Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Platzeck zum Flughafen BER: "Herr Mehdorn bekommt die Freiheit, die er braucht"

Ausgerechnet Hartmut Mehdorn! Der brandenburgische Ministerpräsident Platzeck erklärt im Interview, warum der langjährige Bahn-Boss neuer Chef des Pannenflughafens BER wird. Allerdings stellt sich der SPD-Politiker schon jetzt auf Reibungen ein: "Wir alle kennen seine Ecken und Kanten."

Mehdorn (l.), Platzeck: "Er ist seit Tagen elektrisiert" Zur Großansicht
Getty Images

Mehdorn (l.), Platzeck: "Er ist seit Tagen elektrisiert"

SPIEGEL ONLINE: Hartmut Mehdorn wird im Juli 71 Jahre alt. Warum haben Sie ihn als Flughafenchef aus dem Ruhestand geholt?

Platzeck: Wir haben jemanden gesucht, der über ein breites Portfolio an Erfahrungen verfügt, der sich nicht mehr unruhig machen lässt von schwierigen Situationen. Und dem man zwei Dinge nicht erklären muss. Nämlich große Bauprojekte und Flugwesen. Hinzu kommt: Herr Mehdorn kann sofort loslegen.

SPIEGEL ONLINE: Noch im vorigen Jahr nannte Mehdorn Ihren Flughafen eine "Riesenblamage, über die sich die ganze Welt kaputtlacht".

Platzeck: Wir alle kennen seine Ecken und Kanten. Das habe ich immer an ihm gemocht, und ich habe auch nicht vor, ihm das jetzt abzuschleifen. Wir wollen in produktiver Reibung miteinander arbeiten.

SPIEGEL ONLINE: Bei seiner Vorstellung hat Mehdorn Ihren Kollegen Klaus Wowereit einen Populisten genannt. Als Bahn-Chef suchte er einst regelmäßig Streit mit seinem Gesellschafter, dem Bund. Haben Sie sich innerlich schon auf künftige Attacken eingestellt?

Platzeck: Machen Sie sich keine Sorgen. Herr Mehdorn bekommt die Freiheit, die er braucht. Hauptsache, er schafft mehr Akzeptanz für den Flughafen und bringt ihn endlich ans Netz.

SPIEGEL ONLINE: Schon am Freitag hat er Sie belehrt, dass die von Ihnen geforderte Verschärfung des Nachtflugverbots schädlich sei. Werden Sie ihm darin folgen?

Platzeck: Moment mal. Wir haben in Brandenburg, bei nur fünf Gegenstimmen, einen Landtagsbeschluss, der im Kern Verhandlungen für mehr Nachtruhe fordert. Das ist jetzt mein Auftrag.

SPIEGEL ONLINE: Als Air-Berlin-Chef hat Mehdorn Ihre Flughafengesellschaft auf Schadensersatz verklagt. Air Berlin wird der wichtigste Kunde am neuen Airport. Wie gehen Sie mit möglichen Interessenkonflikten um?

Platzeck: Hartmut Mehdorn verlässt den Aufsichtsrat von Air Berlin. Überdies wird er sich aus diesen Streitfragen heraushalten.

SPIEGEL ONLINE: Als Bahn-Chef verfügte er beim Bau des Berliner Hauptbahnhofs, das Glasdach über den Bahnsteigen zu verkürzen. Fürchten Sie am Flughafen ähnlich drastische Maßnahmen?

Platzeck: Zum Glück ist das Terminaldach schon fertiggestellt. Aber im Ernst: Natürlich müssen wir auch über harte Schnitte sprechen. Geben wir ihm doch etwas Zeit: Sein Dienst beginnt an diesem Montag um 7 Uhr.

SPIEGEL ONLINE: Und wann startet am neuen Airport der erste Flieger?

Platzeck: Als Nächstes wird die laufende Bestandsaufnahme zu Ende gebracht, und dann nennen wir einen neuen Eröffnungstermin. An Herrn Mehdorn jedenfalls wird es nicht liegen. Er ist seit Tagen elektrisiert. Ich glaube, die zwei Monate nach seinem Ausscheiden bei Air Berlin waren ihm schon zu lang.

Das Interview führte Frank Hornig

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 62 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
kunta.kinte 11.03.2013
... bekommt die Freiheit, die er braucht!" Da fallen Parallelen zu Peer Steinbrück auf: wenn es bei Mehdorn ähnlich "glücklich" läuft, wird Tegel wohl noch ewig bestehen bleiben!
2. Endlich mal ein Unternehmen,
Promet 11.03.2013
das der Herr Mehdorn nicht kaputtreparieren kann, weil es noch gar nicht existiert. Die Schneise der Verwüstung wird trotzdem länger. Welches Unternehmen ist das nächste Opfer.
3. Das letzte Aufgebot
Izmir.Übül 11.03.2013
Wenn Mehdorn so toll ist, warum wurde er dann von Etihad-Chef James Hogan zum vorzeitigen Rücktritt gedrängt? Antwort: Weil er das Geld von Etihad verbrannt hat, ohne dass dabei signifikante Sanierungsfortschritte erkennbar waren. Statt dessen hat jetzt Air Berlin einen echten Fachmann mit nachweislicher Air Line-Erfahrung zu seinem Nachfolger bestimmt (Wolfgang Prock-Schauer), und der Aufsichtsrat von BER hätte ja auch viel lieber den ehemaligen Fraport-Chef Wilhelm Bender gehabt, nur der hat wohl zu viel Geld verlangt.
4. Das wird wieder nix
nerdchen 11.03.2013
... außer einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für mittelmäßige Kabarettisten und einem Smalltalk-Generator für die Kaffeeecke in der Firma. Sei's drum, Tegel ist doch auch ganz nett!
5. Wenn es einer schafft...
kristall-1 11.03.2013
... dann Mehdorn. Unsäglich, die Kritik der Frau Künast. In Führungsaufgaben brauchen wir keine Diplomaten, sondern kundige Macher mit Charakter, Ecken und Kanten.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Neuer BER-Chef: Die Stationen des Hartmut Mehdorn


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: