Platzeck-Nachfolger Dietmar Woidke: Dr. Sachlich übernimmt

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Platzeck-Nachfolger Woidke: "Ganz nett", ein "bodenständiger Typ"

Der Typ Homestory ist er nicht: Innenminister Dietmar Woidke soll Matthias Platzeck als Ministerpräsident von Brandenburg nachfolgen. Der loyale Parteisoldat galt schon länger als Kronprinz - auch mangels Alternative.

Berlin - Die Rolle des erfolgreichen Machers übernahm Dietmar Woidke zuletzt beim Hochwasser im Juni, das auch Brandenburg erwischt hatte. Dem Landkreis Prignitz, wusste die Regionalpresse zu berichten, gingen plötzlich die Sandsäcke aus. Daraufhin hing sich der SPD-Innenminister zur Freude des Landrats persönlich ans Telefon. Kurz darauf wurden 300.000 Stück angekarrt. Krise geregelt.

In Zukunft werden Woidkes Chefkompetenzen öfter gefragt sein. Der 51-Jährige soll neuer Ministerpräsident von Brandenburg werden. Nach elf Jahren im Amt gibt Matthias Platzeck die Führung des 2,5-Millionen-Einwohner-Bundeslandes ab.

Platzeck, 59, hatte im Juni einen leichten Schlaganfall erlitten und seine politische Zukunft von seinem Gesundheitszustand abhängig gemacht. Am Montag gab er seinen Rückzug bekannt. Woidke übernimmt aller Voraussicht nach auch den Vorsitz der Landes-SPD.

Platzecks Nachfolger ist kein Parteipromi wie SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier, der seinen Wahlkreis in Brandenburg hat und dem ebenfalls Ambitionen auf den Posten nachgesagt wurden. Aber im Gegensatz zu Steinmeier hat Woidke einen Heimatbonus: Aufgewachsen ist er in der Lausitz, in der Nähe der Kleinstadt Forst.

Kritiker von Rot-Rot

Woidke galt seit längerem als Favorit für eine eventuelle Nachfolge. In letzter Zeit war Platzeck schon häufiger wegen gesundheitlicher Probleme ausgefallen und sein loyaler Innenminister eingesprungen - auf einer wichtigen Auslandsreise im April etwa.

Woidke ist ein klassischer Regionalpolitiker, seit 20 Jahren in der SPD und seit fast ebenso langer Zeit Abgeordneter im Potsdamer Landtag. 2004 wurde er zum Umweltminister berufen. Nach der Landtagswahl 2009 bekam er erst mal keinen Ministerposten mehr, sondern wurde Chef der SPD-Landtagsfraktion.

Die Regionalpresse unkte damals, dass Platzeck und sein engstes Umfeld ihn loswerden wollten, weil Woidke als Kritiker von Rot-Rot gilt. Politisch steht er einer Großen Koalition aufgeschlossener gegenüber als dem aktuellen Bündnis von SPD und Linken.

Doch als Platzeck ihn brauchte, war Woidke wieder da: 2010 übernahm er das Innenministerium, weil sein Vorgänger über Mauscheleien stolperte. Und jetzt soll er Platzeck in der Staatskanzlei beerben.

"Ganz nett" oder "bodenständiger Typ" lauteten Twitter-Kommentare über die Personalie am Montag. Fotos von Veranstaltungen zeigen ihn selten lächelnd - das unterscheidet ihn vom "Deichgrafen" Platzeck. Woidke gilt als sachlich, vielleicht etwas spröde. Er promovierte in Agrarwissenschaften, seine Doktorarbeit trägt Wikipedia zufolge den Titel: Laboruntersuchungen zur Strohkonservierung mittels Harnstoff-Saccharose-Zusatz und zum Trockensubstanzabbau der Konservate nach der Nylonbeutel-Methodik.

Seinen Doktortitel hat Woidke in den Namen seiner Homepage integriert (www.dr-woidke.de), sein Lebenslauf ist in der dritten Person geschrieben ("Dr. Dietmar Woidke wurde am 22. Oktober 1961 in Naundorf bei Forst geboren"). Das wirkt solide, aber auch etwas unpersönlich. Allerdings wäre Woidke nicht der erste Ministerpräsident, der sein Amt eher unprätentiös ausfüllt. Davon gibt es einige Beispiele, etwa Erwin Sellering (SPD) in Mecklenburg-Vorpommern oder Olaf Scholz (SPD) in Hamburg.

