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Politischer Aschermittwoch: Er wär so gern wie Strauß

CSU-Parteivorsitzender in Passau: "Wer bei uns leben will, muss mit uns leben und nicht gegen uns" Zur Großansicht
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CSU-Parteivorsitzender in Passau: "Wer bei uns leben will, muss mit uns leben und nicht gegen uns"

Beim politischen Aschermittwoch watschen sich die Parteien gegenseitig ab. CSU-Chef Horst Seehofer betont das konservativ-rechte Profil seiner Partei - und pöbelt gegen die Grünen. Prost!

Passau - Selbstbeweihräucherung hat bei Horst Seehofer Tradition am politischen Aschermittwoch. Gern lobt er sein politisches Vorbild Franz Josef Strauß und dessen große Zeiten. So auch in diesem Jahr in Passau. Noch immer kontrolliere er die christsoziale Arbeit, Strauß' Fotos hänge über seinen Schreibtisch, sagte Seehofer. "Wäre er auf Facebook, würde er immer 'Gefällt mir' drücken", sagte der CSU-Vorsitzende.

Seehofer nutzte seine Rede, um vor allem die konservativ-rechte Ausrichtung seiner Partei hervorzuheben und auszuteilen: "Das Christentum gehört zu Deutschland. Aber wenn das die Grünen hören, ist man gleich ein Kampfhund. Da kann man nur noch beten: Herr, lass Hirn regnen." Seine Zuhörer applaudieren und jubeln.

Er schloss die Einführung eines Einwanderungsgesetzes in Deutschland, wie es etwa zuletzt CDU-Generalsekretär Peter Tauber ins Spiel gebracht hatte, kategorisch aus. Solange er politisch etwas zu sagen habe, werde es mit der CSU kein Einwanderungsgesetz geben.

Seehofer ging in seiner Rede angesichts gestiegener Asylbewerber- und Einwandererzahlen auch auf das Thema Integration ein. Unberechtigte Asylbewerber sollten möglichst schnell wieder abgeschoben werden, sagte Seehofer. Er rief: "Wir sind nicht das Sozialamt für die ganze Welt." Ein Spruch, den die rechtsextreme NPD und die rechtskonservative AfD in ähnlicher Formulierung immer wieder benutzen.

Seehofer führte weiter aus. "Wer bei uns leben will, muss mit uns leben und nicht gegen uns."

"Bayern ist die Vorstufe zum Paradies"

Er ging auch auf die Themen Stromtrassen und Pkw-Maut ein: "Solange die Notwendigkeit nicht belegt ist, wird ein Horst Seehofer einer Stromtrasse nicht zustimmen", versprach er seinen Anhängern, bei den Verhandlungen über die Energiewende bleibe er hart. Und wenig später beteuerte er: "Die Pkw-Maut für ausländische Straßenbenutzer wird noch in diesem Jahr verabschiedet. Das habe ich mit der Kanzlerin so besprochen."

Beifall bekam er für seinen Lokalpatriotismus: "Bayern ist die Vorstufe zum Paradies." Das Publikum dankte ihm für seine Rede mit gefälligem Applaus.

AfD-Vorsitzender Lucke in Osterhofen Zur Großansicht
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AfD-Vorsitzender Lucke in Osterhofen

AfD-Chef Bernd Lucke warf CSU und CDU wiederum im niederbayerischen Osterhofen in der Flüchtlingspolitik Wortbruch und "Doppelzüngigkeit" vor. Er sagte, früher habe die Union ganz ähnliche Positionen vertreten wie die AfD und sich ebenfalls für eine Steuerung und Begrenzung der Zuwanderung ausgesprochen.

Die Veranstaltungen der anderen Parteien im Überblick:

  • SPD-Chef Sigmar Gabriel lästerte beim politischen Aschermittwoch seiner Partei in Vilshofen über den CSU-Übervater Strauß: "Der Strauß ist der Letzte, den ich mir für meine Kinder als Vorbild vorstelle." Er teilte auch gegen Seehofer kräftig aus: "Gegen die Mitgliedschaft im Kabinett bei Horst Seehofer ist ja eine Folterkammer eine Wärmestube. (...) Bei (Markus - Anm. d. Redaktion) Söder finde ich, ist das ein gelungener Täter-Opfer-Ausgleich."

    Der Bundeswirtschaftsminister kritisierte den anhaltenden CSU-Widerstand gegen neue Stromtrassen scharf und warnte vor steigenden Strompreisen im Freistaat. "Diesen Unsinn müssen wir stoppen - im Interesse Bayerns, aber auch im Interesse ganz Deutschlands", sagte er.
    Der SPD-Bundesvorsitzende Gabriel Zur Großansicht
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    Der SPD-Bundesvorsitzende Gabriel


    Auch die Spitzen der Bayern-SPD attackierten Seehofer - und dessen möglichen Nachfolger Markus Söder. "Der Seehofer ist mit seiner Energiepolitik ein Standortrisiko für Bayern - das größte in unserer bisherigen Geschichte", sagte Landeschef Florian Pronold. Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher lästerte: "Die CSU gibt heute die Abschiedssause für Horst Seehofer in Passau." Über Finanzminister Söder sagte er, man dürfe einem Mann mit solchen Charaktereigenschaften niemals die Geschicke Bayerns anvertrauen. "Das werden wir gemeinsam verhindern."

  • Grünen-Chef Cem Özdemir sagte in Landshut zum Thema Flüchtlingen: "Die eigentlichen Probleme haben nicht wir. Die eigentlichen Probleme haben die Bürgermeister in Libanon, die Bürgermeister in Jordanien, die Bürgermeister im Osten der Türkei. Die würden sich die Probleme, die wir hier haben, wünschen."

heb/hen/dpa

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insgesamt 26 Beiträge
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    Seite 1    
1. ...er wäre so gern wie Strauß ?
r_dawkins 18.02.2015
also ein Verfassungsfeind? (siehe Spiegel-Affäre)
2.
brunellot 18.02.2015
Ich kann Herrn Seehuber da nur zustimmen und wünsche Ihm und seinen Parteigenossen, dass der Herr gnädigst grosse Mengen Hirn über dem CSU Zelt in Passau ausschüttet. Als ewiger Optimist stirbt für mich die Hoffnung immer noch zuletzt...
3.
Fuscipes 18.02.2015
An Aschermittwoch wird in Bayern immer die Sau rausgelassen, die darf dann bis zum nächsten draußen bleiben.
4. Das ist doch
order66 18.02.2015
die Realität. Politik ist in Wirklichkeit Stammtischgelaber in der Provinz!
5. Erbfeinde
milchrausch 18.02.2015
Der Spiegel kann nicht über seinen Schatten springen?! Spiegel vs. Strauß und Spiegel vs. Seehofer! Die Redaktion vererbt sich quasi seine Feinde! Ich dachte die Zeiten sind vorbei!
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