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Poker ums Wachstumspaket Ministerpräsident Müller bietet Steuer-Deal an

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2. Teil: "Ich sehe aktuell keine Möglichkeit, diesem Gesetz im Bundesrat zuzustimmen"

SPIEGEL ONLINE: Ein neuer Einkommensteuertarif soll "möglichst zum 1.1.2011" kommen, steht im Koalitionsvertrag.

Mülller: Darüber werden wir zu reden haben, wenn Mitte nächsten Jahres die Steuerschätzung vorliegt und wir unsere Handlungsspielräume sehen.

SPIEGEL ONLINE: Nun steht erst mal das Wachstumsbeschleunigungsgesetz mit einer 8,5-Milliarden-Euro-Entlastung für Familien und Unternehmen an. Unter anderem sollen Kindergeld und Kinderfreibeträge erhöht, die Erbschaftsteuer gesenkt werden. Tragen Sie das mit?

Müller: Ich sehe aktuell keine Möglichkeit, diesem Gesetz im Bundesrat zuzustimmen. Das Saarland ist in einer Haushaltsnotlage. Wir können zusätzliche Lasten zur Finanzierung dieser Steuererleichterungen einfach nicht tragen, wenn wir das Ziel der Schuldenbremse weiter verfolgen wollen.

SPIEGEL ONLINE: Kanzlerin Merkel versucht, die störrischen Länder mit Gegengeschäften zu ködern, denkbar scheinen Zugeständnisse bei den Bildungsinvestitionen. Was halten Sie davon?

Müller: Wir haben im letzten Jahr vereinbart, dass die Bildungsausgaben bis 2015 auf zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts anwachsen. Wenn uns der Bund da vielleicht noch stärker als bisher hilft, eröffnet dies natürlich Handlungsspielräume an anderer Stelle.

SPIEGEL ONLINE: Wie stellen Sie sich das praktisch vor?

Müller: Die Länder könnten als Ausgleich fürs Wachstumsbeschleunigungsgesetz einen erhöhten Anteil der Mehrwertsteuer erhalten und damit Bildung finanzieren. Das wäre ein gangbarer Weg.

SPIEGEL ONLINE: Und hat sich Merkel schon gemeldet?

Müller: Bisher ist kein Angebot der Bundesregierung bei mir eingegangen. Da wabert vieles durch die Gegend, und nichts liegt konkret auf dem Tisch.

SPIEGEL ONLINE: Viel Zeit ist nicht mehr.

Müller: Genau, am 18. Dezember entscheidet der Bundesrat.

SPIEGEL ONLINE: Bei der jüngsten Kaminrunde der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten der Union haben Sie die Sache ja schon mal besprochen …

Müller: … ich achte die Vertraulichkeit dieser Runden …

SPIEGEL ONLINE: Ihr Kollege Peter Harry Carstensen aus Schleswig-Holstein hat wegen der geplanten Steuerentlastungen sogar indirekt mit Rücktritt gedroht.

Müller: Vielleicht, vielleicht auch nicht. Klar ist: Ich bin durch meinen Amtseid den Saarländern verpflichtet und Carstensen der Bevölkerung von Schleswig-Holstein.

SPIEGEL ONLINE: Auf einem CDU-Parteitag haben Sie beide aber dem Koalitionsvertrag zugestimmt, inklusive Steuersenkungen. CSU-Chef Seehofer warnt Sie deshalb vor Wortbruch, Baden-Württembergs designierter Ministerpräsident Mappus wirft Ihnen Illoyalität gegenüber der Kanzlerin vor.

Müller: Moment mal. Ich habe auf dem Parteitag meinen Vorbehalt erklärt, dass ich dem Koalitionsvertrag nur zustimmen kann, wenn die zusätzlichen Lasten für die Länder ausgeglichen werden. Ansonsten könnte ich die Zusage für die Schuldenbremse nicht einhalten. Deshalb kann mir keiner mit dem Koalitionsvertrag kommen. Da liegen Mappus und Seehofer falsch.

SPIEGEL ONLINE: War die Schuldenbremse ein Fehler?

Müller: Nein, denn sie ist der Versuch, den Marsch in den Schuldenstaat zu stoppen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben auf dem Parteitag auch betont, dass Ihre Partei zwar die Bundestagswahl gewonnen aber dennoch miserabel abgeschnitten habe. Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?