Vom Bauernhof in die Staatskanzlei

Der Typ Homestory ist er also nicht, man erfährt wenig Persönliches über Woidke. Er ist zum zweiten Mal verheiratet und hat aus erster Ehe eine Tochter, heißt es. Er war mal Vorsitzender des regionalen Radsport-Verbands, den Sommerurlaub verbrachte er in Norwegen. 1,90 Meter ist er groß, weiß die "Bild"-Zeitung zu berichten, aufgewachsen auf einem Bauernhof. "Die Familie wohnt noch heute dort. Die DDR haben sie nie gemocht", schrieb die Zeitung einmal.

Als Innenminister war sein größtes Projekt die Polizeireform, im Zuge derer Hunderte Stellen eingespart wurden und Behörden fusionieren müssen. Auch verbot er mehrere Rockerclubs. Rückendeckung bekam er am Montag von der Bundes-SPD. Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann twitterte: "Ich schätze ihn. Er hat das Zeug, in den Fußstapfen von Stolpe und Platzeck ein anerkannter Landesvater zu werden."

Weniger euphorisch kommentierten Teile der Regionalpresse: "Dass Woidke nun Platzecks Nachfolger wird, zeigt vieles: Nämlich, dass er sich bewährt hat. Aber auch, dass es keinen anderen gibt", schrieben die "Potsdamer Neuesten Nachrichten".

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insgesamt 17 Beiträge
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1. Selbstdarsteller gibt's genug.
diorder 29.07.2013
Zitat von sysopDer Typ Homestory ist er nicht: Innenminister Dietmar Woidke soll Matthias Platzeck als Ministerpräsident von Brandenburg nachfolgen. Der loyale Parteisoldat galt schon länger als Kronprinz - auch mangels Alternative. Platzecks Nachfolger in Brandenburg: Dietmar Woidke im Porträt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/platzecks-nachfolger-in-brandenburg-dietmar-woidke-im-portraet-a-913695.html)
Wir brauchen Leute, die ihre Sache gut machen zum Wohle der Menschen. Sachlich d.h. an den Aufgaben interessiert ... Und erst mal 100 Tage arbeiten lassen, bevor schon abgewertet wird.
2. Nun ja
betonklotz 29.07.2013
Er mag nicht unbedingt der grosse Charismatiker sein. Aber solange er seinen Job solide macht, sollte das nicht weiter stören. In Zeiten, in denen Politiker vor allem durch Unfähigkeit und Korruption in den Medien präsent sind, bin ich persönlich froh über jeden Politiker, welcher nicht alle Nase lang in en Medien ist. Näher beurteilen kann ich ihn allerdings nicht, da ich nicht in Brandenburg lebe.
3. >annett, mädel,
ambulans 29.07.2013
so geht das aber nicht: heimat-bonus (für den neuen), weil: "forst" in der "lausitz" und "(bundesland) brandenburg" (die lausitz liegt doch eher in sachsen, oder)? was soll das also bedeuten: einmal ossi - immer ossi?
4. Wenn Sie schon von Geographie keine Ahnung haben,
klube 29.07.2013
Zitat von ambulansso geht das aber nicht: heimat-bonus (für den neuen), weil: "forst" in der "lausitz" und "(bundesland) brandenburg" (die lausitz liegt doch eher in sachsen, oder)? was soll das also bedeuten: einmal ossi - immer ossi?
sollten Sie einfach mal bei Google reinschauen wo Forst liegt. Forst liegt in Brandenburg, genauso wie ein Teil der Lausitz. Das hat mit " Ossi " nichts zu tun, aber offensichtlich sind Sie " Wessi " und da ist die Allgemeinbildung was den Ostteil der Bundesrepublik betrifft nicht gerade berauschend.
5. Heimatbonus
chb_74 29.07.2013
Zitat von ambulansso geht das aber nicht: heimat-bonus (für den neuen), weil: "forst" in der "lausitz" und "(bundesland) brandenburg" (die lausitz liegt doch eher in sachsen, oder)? was soll das also bedeuten: einmal ossi - immer ossi?
Die Lausitz erstreckt sich über das südliche Brandenburg, das östliche Sachsen und westliche Teile Polens. Und natürlich hat dann ein in Brandenburg Aufgewachsener einen "Heimatbonus" gegenüber jemandem, der sich zwar dort heimisch fühlt, aber erst vor nicht allzu langer Zeit zugezogen ist - jedenfalls bei den Leuten, denen "Landsmannschaftlichkeit" wichtig ist. Diese Leute würden in NRW auch eher einem drögen Sauerländer den Vorzug geben vor einem spritzigen Münchner - eben weil der Sauerländer "einer von hier" ist... ;-) Mit "Ossi" oder nicht-Ossi hat das daher rein gar nichts zu tun.
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