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Plagiatsvorwürfe: Guttenberg verzichtet vorerst auf Doktortitel

Karl-Theodor zu Guttenberg wehrt sich: Die Plagiatsvorwürfe im Zusammenhang mit seiner Doktorarbeit wies der Minister scharf zurück. Er werde jedoch vorübergehend auf seinen Doktortitel verzichten, erklärte er vor einer Gruppe handverlesener Journalisten.

Berlin - Wann spricht Karl-Theodor zu Guttenberg? Was sagt er? Wie rechtfertigt er die Vorwürfe, dass in seiner Doktorarbeit immer mehr Stellen entdeckt werden, die er nicht korrekt zitiert haben soll?

In der Bundespressekonferenz verlangten die Hauptstadt-Korrespondenten von Regierungssprecher Steffen Seibert Antworten auf diese Fragen. Dabei verlas Guttenberg gleichzeitig im Verteidigungsministerium seine Erklärung - vor "ausgewählten Medienvertretern", wie Guttenberg-Sprecher Steffen Moritz sagte. Ein Affront. Der Vorsitzende der Bundespressekonferenz, Werner Gößling, rügte das Verfahren. Die Hauptstadt-Korrespondenten verließen protestierend den Saal. Nach etwa zehn Minuten wurde die Veranstaltung abgebrochen.

Zu den Plagiatsvorwürfen sagte Guttenberg: Seine Dissertation enthalte "fraglos Fehler". Das tue ihm "aufrichtig leid", und darüber sei er selbst am unglücklichsten. "Ich werde gerne bis zum Ergebnis dieser Prüfung vorübergehend, ich betone vorübergehend, auf die Führung des Titels verzichten." Guttenberg soll in seiner Dissertation zahlreiche fremde Textstellen verwendet haben, ohne sie korrekt anzugeben. Inzwischen sind mehr als 80 Textstellen gefunden worden, die Guttenberg abgekupfert haben soll, ohne korrekt darauf hinzuweisen.

Zu keinem Zeitpunkt habe er jedoch "bewusst getäuscht", sagte Guttenberg und fügte hinzu: "Meine von mir verfasste Dissertation ist kein Plagiat." Er habe die Arbeit in einem Zeitraum von sieben Jahren neben seiner Tätigkeit als Politiker und seinen Verpflichtungen als junger Familienvater angefertigt.

Er werde bei der Gewichtung der Fehler in der Dissertation durch die Universität Bayreuth aktiv mithelfen, sagte Guttenberg. Forderungen nach seinem Rücktritt wies er zurück. "Die Menschen in diesem Land erwarten, dass ich mich um das fordernde Amt des Verteidigungsministers mit voller Kraft kümmere und das kann ich auch", sagte der Minister.

Auf seiner Homepage reagierte der Minister schnell: Dort war der Doktortitel am Freitagmittag bereits entfernt worden. Noch um 12.20 Uhr war die "Willkommen"-Seite mit "Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg" überschrieben. Gegen 12.45 Uhr war der "Dr." bereits verschwunden.

Merkel hält zu Guttenberg

Am Vorabend hatte Kanzlerin Angela Merkel Guttenberg kurzfristig zu sich in Kanzleramt zitiert. Merkel habe einige Erklärungen von dem Minister verlangt, hieß es anschließend. Offenbar empfand sie diese als zufriedenstellend. Denn am Freitag bekundete sie trotz der Affäre um seine Doktorarbeit "volles Vertrauen" in ihren Verteidigungsminister, verlautete in Berlin. Unklar ist, ob Merkel ihn zu der Erklärung gedrängt hat. Guttenberg selber verneinte das.

Auch andere Unionspolitiker stärkten Guttenberg am Freitag den Rücken. Bildungsministerin Annette Schavan und Finanzminister Wolfgang Schäuble nahmen ihn in Schutz. "Jedem passiert auch mal vielleicht ein Fehler", sagte Schäuble im Deutschlandfunk. Schavan forderte in der "Rheinischen Post" Geduld bei der Prüfung der Vorwürfe. "Ich finde, auch Minister haben den Anspruch, nicht vorverurteilt zu werden."

"Ein Stück ankratzen"

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Bei der Staatsanwaltschaft Bayreuth sind inzwischen zwei Strafanzeigen gegen Guttenberg eingegangen. Eine von ihnen beziehe sich auf einen möglichen Verstoß gegen das Urheberrecht, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Thomas Janovsky am Freitag. Aus der Anzeige heraus sei nicht zu erkennen, ob sie von einem der Autoren stamme, von denen Guttenberg bei seiner Doktorarbeit ohne korrekte Quellenangabe abgeschrieben haben soll, erläuterte Janovsky. Diese Anzeige sei an die Staatsanwaltschaft Hof abgegeben worden, die für solche Urheberrechtsverfahren zuständig sei.

