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29. Juli 2013, 21:29 Uhr

Doktorarbeit

Plagiatsvorwurf gegen Bundestagspräsident Lammert

Norbert Lammert unter Plagiatsverdacht: "Die Welt" berichtet von einem Aktivisten, der dem Bundestagspräsidenten vorwirft, in seiner Doktorarbeit falsch zitiert zu haben. Der CDU-Politiker lässt die Vorwürfe prüfen.

Berlin - Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) wird vorgeworfen, in seiner Doktorarbeit getäuscht zu haben. Ein anonymer Plagiatsjäger schreibt auf der Webseite lammertplag.wordpress.com, er habe auf 42 Seiten von Lammerts Dissertation Passagen aus 21 Quellen gefunden, die Unregelmäßigkeiten aufwiesen.

Lammert sagte der Zeitung "Die Welt", die zuerst darüber berichtete: "Ich habe meine Doktorarbeit nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt." Allerdings will er die Arbeit untersuchen lassen: "Ich habe die Universität Bochum unverzüglich darum gebeten, die Vorwürfe zu prüfen", sagte er dem Blatt. Eine offizielle Stellungnahme Lammerts gab es zunächst nicht, wurde im Laufe des Abends aber noch erwartet.

Der anonyme Internetautor mit dem Pseudonym Robert Schmidt behauptet, derselbe Aktivist zu sein, der auch die Fehler in der Doktorarbeit der früheren Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) entdeckt hatte. Zu Lammert schreibt er: "Einen erheblichen Teil der als verwendet angegebenen Literatur hat er ganz offenbar nicht gelesen; dies wird insbesondere anhand der Übernahme zahlreicher charakteristischer Fehler aus der Sekundärliteratur deutlich."

Der Netzaktivist bejahte die Frage der "Welt", ob er damit ausdrücklich den schweren Vorwurf verbinde, Lammert habe plagiiert.

Der CDU-Politiker hatte die Dissertation mit dem Titel "Lokale Organisationsstrukturen innerparteilicher Willensbildung - Fallstudie am Beispiel eines CDU-Kreisverbandes im Ruhrgebiet" im Jahr 1974 an der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Ruhruniversität Bochum eingereicht, 1976 wurde sie veröffentlicht. Lammert wurde 1975 zum Dr. rer. soc. promoviert.

Der unbekannte Autor schreibt, er habe die Untersuchung nach gut einem Drittel des Hauptteils abgebrochen. Eine vollständige Dokumentation sei wegen des hohen Zeitaufwands nicht möglich. Zweck der Internetveröffentlichung sei es, sowohl die Universität Bochum als auch die Öffentlichkeit zu informieren.

Plagiatsvorwürfe haben bereits eine ganze Reihe von Politikern zu Fall gebracht. Zu den bekanntesten zählen der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), die Vizepräsidentin des Europaparlaments Silvana Koch-Mehrin (FDP) und Schavan. Allen wurde der Doktortitel entzogen. Während Koch-Mehrins Klage dagegen erfolglos blieb, ist Schavans Verfahren noch nicht entschieden.

cvo/dpa

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