Missbrauchsdebatte bei Grünen: Parteienforscher Walter soll Pädophilie-Vorwürfe aufklären

Franz Walter: Der Parteienforscher soll die Rolle von Pädophilen bei den Grünen klären Zur Großansicht
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Franz Walter: Der Parteienforscher soll die Rolle von Pädophilen bei den Grünen klären

Der Göttinger Politologe Franz Walter soll als unabhängiger Wissenschaftler den Einfluss von Pädophilen-Befürwortern bei den Grünen untersuchen. Das sagte Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke SPIEGEL ONLINE.

Hamburg - Die Grünen haben den unabhängigen Wissenschaftler gefunden, der die Pädophilie-Vorwürfe gegen Parteimitglieder in der Gründungszeit untersuchen soll. Parteienforscher Franz Walter von der Universität Göttingen wurde mit dieser Aufgabe beauftragt, teilte Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke SPIEGEL ONLINE mit.

"Es freut uns, dass wir dieses renommierte Institut und seinen Leiter für eine wissenschaftliche Untersuchung dieser aus unserer Sicht wichtigen Frage gewinnen konnten", sagte Lemke. Die Grünen würden das Forschungsprojekt finanziell unterstützen und dafür einen Vertrag mit dem Institut für Demokratieforschung der Stiftungsuniversität Georg August in Göttingen abschließen.

Es solle sich um ein von den Grünen gefördertes Forschungsprojekt handeln, bei dem die beteiligten Wissenschaftler frei und unabhängig sind in Bezug auf die genaue Fragestellung, den Umfang und die Durchführung der Untersuchung sowie der Veröffentlichung der Ergebnisse. Die Wissenschaftler um Walter, der auch Autor bei SPIEGEL ONLINE ist, würden dabei von den Grünen "in vollem Umfang Unterstützung erhalten, insbesondere was den uneingeschränkten Zugang zu Akten, Protokollen und sonstigen Informationen angeht, soweit diese in der Verfügung der Partei sind".

Unabhängig vom Ergebnis dieser Studie stehe für die Grünen jetzt schon außer Frage, dass Forderungen nach Straffreiheit von Sexualität von Erwachsenen mit Kindern und pädophilen Handlungen "inakzeptabel und falsch" waren und seien, sagt Lemke. "Wir bedauern, dass es in den Anfangsjahren der Grünen Partei Raum für diese Debatten und Forderungen gab. Das ist ein Fehler, für den unsere Partei ohne Wenn und Aber die Verantwortung trägt."

Für die Einsetzung eines solchen Experten hatte sich auch Parteichefin Claudia Roth stark gemacht. Sie begrüße es, "wenn unabhängige Wissenschaftler die Schriften und Aktivitäten bestimmter gesellschaftlicher Gruppen aus den achtziger Jahren untersuchen", sagte sie Anfang Mai zu SPIEGEL ONLINE. Doch zu keinem Zeitpunkt seien Gruppen, die sich für Pädophilie einsetzten, bei den Grünen mehrheitsfähig gewesen, hatte Roth bereits klargestellt. Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann und der hessische Landtagsabgeordnete Marcus Bocklet plädierten bereits für eine entsprechende Untersuchung.

Frühere Äußerungen des grünen Europapolitikers Daniel Cohn-Bendit über Intimitäten hatten für eine heftige Diskussion über die Rolle von Pädophilie-Befürwortern in der Parteigeschichte der Grünen gesorgt.

Im Laufe der Diskussion hatte auch CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt Cohn-Bendit massiv attackiert. Er bezeichnete ihn in München als "widerwärtigen Pädophilen". Die Grünen warfen Dobrindt daraufhin "übelste und absolut inakzeptable Verleumdung" vor.

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