Eine zweite Anzeige sei wegen des Verdachts einer falschen eidesstattlichen Versicherung eingegangen. Dazu werde allerdings kein Ermittlungsverfahren eingeleitet, da der Vorwurf nicht zutreffe: Laut Promotionsordnung sei bei der Doktorarbeit keine eidesstattliche Versicherung nötig.

suc/ler/Reuters/dpa/dapd

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Forum - Schaden die Plagiats-Vorwürfe Minister Guttenberg?
insgesamt 8927 Beiträge
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1. Nein, sicher nicht ...
ewsz 16.02.2011
Zitat von sysopVor vier Jahren erhielt Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Doktortitel, jetzt kritisiert ein Juraprofessor dessen Dissertation. Dann wurden gegen den Verteidigungsminister Guttenberg weitere Fußnotenvorwürfe laut. Schaden diese nachhaltig dem Minister?
Davon ist nicht auszugehen. Er ist nach wie vor telegen, hat eine schicke Frau, ist adelig und kann drei Sätze frei sprechen, ohne allzu verbindlich zu werden. Alles in Butter ...
2. ch glaube eher nicht.
mickimücke 16.02.2011
Zitat von sysopVor vier Jahren erhielt Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Doktortitel, jetzt kritisiert ein Juraprofessor dessen Dissertation. Dann wurden gegen den Verteidigungsminister Guttenberg weitere Fußnotenvorwürfe laut. Schaden diese nachhaltig dem Minister?
Werden Sie ihm schaden? Ich glaube eher nicht. Ausgerechnet der Mann, der in seiner Doktorarbeit abschreibt nennt einen Mann wie Wilders einen Scharlatan! Aber welchen Wert haben schon die Worte des "von und zu`s" noch ? Keinen
3. Praktikum
vatsug 16.02.2011
Zitat von sysopVor vier Jahren erhielt Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Doktortitel, jetzt kritisiert ein Juraprofessor dessen Dissertation. Dann wurden gegen den Verteidigungsminister Guttenberg weitere Fußnotenvorwürfe laut. Schaden diese nachhaltig dem Minister?
Nein, der Dr. zu Guttenberg wird mit seinem Freund Kerner ein Praktikum auf der Gorch Fock absolvieren und anschliessend zum Admiral befördert. Dann werden ihn Bild, Bunte, Focus zum nächsten Kanzler aufbauen , das deutsche Volk wird jubeln und ihn wählen und das wars.
4. Aller guten Dinge sind drei!
lalito 16.02.2011
Na, wenn er jetzt den dritten, innerhalb eines Tages, zum Thema veröffentlichten Strang auch noch liest, oder lesen lässt, dann könnt er schon einen dauerhaften Schaden davontragen ;-))
5. Da wird jemand gezielt "angepinkelt"
Florian Geyer, 16.02.2011
Zitat von sysopVor vier Jahren erhielt Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Doktortitel, jetzt kritisiert ein Juraprofessor dessen Dissertation. Dann wurden gegen den Verteidigungsminister Guttenberg weitere Fußnotenvorwürfe laut. Schaden diese nachhaltig dem Minister?
Nein, höchstens kurzfristig. Schon die Kunduzaffäre hat ihm zurecht nicht geschadet, er war noch nicht im Amt. Die Gorch Fock Affäre, den Unglücksfall in AFG und die Öffnung von Privatpost der Soldaten wird er auch überstehen. Ein Rückblick in die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zeigt, dass Minister schon ganz andere Affären, ausgesessen haben. Zudem wird der Bogen überspannt und das merkt natürlich auch der Wähler. Ich bin überzeugt, bei Umfragen gibt es noch nicht einmal Kratzer. Warum? Ganz einfach, die Mehrheit der Bundesbürger hat das Gefühl, dass hier bewußt mit allen Mitteln zu Guttenberg "angepinkelt" werden soll! Das mögen die Leute nicht!
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Guttenbergs Schummelaffäre
Was wird ihm vorgeworfen?
Karl-Theodor zu Guttenberg soll an mehreren Stellen seiner 475 Seiten umfassenden Doktorarbeit "Verfassung und Verfassungsvertrag" fremde Textpassagen ohne Quellenangabe verwendet haben. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE hat der Minister unter anderem Textpassagen aus einem Vortrag des CDU-Europaabgeordneten Andreas Schwab und aus einer Rede des Verfassungsjuristen Gerhard Casper übernommen. Beide Autoren wurden nicht korrekt ausgewiesen. Es sieht sehr danach aus, dass er auch ganze Textpassagen aus mehreren Zeitungen nahezu wortgleich abgeschrieben hat.
Kann ihm der Doktor aberkannt werden?
Die Uni Bayreuth hat Verteidigungsminister Guttenberg zwei Wochen Zeit gegeben, sich zu den Plagiatsvorwürfen zu äußern. Ein Jura-Professor an seiner alten Uni, Diethelm Klippel, prüft als "Ombudsmann für Selbstkontrolle in der Wissenschaft" die Anschuldigungen. Mit welchen Konsequenzen Guttenberg rechnen muss, ob er sogar den Dr. in seinem Namen streichen muss, hängt vom Ergebnis dieser Prüfung ab. Allerdings ist es auf Doktoranden-Ebene so: Wer erst einmal seine Prüfung bestanden hat, behält seinen Titel meist.
Was sagt er selber?
Guttenberg selbst und sein Doktorvater, der emeritierte Verfassungsrechtler Peter Häberle, haben die Vorwürfe zurückgewiesen. "Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus", sagte der Minister. Er will jedoch prüfen, ob er bei den mehr als 1200 Fußnoten Fehler gemacht hat. An der Dissertation hätten keine Mitarbeiter mitgewirkt, beteuerte er. "Die Anfertigung dieser Arbeit war meine eigene Leistung."

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