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28. Juni 2011, 17:02 Uhr

Plagiatsvorwürfe

Chatzimarkakis vor Verlust seines Doktortitels

Nach Silvana Koch-Mehrin trifft es nun das zweite FDP-Mitglied: Die Uni Bonn wird dem Europa-Politiker Jorgo Chatzimarkakis wahrscheinlich seinen Doktortitel aberkennen. Vor einer endgültigen Entscheidung soll der 45-Jährige aber noch Stellung zu den Plagiatsvorwürfen nehmen.

Brüssel - Der Fakultätsrat der Universität Bonn will offiziell erst Mitte Juli über eine mögliche Abererkennung des Doktortitels für den FDP-Politiker Jorgo Chatzimarkakis entscheiden - doch allem Anschein nach wird der Abgeordnete, der für die Liberalen im Europäischen Parlament sitzt, seinen Titel verlieren.

Der Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät habe dem Fakultätsrat einstimmig eine Aberkennung des Titels vorgeschlagen, berichtet die "Welt" unter Berufung auf Universitätskreise.

Die Universität Bonn wollte die aktuelle Sachlage zum Fall Chatzimarkakis am Dienstag zunächst nicht offiziell bestätigen, dementierte aber gegenüber SPIEGEL ONLINE auch nicht, dass die Entscheidung des Fakultätsrats bereits feststehe und eine Aberkennung des Titels sehr wahrscheinlich sei.

Ärger über "Indiskretion"

Offenbar herrscht über den Stand der Dinge auch universitätsintern noch Unklarheit. Der zuständige Dekan, Professor Günther Schulz, betonte wenige Stunden nach Veröffentlichung des "Welt"-Berichts:"Die Entscheidung über die Plagiatsvorwürfe gegen Herrn Dr. Chatzimarkakis ist noch nicht gefallen." Der Fakultätsrat werde erst am 13. Juli entscheiden, Chatzimarkakis könne vorher noch zum Votum des Promotionsausschusses Stellung nehmen, teilte er mit. Schulz verurteilte die "Indiskretionen".

Der 45-Jährige Chatzimarkakis war in den vergangenen Wochen stark unter Druck geraten. Plagiatsfahnder hatten im Internet eine Reihe angeblicher Plagiate in der Doktorarbeit von Chatzimarkakis aufgelistet.

Die vom Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät eingesetzte Arbeitsgruppe zur Überprüfung der Dissertation hatte ihre Arbeit am Dienstag abgeschlossen und das Ergebnis dem Ausschuss vorgestellt.

Chatzimarkakis hatte seine politikwissenschaftliche Doktorarbeit im Jahr 2000 unter dem Titel "Informationeller Globalismus: Kooperationsmodell globaler Ordnungspolitik am Beispiel des elektronischen Geschäftsverkehrs" vorgelegt.

Noch mehr Doktorpfusch?

Ebenfalls bis Mitte Juli will die Uni Bonn klären, ob auf der Seite "VroniPlag" aufgetauchten Plagiatsvorwürfe gegen die Politikprofessorin und FDP-Politikerin Margarita Mathiopoulos eine erneute Überprüfung ihrer Dissertation erforderlich machen und ob eine solche Prüfung rechtlich möglich ist.

Mathiopoulos' Doktorarbeit war bereits Anfang der neunziger Jahre in die Kritik geraten. Eine Überprüfung hatte damals nach Angaben der Bonner Uni zwar handwerkliche Mängel offenbart, aber keine Verfehlungen, die zur Aberkennung des Doktortitels geführt hätten.

Mathiopoulos hatte ihre Doktorarbeit "Amerika: Das Experiment des Fortschritts - Ein Vergleich des politischen Denkens in Europa und in den USA" im Jahr 1986 vorgelegt. "Die Mitglieder des Ausschusses wollen sich bis zur nächsten Sitzung Mitte Juli selbst ein Bild von der damaligen Entscheidung machen, Einsicht in die Akten nehmen und dann entscheiden, wie es weitergeht", erklärte Dekan Günther Schulz. Zu klären sei weiterhin, ob die Fakultät an das Ergebnis der ersten Prüfung gebunden sei.

Mathiopoulos war 1987 bundesweit bekannt geworden, als der damalige SPD-Vorsitzende Willy Brandt die seinerzeit parteilose Politikwissenschaftlerin zur SPD-Sprecherin machen wollte. Nach heftiger innerparteilicher Kritik an der Nominierung von Mathiopoulos trat Brandt vom SPD-Vorsitz zurück.

Wegen Plagiaten in ihren Dissertationen waren zuletzt dem früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und der FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin ihre Doktortitel entzogen worden.

amz/AFP

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