Müller: CDU und CSU sind die letzten Volksparteien in Deutschland, die SPD hat diesen Anspruch längst verwirkt. Aber wir hängen im Korridor zwischen 30 und 40 Prozent fest. Das kann uns nicht zufriedenstellen. Und es gibt auch ein staatspolitisches Interesse, das Prinzip Volkspartei zu erhalten: weil es politische Stabilität bringt. Warum also erreichen wir nicht mehr die 40-Prozent-Marke? Die Saar-CDU wird Anfang des Jahres eine Klausur über mehrere Tage ausschließlich zu diesem Thema machen. Auch von der Bundespartei erwarte ich jetzt eine solche Debatte.

Das Interview führten Sebastian Fischer und Roland Nelles

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insgesamt 140 Beiträge
tradutor 04.12.2009
Natürlich haben die Länder Recht mit ihrem Protest. Sie können aber sicher sein, das keines dieser protestierenden Bundesländer sich verweigern wird.Am Ende siegt die Parteidisziplin über die Vernunft.Die Schwarz-Gelbe [...]
Zitat von sysopDie erste Hürde ist genommen - aber jetzt wird es richtig schwierig. Nach dem Ja des Bundestags zur Milliarden-Steuerentlastung für Familien und Unternehmen muss Kanzlerin Merkel jetzt um jede Stimme im Bundesrat ringen. Haben die Länder Recht mit ihrem Protest?
Natürlich haben die Länder Recht mit ihrem Protest. Sie können aber sicher sein, das keines dieser protestierenden Bundesländer sich verweigern wird.Am Ende siegt die Parteidisziplin über die Vernunft.Die Schwarz-Gelbe Koalition will wieder gewählt werden, also muß sie ihre irrationalen Wahlversprechen durchpeitschen.Es muß vorteilhaft sein für die Regierenden, also Parteien.Das Land mit seinen Bürgern bleibt zweitrangig. Wenn die Regierungsparteien meinen mit ihrem Gesetz der Steuersenkung auf Pump Wachstum zu generieren, dann läge es nahe, die Steuersenkung zu verdoppeln.Je größer die Steuersenkung, desto umfangreicher und schneller das Wirtschaftswachstum.Das wäre der logische Schluß. Daran erkennt man, für wie dumm man die Wähler hält.
beggars banquet 04.12.2009
Jetzt macht es sich die Postenverteilungsstelle aber ganz einfach.Wohlklingende Steuersenkungsmaßnahmen versprechen und die Umsetzung derselbigen den Ländern und Kommunen überlassen,ist kein feiner Schachzug.Wobei der Nutzen [...]
Jetzt macht es sich die Postenverteilungsstelle aber ganz einfach.Wohlklingende Steuersenkungsmaßnahmen versprechen und die Umsetzung derselbigen den Ländern und Kommunen überlassen,ist kein feiner Schachzug.Wobei der Nutzen dieser Zuwendungen in hohem Maße auch noch denen zukommt,die es nicht bedurfen.Bezahlen bzw. darunter leiden werden die Bürger in ihrer Gesamtheit,in Form von höheren Abgaben und Gebühren oder dem Entzug von öffentlicher Infrastruktur (Bad- und Theaterschließungen,Einschränkungen im öffentlichen Personen- und Nahverkehr,Parkpflege,Strassenreinigung,et cetera...) Die Länderchefs protestieren zu Recht dagegen,nur,sie wussten es ja auch schon vorher (Koalitionsvertrag) und hätten entsprechend in der Öffentlichkeit ihre Statements abgeben können.Warum taten sie es nicht ? MfG Beggars Banquet
Mr. XXX 04.12.2009
Das weitere Szenario ist bekannt, schließlich hat schon Schröder gezeigt, wie man den Bundesrat auf die eigene Seite bringt. Stimmen sind käuflich, weil JEDER käuflich ist... eine nette Kaminrunde mit den Abweichlern... Ooops, [...]
Zitat von sysopDie erste Hürde ist genommen - aber jetzt wird es richtig schwierig. Nach dem Ja des Bundestags zur Milliarden-Steuerentlastung für Familien und Unternehmen muss Kanzlerin Merkel jetzt um jede Stimme im Bundesrat ringen. Haben die Länder Recht mit ihrem Protest?
