ein Renommist. Ihr wisst vielleicht nicht, was das ist? Ein Renommist, das ist ein Mann, der viel verspricht und wenig kann. So ließ er einst von sich verbreiten: „Ich schreibe gleich 400 Seiten!“ ... (kompletter Text unter: http://bit.ly/fMdYhr)
2. Jetzt muss es aber gut sein!
wilhelm_wichhausen 23.02.2011
Nun sollten sich alle wieder setzen und ihre Arbeit machen. Es gibt wichtigeres in unserem Land zu tun. Dieses Land und die darin gelebte Demokratie bracht Herrn zu Guttenberg! Wobei man das von den grünen Politikern nicht sagen kann!
3. Schlacht gewonnen Krieg verloren
febes 23.02.2011
Kann ja sein,daß er diese Schlacht überstanden hat aber ob er den Krieg noch gewinnen kann? Überstanden ist die Sache jedoch noch nicht, zumindest nicht für seine Frau und seine Kinder. Das Spießrutenlaufen kommt erst noch...
4. Liebe
rosenvater 23.02.2011
Liebe sieht anders aus.Von was für Umfragen wird hier geredet? Bei fast allen Online-Umfragen (selbst Bild) ist die Mehrheit für einen Rücktritt.Das Volk "liebt" KTvG nicht...mehr.GsD.
5. An die Redaktöre
hr_schmeiss 23.02.2011
...aha, da hat er sich also "entschuldigt". Ja, das ist inzwischen modern geworden. Man macht was falsch, schwupps "entschuldigt" man sich bei den Opfern, und alles ist gut. Man hat sich ja "entschuldigt", oder? Diese Ausdrucksweise ist inzwischen üblich geworden. Und leider versteht man das inzwischen auch oft so. Nur: Entschuldigt. Frei von Schuld ist man also. Fein dabei, dass ja der TÄTER das bestimmt, nicht das Opfer. Kann der Täter sich also freisprechen? Nein! Wer sich "entschuldigt", der begeht gelinde gesagt eine weitere Unverschämtheit. Das Opfer vielleicht kann von Schuld freisprechen oder verzeihen, aber niemals der Täter selber. Der kann nur um Entschuldigung bitten.
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Die Plagiats-Affäre

Sollte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zurücktreten?


Guttenbergs Kehrtwende
Erst bezeichnete er die Vorwürfe als "abstrus", später gab er dann doch Fehler in seiner Doktorarbeit zu. Karl-Theodor zu Guttenberg hat in den vergangenen Tagen äußerst unterschiedliche Aussagen zu den Plagiatsvorwürfen gegen ihn gemacht. Eine chronologische Übersicht über die Kehrtwende des Ministers.
Schriftliche Erklärung am Mittwoch, 16. Februar:
"Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus. Ich bin gerne bereit zu prüfen, ob bei über 1200 Fußnoten und 475 Seiten vereinzelt Fußnoten nicht oder nicht korrekt gesetzt sein sollten, und würde dies bei einer Neuauflage berücksichtigen. Und sollte jemand auf die Idee kommen zu behaupten, Mitarbeiter meiner Büros hätten an der wissenschaftlichen Erarbeitung meiner Dissertation mitgewirkt, stelle ich fest: Dies trifft nicht zu. Die Anfertigung dieser Arbeit war meine eigene Leistung."
Mündliche Erklärung am Freitag, 18. Februar:
"Für diese Stellungnahme bedurfte es keiner Aufforderung, und sie gab es auch nicht. Meine von mir verfasste Dissertation ist kein Plagiat, und den Vorwurf weise ich mit allem Nachdruck von mir. Sie ist über etwa sieben Jahre neben meiner Berufs- und Abgeordnetentätigkeit als junger Familienvater in mühevoller Kleinstarbeit entstanden, und sie enthält fraglos Fehler. Und über jeden einzelnen dieser Fehler bin ich selbst am unglücklichsten.

Es wurde allerdings zu keinem Zeitpunkt bewusst getäuscht oder bewusst die Urheberschaft nicht kenntlich gemacht. Sollte sich jemand hierdurch oder durch inkorrektes Setzen und Zitieren oder versäumtes Setzen von Fußnoten bei insgesamt 1300 Fußnoten und 475 Seiten verletzt fühlen, so tut mir das aufrichtig leid. Die eingehende Prüfung und Gewichtung dieser Fehler obliegt jetzt der Universität Bayreuth.

Ich werde selbstverständlich aktiv mithelfen festzustellen, inwiefern darin ein wissenschaftliches, ich betone: ein wissenschaftliches Fehlverhalten liegen könnte. Und ich werde gerne bis zum Ergebnis dieser Prüfung vorübergehend, ich betone: vorübergehend, auf das Führen des Titels verzichten, allerdings nur bis dahin, anschließend würde ich ihn wieder führen.

