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Politiker-Beliebtheit: Unionsminister laufen Steinmeier den Rang ab

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Im Politiker-Ranking wird es eng für SPD-Spitzenkandidat Steinmeier: CDU-Ministerin von der Leyen überholt den Vizekanzler, und auch der neue CSU-Star Guttenberg schießt nach oben. Das ergibt die neue SPIEGEL-Umfrage - die außerdem zeigt, dass die Volksparteien die großen Krisengewinner sind.

Minister Guttenberg, Steinmeier: Dicht beieinander auf Platz fünf und sechs
DPA

Minister Guttenberg, Steinmeier: Dicht beieinander auf Platz fünf und sechs

Hamburg - Seine Wiederwahl hat der Popularität von Bundespräsident Horst Köhler offensichtlich gutgetan - nach wie vor belegt das Staatsoberhaupt in der SPIEGEL-Beliebtheitsskala den ersten Platz. In der Mai-Umfrage legte Köhler sogar noch zu: 83 Prozent der Deutschen sind jetzt der Meinung, dass der Bundespräsident auch künftig eine wichtige Rolle spielen sollte.

Ihm folgt unverändert Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf dem zweiten Platz, die sich in der Beliebtheitsquote leicht verbessern konnte (siehe Grafik). Auf Platz drei überrascht ein Kabinettsmitglied auf der Überholspur: Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) gewinnt deutlich an Zustimmung (plus sieben Prozent) und schafft es damit in die absolute Spitzengruppe der beliebtesten Politiker. Im vergangenen Quartal war sie noch auf dem sechsten Platz gelandet. Gelegenheiten für die Ministerin, sich politisch zu positionieren, gab es in den vergangenen Monaten einige - etwa die Debatte über Konsequenzen aus dem Amoklauf von Winnenden, eine Kinderporno-Sperre im Internet oder die anhaltenden Kita-Streiks in mehreren Bundesländern.

SPD-Kanzlerkandidat und Außenminister Frank-Walter Steinmeier muss hingegen mehrere Positionen einbüßen und landet noch hinter Finanzminister Peer Steinbrück auf dem fünften Platz. Sechs Wochen nach dem offiziellen Wahlkampfauftakt der SPD sind 41 Prozent der Befragten mit Steinmeiers politischer Arbeit zufrieden - das ist nur eine minimale Verbesserung im Vergleich zum Januar (40 Prozent). Die Arbeit von Steinmeiers Konkurrentin Angela Merkel halten 49 Prozent der Befragten für zufriedenstellend (siehe Grafiken in der Fotostrecke unten).

Als erfolgreichster Neuzugang erweist sich Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Seit er im Februar Michael Glos (CSU) im Kabinett ablöste, kann er sich als Krisenmanager in der Öffentlichkeit profilieren - wobei die Umfrage noch vor der jüngsten Entwicklung in der Opel-Krise erhoben wurde. 60 Prozent der Deutschen wollen, dass Guttenberg in Zukunft eine wichtige Rolle in Berlin spielt. Der CSU-Minister besetzt damit auf Anhieb einen soliden sechsten Platz im Beliebtheitsranking.

Der Osten wird unzufriedener

Und wie zufrieden sind die Deutschen mit der Arbeit der Großen Koalition? Sagten im Februar noch 35 Prozent der Teilnehmer der Quartalsumfrage von TNS Forschung für den SPIEGEL, sie seien mit der Arbeit der Bundesregierung zufrieden, so sind es nun 43 Prozent.

Allerdings ist das Ost-West-Gefälle bei dieser Frage auffallend stark ausgeprägt. Nur 33 Prozent der Menschen in den neuen Bundesländern bewertet die Arbeit der Koalition als positiv - zu Beginn des Jahres waren es zehn Prozent mehr, die sich dieser Aussage anschlossen. Genau umgekehrt ist das Verhältnis in den alten Bundesländern: Hier zeigten sich 45 Prozent der Befragten zufrieden mit Berlin - im Vergleich zu Januar eine Steigerung von über zehn Prozent (Detailbewertung zur Arbeit der Bundesregierung bei einzelnen Themen: siehe Fotostrecke oben).

Das Superwahljahr scheint auf die Wähler motivierend zu wirken: will die überwältigende Mehrheit der Deutschen am 27. September ihre Stimme abgeben - nur acht Prozent planen, die Bundestagswahl zu ignorieren. Bei der vergangenen Umfrage im Januar 2009 hatten sich mehr als zehn Prozent der Befragten als Nichtwähler bezeichnet.

Davon profitieren auch die großen Volksparteien: Für SPD und CDU zeichnet sich ein leichter Aufwärtstrend in der Wählergunst ab. Die Union gewinnt im Vergleich zum Jahresbeginn zwei Prozent dazu - 36 Prozent der Deutschen würden für die CDU/CSU stimmen, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre.

Extrem knappe Mehrheit für Schwarz-Gelb

Die SPD erreichte in der aktuellen Befragung 26 Prozent. Das sind ebenfalls zwei Prozentpunkte mehr als im Januar. Damit liegen die Volksparteien vier Monate vor der Bundestagswahl zehn Prozentpunkte auseinander.

Die FDP landet bei 13, die Grünen bei 11, die Linke bei 10 Prozent. Eine klare Mehrheit hätten nach diesen Werten derzeit eine Große Koalition, eine Jamaika- und eine Ampelkoalition. Mit 49 Prozent der Stimmen würde es ganz knapp auch für Union und FDP reichen, denn die sonstigen Parteien - vier Prozent - würden bei der Sitzverteilung nicht berücksichtigt (siehe Grafik zu den Umfragen).

Dass FDP und Union die Wiederwahl von Bundespräsident Köhler als Signal für eine schwarz-gelbe Koalition auf Bundesebene verkauften, stößt im Übrigen auf Unverständnis bei der Bevölkerung. 70 Prozent der Befragten sehen zwischen seinem Sieg und dem Ergebnis der Bundestagswahl keinen Zusammenhang. Fast zwei Drittel (61 Prozent) der Deutschen wünschen sich allerdings mehr Mitsprache bei der Bestimmung des Bundespräsidenten.

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