Pöbelei gegen Rösler: Juso muss um SPD-Mitgliedschaft bangen

Eine Aktion gegen Philipp Rösler könnte einen Juso seine Parteimitgliedschaft kosten. Der 19-Jährige hatte den FDP-Chef öffentlich beschimpft und danach eine diffamierende Fotomontage ins Netz gestellt. Nun wird ein Schiedsgericht über seine SPD-Zugehörigkeit entscheiden.   

Screenshot der Facebook-Seite: FDP geißelt "rassistische Hetze"Zur Großansicht

Screenshot der Facebook-Seite: FDP geißelt "rassistische Hetze"

Stuttgart - Die Beleidigung von FDP-Chef Philipp Rösler auf dem Dreikönigstreffen in Stuttgart und ein abwertender Facebook-Eintrag haben für ein Juso-Mitglied in Baden-Württemberg ein Nachspiel. Womöglich wird er aus der Partei geworfen. Gegen den Mann sei vom zuständigen Kreisverband Rottweil ein Parteiordnungsverfahren eingeleitet worden, sagte der baden-württembergische SPD-Vorsitzende Nils Schmid am Sonntag. Ein Schiedsgericht werde nun über einen Parteiausschluss entscheiden.

Schmid verurteilte das Verhalten des jungen Mannes. Dessen Äußerung sowie die Darstellung Röslers im Internet seien "völlig inakzeptabel".

Der 19-Jährige hatte den FDP-Bundesvorsitzenden auf dem Dreikönigstreffen Anfang Januar mit "Rösler, Du bist ein Arschloch" und "Volksverräter" beschimpft. Nach den Beleidigungen legte der junge Mann bei Facebook nach: Dort prahlte er mit seiner öffentlichen Störung und stellte eine Fotomontage ein, die die bekannte und preisgekrönte Aufnahme eines südvietnamesischen Polizeichefs zeigt, der im Vietnamkrieg einen Widerständler erschießt. Den Schießenden versah der Juso mit Röslers Kopf, das Opfer mit seinem eigenen, lachenden Gesicht.

Die Diffamierung löste nicht nur unter Politikern, sondern auch im Netz eine Welle der Entrüstung aus. Auf Facebook wurde eine Seite mit Gegenreaktionen unter dem Namen "Kein Platz für Rassismus!" eröffnet. Die Fanseite des Störers ist mittlerweile gelöscht.

Die FDP hatte die "rassistische Hetze" gegen Rösler verurteilt. FDP-Landeschefin Birgit Homburger forderte in einem am Samstag veröffentlichten Brief an Schmid eine Distanzierung. FDP-Landtagsfraktionschef Hans-Ulrich Rülke verlangte von Schmid, "diesen Herrn aus der SPD auszuschließen. Offen rassistische Hetze darf in einer demokratischen Partei keinen Platz haben". Auch Homburger fordert "gegebenenfalls weitere Konsequenzen". "Andernfalls müssen wir davon ausgehen, dass ein solches Verhalten nicht nur von Ihnen geduldet wird, sondern zum Stil der SPD Baden-Württemberg gehört", schrieb Homburger.

Die SPD distanzierte sich daraufhin "in aller Deutlichkeit" von dem Verhalten des jungen Mannes. Der Vorsitzende der Jusos Baden-Württemberg, Markus Herrera Torrez, entschuldigte sich für die Äußerungen und den Eintrag des Verbandsmitglieds.

ler/dapd

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insgesamt 28 Beiträge
bambus07 13.01.2013
zweifelsohne über das Ziel weit hinausgeschossen. Ob das unter Rassismus zu subsumieren ist, oder die nicht überlegte Handlung eines noch nicht völlig ausgereiften Menschen? Wenn er einigermaßen verständig ist, wird er seine [...]
zweifelsohne über das Ziel weit hinausgeschossen. Ob das unter Rassismus zu subsumieren ist, oder die nicht überlegte Handlung eines noch nicht völlig ausgereiften Menschen? Wenn er einigermaßen verständig ist, wird er seine Handlung reflektieren und das Falsche seines Tuns erkennen. Wer allerdings wie rhenanusius volles Verständnis für solches Verhalten hat, dem ist nicht zu helfen.
ekkehart-martin 13.01.2013
selbst exkommuniziert zu werden, für einen Katholiken ist wahrscheinlich nicht so schlimm, wie das Parteibuch der SPD abgeben zu müssen. Gerüchteweise sollen das aber in den letzten 30 Jahren Zehntausende freiwillig gemacht haben.
selbst exkommuniziert zu werden, für einen Katholiken ist wahrscheinlich nicht so schlimm, wie das Parteibuch der SPD abgeben zu müssen. Gerüchteweise sollen das aber in den letzten 30 Jahren Zehntausende freiwillig gemacht haben.
andra85 13.01.2013
Der inflationäre (meist sinnfreie) Gebrauch der Worte Rassismuss, Rassist, rassistisch nervt mittlerweile ungemein. Werden den jungen Leuten heutzutage nur noch Parolen beigebracht?
Zitat von rhenanusius...jetzt ein Rassist, wenn ich vollstes Verständnis und Sympathie für den jungen Juso hege? Spätestens bei der Nicht-Veröffentlichung dieser Zeilen, weiß ich es!
Der inflationäre (meist sinnfreie) Gebrauch der Worte Rassismuss, Rassist, rassistisch nervt mittlerweile ungemein. Werden den jungen Leuten heutzutage nur noch Parolen beigebracht?
lomert 13.01.2013
Da irrt der Juso aber gewaltig, alle Berufspolitiker der etablierten Parteien sind Volksverräter !
Zitat von sysopEine Aktion gegen Philipp Rösler könnte einen Juso seine Parteimitgliedschaft kosten. Der 19-Jährige hatte den FDP-Chef öffentlich beschimpft und danach eine diffamierende Fotomontage ins Netz gestellt. Nun wird ein Schiedsgericht über seine SPD-Zugehörigkeit entscheiden. Pöbelei gegen Rösler: Juso muss um SPD-Mitgliedschaft bangen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/poebelei-gegen-roesler-juso-muss-um-spd-mitgliedschaft-bangen-a-877282.html)
Da irrt der Juso aber gewaltig, alle Berufspolitiker der etablierten Parteien sind Volksverräter !
Stelzi 13.01.2013
Wenn du seine Fotomontage auch gutheisst, dann bist du einer.
Zitat von rhenanusius...jetzt ein Rassist, wenn ich vollstes Verständnis und Sympathie für den jungen Juso hege? Spätestens bei der Nicht-Veröffentlichung dieser Zeilen, weiß ich es!
Wenn du seine Fotomontage auch gutheisst, dann bist du einer.
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  • Sonntag, 13.01.2013 – 19:24 Uhr
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Das Wahljahr 2013
Die Niedersachsen haben entschieden - allerdings sehr knapp. Ein hauchdünner Vorsprung von einem Mandat für eine rot-grüne Koalition ermöglicht es dem SPD-Herausforderer Stephan Weil, den erst seit 2010 amtierenden David McAllister (CDU) als Regierungschef abzulösen. Nach dem anstehenden Machtwechsel zu Rot-Grün wird Schwarz-Gelb nur noch über 15 der 69 Stimmen im Bundesrat verfügen. Die schwächelnde FDP erreichte mit 9,9 Prozent der Stimmen ein sehr starkes Ergebnis - profitierte dabei aber von vielen strategisch wählenden CDU-Anhängern. Dennoch: Durch den Erfolg bleibt Philipp Rösler vorerst Parteichef, Fraktionschef Rainer Brüderle übernimmt lediglich die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl.




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