Ich werde mir keine anderen Maßstäbe anlegen, als ich bei anderen angesetzt hätte. Jede weitere Kommunikation über das Thema werde ich von nun an ausschließlich mit der Universität Bayreuth führen. Die Menschen in diesem Land erwarten, dass ich mich um das fordernde Amt des Verteidigungsministers mit voller Kraft kümmere, und das kann ich auch. Wir stehen vor einer historischen Bundeswehrreform. Und ich trage die Verantwortung für die Soldaten im Einsatz, wie ein Ereignis an dem heutigen Tag einmal mehr auf bittere Weise zeigt."
Rede bei einer CDU-Veranstaltung in Kelkheim am Montag, 21. Februar:
"Meine Damen und Herren, es hat ja so ein bisschen gemunkelt an der einen oder anderen Ecke: Kommt er denn überhaupt, drückt er sich? Soweit kommt es noch, meine Damen und Herren, dass man sich nach einem solchen Sturm drücken würde. Soweit kommt's noch. Und hier oben steht zu Ihrer aller Versicherung auch das Original und nicht das Plagiat (...).

Mir ist in diesen Tagen auch einfach noch mal wichtig zu sagen, dass ich nicht als Selbstverteidigungsminister gekommen bin (...), sondern als Bundesminister der Verteidigung der Bundesrepublik Deutschland, als Freund, als Nachbar (...) und insbesondere als einer, der in diesen Tagen auch deutlich macht, dass eine oberfränkische Wettertanne solche Stürme nicht umhaut.

(...) Da verlässt man nicht irgendwelche Schiffe, sondern da bleibt man an Deck und hält die Dinge entsprechend durch, und wenn es gelegentlich etwas absurd wird, dann hält man die Dinge auch einfach aus. Auch das ist, glaube ich, eine Erwartungshaltung, die Sie an jemanden haben, der in Verantwortung steht. Und so soll's auch sein.

Ich möchte das Thema gerne aufgreifen, weil es dieser Tage doch sehr, sehr interessiert, und ich weiß, dass man auch den Anspruch hat, dass jemand, der sich in die Öffentlichkeit begibt, dann auch in der Öffentlichkeit zu gewissen Dingen Stellung nimmt.

Und ich mache das mit großer Freude und von Herzen gerne vor Ihnen heute Abend - und nicht alleine vor der Hauptstadtpresse in Berlin. Sondern bewusst und gerne vor Ihnen, weil dieser Bezugspunkt, glaube ich, einer ist, der deutlich macht, dass uns die Öffentlichkeit als Öffentlichkeit wichtig ist. Und dass Sie erfahren können aus erstem Munde, was mir am Herzen liegt und in meinen Augen mitteilenswert ist und Sie nicht erst wieder durch Kommentierung letztlich erreicht. (...)

Ich habe in der - wenn man so will: "Affäre" um Plagiat: ja oder nein - an diesem (...) besonders gemütlichen Wochenende mir auch die Zeit nehmen dürfen, nicht das zu lesen und anzusehen, was da alles so geschrieben wurde und gesendet wurde, sondern mich auch noch einmal mit meiner Doktorarbeit zu beschäftigen. Ich glaube, dass war auch geboten und richtig, das zu tun. Und nach dieser Beschäftigung, meine Damen und Herren, habe ich auch festgestellt, wie richtig es war, dass ich am Freitag gesagt habe, dass ich den Doktortitel nicht führen werde.

Ich sage das ganz bewusst, weil ich am Wochenende, auch nachdem ich diese Arbeit noch einmal intensiv angesehen habe, feststellen musste, dass ich gravierende Fehler gemacht habe. Gravierende Fehler, die den wissenschaftlichen Kodex, den man so ansetzt, nicht erfüllen. Ich habe diese Fehler nicht bewusst gemacht, ich habe auch nicht bewusst oder absichtlich in irgendeiner Form getäuscht und musste mich natürlich auch selbst fragen, meine Damen und Herren: Wie konnte das geschehen? Und wie konnte das passieren?

Und so ist es, nach einem Blick, den man zurückwirft, dass man feststellt, man hat sechs, sieben Jahre an einer solchen Arbeit geschrieben und hat in diesen sechs, sieben Jahren möglicherweise an der ein oder anderen Stelle, an der ein oder anderen Stelle auch zu viel, auch teilweise den Überblick über die Quellen verloren.

Das ist eine Feststellung, die darf man treffen, und die muss man treffen. Und dann gibt es ganz besonders peinliche Beispiele dabei, etwa dass die "Frankfurter Allgemeine" so prominent in der Einleitung einer Doktorarbeit erscheint, das ist im Umfeld von Frankfurt am Main natürlich eher schmeichelhaft, meine Damen und Herren, aber es ist weniger schmeichelhaft in einer Doktorarbeit.

Und das sind selbstverständlich Fehler. Und ich bin selbst auch ein Mensch mit Fehlern und Schwächen. Und deswegen stehe ich auch zu diesen Fehlern. Und zwar öffentlich zu diesen Fehlern, meine Damen und Herren. Und ich bin auch ganz gerne bereit, dies in die hier stehenden Kameras zu sagen, die ja de facto heute hier wegen einer Kommunalwahl gekommen sind.

Und ich sage ebenso und mit der notwendigen (...) und mir in diesen Tagen gerne abgesprochenen Demut (...), dass ich mich von Herzen bei all jenen entschuldige, die ich mit Blick auf die Bearbeitung dieser Doktorarbeit verletzt habe. Das ist eine Entschuldigung, die von Herzen kommt und die als solche auch zu sehen ist. (...)

Die Entscheidung, meinen Doktortitel nicht zu führen, schmerzt, insbesondere wenn man sechs, sieben Jahre seines Lebens daran gearbeitet hat und insbesondere wenn man weiß, was die Familie da auch durchgemacht hat. Ich kann auch eines sagen: Ich habe diese Arbeit selber geschrieben, weil: Ich stehe auch zu dem Blödsinn, den ich da geschrieben habe. Ich habe sie selber geschrieben. (...)

Von daher ist das eine schmerzliche Entscheidung. Aber es ist eine wichtige Entscheidung, weil es auch gleichzeitig darum geht, dass man auch bereits eingetretenen Schaden, etwa für eine Universität, eingetretenen Schaden beim honorigen, hochgeschätzten Doktorvater, beim Zweitkorrektor zu begrenzen weiß. (...)

Dass wir am vergangenen Freitag in der Bundesrepublik, wenn man den Fernseher eingeschaltet hatte oder wenn man sich am nächsten Tag die gesamte Medienlandschaft in diesem Land angesehen hat, den Hauptaugenmerk mit Sondersendungen und allem Pipapo auf die gegebenen oder nicht gegebenen Fußnoten in einer ministeriellen Doktorarbeit gelegt haben und gleichzeitig der Umstand, dass in Afghanistan drei Soldaten gefallen sind und zehn Soldaten mitunter schwer verwundet worden sind und immer noch zwei mit dem Leben ringen, dieser Umstand zur Randnotiz verkommen ist, ist in meinen Augen kein wirkliches Beispiel für exzellenten Journalismus."


"Ein Stück ankratzen"

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Guttenbergs Schummelaffäre
Was wird ihm vorgeworfen?
Karl-Theodor zu Guttenberg soll an mehreren Stellen seiner 475 Seiten umfassenden Doktorarbeit "Verfassung und Verfassungsvertrag" fremde Textpassagen ohne Quellenangabe verwendet haben. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE hat der Minister unter anderem Textpassagen aus einem Vortrag des CDU-Europaabgeordneten Andreas Schwab und aus einer Rede des Verfassungsjuristen Gerhard Casper übernommen. Beide Autoren wurden nicht korrekt ausgewiesen. Es sieht sehr danach aus, dass er auch ganze Textpassagen aus mehreren Zeitungen nahezu wortgleich abgeschrieben hat.
Kann ihm der Doktor aberkannt werden?
Die Uni Bayreuth hat Verteidigungsminister Guttenberg zwei Wochen Zeit gegeben, sich zu den Plagiatsvorwürfen zu äußern. Ein Jura-Professor an seiner alten Uni, Diethelm Klippel, prüft als "Ombudsmann für Selbstkontrolle in der Wissenschaft" die Anschuldigungen. Mit welchen Konsequenzen Guttenberg rechnen muss, ob er sogar den Dr. in seinem Namen streichen muss, hängt vom Ergebnis dieser Prüfung ab. Allerdings ist es auf Doktoranden-Ebene so: Wer erst einmal seine Prüfung bestanden hat, behält seinen Titel meist.
Was sagt er selber?
Guttenberg selbst und sein Doktorvater, der emeritierte Verfassungsrechtler Peter Häberle, haben die Vorwürfe zurückgewiesen. "Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus", sagte der Minister. Er will jedoch prüfen, ob er bei den mehr als 1200 Fußnoten Fehler gemacht hat. An der Dissertation hätten keine Mitarbeiter mitgewirkt, beteuerte er. "Die Anfertigung dieser Arbeit war meine eigene Leistung."

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