Das weitere Szenario ist bekannt, schließlich hat schon Schröder gezeigt, wie man den Bundesrat auf die eigene Seite bringt. Stimmen sind käuflich, weil JEDER käuflich ist... eine nette Kaminrunde mit den Abweichlern... Ooops, Sorry... mit den Parteifreunden aus dem Norden... nur um den in den Hinterzimmern zu verhandelnden Umfang des "Ausgleichs-Beihilfepakets" wird's noch gehen. Geld im Sack hat men keins, um selbige noch zu gewähren? Setzt man auf die 1,7 Bill Gesamtverschuldung obendrauf. Eigentlich kommt's auf zwei- bis dreistellige Milliarden-Summen gar nicht mehr an, alles peanuts... wie eben Steinbrück vor einigen Mon. zugegeben hat, die kleinste Recheneinheit im (Un-)Finanzministerium sei eine Milliarde... Und schließlich geht's um "höhere Ziele", nämlich NRW kommendes Jahr zu Fall bringen. Wer wird sich dann noch irgendeine "Schwarz-Gelbe-Panne" leisten können, nachdem der B-Tag alles durchgewunken hat. Die Medien warten doch sehnlichst auf heiße "Themen-Vorlagen"... Nein, Nein, alles kein Problem, im Westen nichts Neues, die "Demokratie" funktioniert Bestens...
Palmstroem 04.12.2009
Ursache der Mindereinnahmen der Länder sind die Folgen der Wachstumskrise. *Ein Prozent Wachstum bedeuten 5,5 Milliarden mehr an Steuereinnahmen und 3,5 Milliarden mehr an Einnahmen der Sozialkassen.* Wenn das BIP dieses Jahr um [...]
Zitat von sysopDie erste Hürde ist genommen - aber jetzt wird es richtig schwierig. Nach dem Ja des Bundestags zur Milliarden-Steuerentlastung für Familien und Unternehmen muss Kanzlerin Merkel jetzt um jede Stimme im Bundesrat ringen. Haben die Länder Recht mit ihrem Protest?
Ursache der Mindereinnahmen der Länder sind die Folgen der Wachstumskrise. *Ein Prozent Wachstum bedeuten 5,5 Milliarden mehr an Steuereinnahmen und 3,5 Milliarden mehr an Einnahmen der Sozialkassen.* Wenn das BIP dieses Jahr um 5% schrumpft bedeutet das also Mindereinnehmen von 40 Milliarden Euro. Dagegen sind die 8 Milliarden der Steuersenkung Peanats und sollten sie nur 0,5% Wachstum bewirken wären die Kosten dafür weniger als die Abwrackprämie gekostet hat! Auch die Länder können ihre Schulden nur über Wachstum in Griff bekommen und dafür braucht es erst mal Dampf im Kessel!
rotverschiebung 04.12.2009
für PHC nicht noch ein Posten im EU-Parlament frei? Stoiber und der Schwaben-Sarkozy können berichten, wie so ein aus Überzeugung erfolgter Wechsel vor sich geht...
für PHC nicht noch ein Posten im EU-Parlament frei? Stoiber und der Schwaben-Sarkozy können berichten, wie so ein aus Überzeugung erfolgter Wechsel vor sich geht...
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Zur Person
DDP
Peter Müller, 54, übernahm 1999 nach langer SPD-Regentschaft die Regierung im Saarland. Zwei Mal holte der CDU-Politiker die absolute Mehrheit der Sitze im Landtag. Bei der Wahl im August 2009 hat die Saar-CDU 13 Prozentpunkte verloren, doch Müller kann trotzdem weiter regieren: Als Chef des ersten Jamaika-Bündnisses in Deutschland. In den Neunzigern galt er als "junger Wilder", kritisierte Kanzler Kohl. Der CDU-Linke Müller leitete die Zuwanderungskommission seiner Partei und widersprach dem Begriff von der "Leitkultur". 2005 war er im Kompetenzteam von Kanzlerkandidatin Angela Merkel für die Bereiche Wirtschaft und Arbeit zuständig, doch die dann gebildete Große Koalition vereitelte Müllers Wechsel nach Berlin.

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