Berlin - Matthias Platzeck ist künftig oberster Krisenmanager im Fall des Berliner Flughafendebakels, den Zustand der Baustelle hat der SPD-Politiker jetzt als schockierend bezeichnet: "Es ist dramatisch. Es ist ein Desaster", sagte Platzeck am Sonntagabend in der ARD. Der Ministerpräsident Brandenburgs rechnet daher mit massiven Umbauten. "Wir müssen wahrscheinlich nicht abreißen, aber umbauen. Das wird an manchen Stellen nötig sein", sagte Platzeck.
Der SPD-Politiker, der sich an diesem Montag im brandenburgischen Landtag einer Vertrauensabstimmung stellt, bekräftigte seine Ankündigung, beim Scheitern des Flughafenbaus zurückzutreten. "Entweder das Ding fliegt oder ich fliege", sagte er. Die Grünen im Brandenburger Landtag hatten zuletzt bereits den Rücktritt des Ministerpräsidenten gefordert.
Platzeck will sich mit der Vetrauensabstimmung nach eigenen Worten die größtmögliche Legitimation verschaffen, bevor er am kommenden Mittwoch den Vorsitz im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) übernimmt. Wowereit war zuletzt als Flughafen-Chefaufseher zurückgetreten. Im Berliner Abgeordnetenhaus hatte Wowereit am Samstag einen Misstrauensantrag der Opposition überstanden.
Platzeck ist im Brandenburger Landtag eine Mehrheit angesichts des großen Stimmenvorsprungs seiner rot-roten Koalition so gut wie sicher. Zudem wird namentlich abgestimmt. Es ist das erste Mal in der Geschichte Brandenburgs, dass ein Regierungschef die Vertrauensfrage stellt.
Wegen Baumängeln war der Eröffnungstermin für den Airport in Schönefeld vor kurzem ein viertes Mal verschoben worden und ist jetzt wieder völlig unklar. Der Bund, Berlin und Brandenburg sind Teilhaber der Betreibergesellschaft.
Als Nachfolger auf dem Aufsichtsratsvorsitz ist Platzeck umstritten, weil er schon bisher Vizevorsitzender war und von vielen für die Probleme mitverantwortlich gemacht wird. Einem "Focus"-Bericht zufolge soll er den Aufsichtsrat nur vorübergehend führen, bis ein erfahrener Experte gefunden ist. Brandenburgs Regierungssprecher wies diese Darstellung aber als "aus der Luft gegriffen" zurück.
Auf einen Eröffnungstermin für den Flughafen wollte sich Platzeck wie zuvor Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) nicht festlegen.
Ramsauer hatte am Wochenende aber bezweifelt, dass der Flughafen wegen der zahlreichen baulichen Veränderungen im kommenden Jahr an den Start gehen kann.
hen/Reuters/dpa-AFX
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