Müll Habeck fordert Steuer auf Wegwerfplastik

Grünen-Vorsitzender Robert Habeck will der Wegwerfgesellschaft das Plastikfasten beibringen. Seine Idee: eine neue Steuer auf Wegwerfartikel aus Kunststoff.

Plastikmüll in Hannover
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Plastikmüll in Hannover


Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck will Wegwerfprodukte aus Kunststoff über eine neue Steuer teurer machen. "Wir brauchen eine EU-weite Plastiksteuer auf Wegwerfprodukte", sagte er der "Welt".

Der Grünen-Politiker hofft dadurch auf eine "Lenkungswirkung". Auch an einer anderen Stelle will der Kieler Umweltminister an der Steuerschraube drehen, um "raus aus der Wegwerf-Plastikgesellschaft" zu kommen. Es könne nicht sein, "dass Erdöl, das beispielsweise für die Produktion von Kunststoffen verwendet wird, anders als Öl für Kraftstoffe steuerlich bevorzugt wird".

Robert Habeck, Grünen-Chef und Landesumweltminister
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Robert Habeck, Grünen-Chef und Landesumweltminister

Laut Habeck fördere der Staat die Plastikflut mit mindestens 780 Millionen Euro jährlich, er verwies auf eine Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS). Die "Plastiksubvention" gehöre abgeschafft.

Plastik in der Natur ist eines der größten menschengemachten Umweltprobleme: Laut einer Hochrechnung US-amerikanischer Forscher hat die Menschheit seit den frühen Fünfzigerjahren 8,3 Milliarden Tonnen Plastik hergestellt, davon fand nur ein Bruchteil seinen Weg in Recyclingkreisläufe.

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Henderson Island: Kein Mensch, überall Abfall

Besonders für das Ökosystem der Weltmeere ist die Plastikflut wegen der extrem langen Haltbarkeit der Stoffe ein Problem. Tiere verenden daran, mikroskopisch kleine Plastikteile gelangen aus den Meeren in die Nahrungskette.

In Deutschland sorgte zuletzt ein Plastikumweltskandal für Schlagzeilen: Die Stadtwerke im norddeutschen Schleswig pumpten - angeblich unwissentlich - über längere Zeit gehäckselten Plastikabfall in die Ostsee. Der Kunststoff war Bioabfall beigemischt, den die Stadt in Faultürmen zur Energiegewinnung vergor.

Ähnliche Impulse für eine Steuer auf Wegwerfkunststoffe gab es zuletzt auf europäischer Ebene: EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger hatte eine europäische Plastiksteuer als zusätzliche Einnahmequelle für den EU-Haushalt ins Gespräch gebracht.

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Die Kunststoffmenge in der EU müsse aus Umweltschutzgründen reduziert werden, hatte Oettinger Anfang Januar erklärt. Zugleich könne die Steuer dafür sorgen, dass die Mitgliedstaaten künftig nicht so viel Geld aus ihren nationalen Budgets in den europäischen Haushalt einzahlen müssten.

cht/dpa

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insgesamt 119 Beiträge
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territrades 23.04.2018
1. Wir zahlen schon!
Wir bezahlen alle schon den grünen Punkt fürs recyceln, aber leider verbrennt die Abfallwirtschaft lieber oder exportiert den Müll. Außerdem: Wer schonmal in fremden Ländern war weiß woher der Müll in den Weltmeeren kommt, nämlich nicht aus Deutschland. In weiten Teilen der Welt gibt es weder eine geordnete und getrennte Müllabfuhr wie bei uns noch ein Umweltbewusstsein.
Frida_Gold 23.04.2018
2.
Die Grünen kennen auch nur noch Steuern, was? Wie wäre es mit einem Umweltgesetzt, das Hersteller verpflichtet, Verpackungen zu minimieren? Ein Gesetz, dass den Verkauf eingeschweißter Gemüse- und Obstartikel verbietet, weil man die verdammt nochmal super lose kaufen und verkaufen kann, wie es seit Jahrtausenden gemacht wird? Wie wäre es also, den Ball mal an die zu spielen, die die Verpackungen einsetzen und nicht an die, die sie kaufen? Denn eins ist doch klar: Eine Steuer wird auf den Preis aufgeschlagen und die Verbraucher bezahlen ihn. Die wenigsten Verbraucher wollen dringend die Verpackungsflut, man ärgert sich mit all dem Müll herum, weil Alternativen fehlen.
Remote Sensing 23.04.2018
3. Ach plötzlich erwacht das grüne Gewissen?
die Grünen waren und sind in Regierungsverantwortung und haben Nullkommanull für die Umwelt getan. Sie beschäftigen sich lieber mit Multikulti und Einladung der Welt in das deutsche Sozialsystem. Der Vorschlag von Habeck ist so alt wie er selbst und reine Augenwischerei, und hat er als grüner Umweltminister jemals etwas gegen Platikmüll unternommen? Nein, hat er nicht.
mwroer 23.04.2018
4.
Könnte ich mich glatt mit anfreunden. Vielleicht sollte man auch andere Ansätze verfolgen wie z.B. eine Rückgabepflicht für diese 50 cl PET Flaschen auf die es keinen Pfand gibt. Die liegen zuhauf in der Gegend rum. Oder meinetwegen darauf Pfand - den gibts dann nur mit Deckel. Wäre jetzt ein Ding aus meinem Alltag. Und vielleicht sollte jede für sich überlegen wo Plastikverpackungen aus Hygiene- oder technischen Gründen notwendig sind und wo nicht.
blueshift774 23.04.2018
5. Wir brauchen auch ...
eine Nachhaltigkeitssteuer und zwar auf alle Wegwerf-Produkte, wie Notebooks, Netbooks, Handys, Smartphones usw, die oft nach Akku-Standzeit ausgetauscht werden. Die Industrie hat sich hier hoch-profitable Verschleisswege geschaffen auf Kosten der Umwelt, deren Schäden wir erst in Jahrzehnten global erkennen werden. Wie wäre es, wenn es Steuergesetze gäbe, die sicherstellen, dass solche Wegwerfprodukte in Design und Modularität so konstruiert sind, dass sie mindestens 20 Jahre halten, danach durch Austausch von Komponenten weiter betrieben werden könnten oder durch "100%-Full-Receycling" wieder in ihre Rohstoffe aufgelöst werden können - mit allen Arbeitsplätzen, die da dranhängen! So muss ein nachhaltiger Wirtschafts- und Produktionsprozess im Sinne von Industrie 4.x designed werden. Und der Quality KPI dafür lautet: Zero Trash!
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