Politik


Dreikönigstreffen-Zwischenrufer: Polizei ermittelt gegen Rösler-Pöbler

Von Severin Weiland

FDP-Chef Rösler am 6. Januar in Stuttgart: Verbaler Angriff eines SozialdemokratenZur Großansicht
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FDP-Chef Rösler am 6. Januar in Stuttgart: Verbaler Angriff eines Sozialdemokraten

Ein Juso-Mitglied griff im Januar den FDP-Chef Philipp Rösler auf dem Dreikönigstreffen verbal an und stellte anschließend eine geschmacklose Fotomontage auf seine Facebook-Seite. Nun ermittelt die Polizei in Stuttgart gegen den jungen Mann - wegen Beleidigung.

Berlin - Philipp Rösler, FDP-Vorsitzender, hielt gerade die traditionelle Ansprache auf dem Dreikönigstreffen seiner Partei in Stuttgart, da ertönte ein wütender Zwischenruf. "Rösler, du bist ein Arschloch. Danke", rief ein junger Mann im Publikum. Der Liberale reagierte schlagfertig: "Man kann das auch höflicher formulieren, dass man sich gegenseitig nicht sehr schätzt." Der Zwischenrufer schrie weiter, "Volksverräter" war noch zu hören. Rösler konterte: "Aber 2013 wird ein Jahr der Höflichkeit und des Anstands." Das Publikum applaudierte, der junge Mann verließ bald darauf den Saal.

Ein Vorgang, der sich am 6. Januar ereignete und auch von den Fernsehkameras live festgehalten wurde. Das Video ist noch heute im Internet zu finden - und der Vorfall wird möglicherweise ein juristisches Nachspiel haben. Denn der FDP-Chef und Bundeswirtschaftsminister stellte Strafantrag wegen Beleidigung. Ob es am Ende zu einem Verfahren vor Gericht kommt oder dieses eingestellt wird - das ist derzeit noch nicht abzusehen.

Der Zwischenrufer Helmut W. wurde Ende vergangener Woche nach eigener Aussage auf der Polizeistation in Sulz am Neckar von einem Polizeibeamten zum damaligen Vorgang befragt. Das Polizeipräsidium in Stuttgart erklärte, dass gegen Helmut W. wegen Beleidigung ermittelt wird. "Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen, daher ist der Vorgang auch noch nicht bei der Staatsanwaltschaft", sagte ein Sprecher zu SPIEGEL ONLINE. Der Strafantrag Röslers sei bereits im März gestellt worden, aber erst im April beim Präsidium eingegangen und werde seitdem dort bearbeitet, hieß es weiter.

Der Fall des Zwischenrufers Helmut W. hatte im Frühjahr auch die SPD beschäftigt. Denn der 19-Jährige ist Mitglied der Jungsozialisten (Jusos), der Nachwuchsorganisation der SPD und auch der SPD in Baden-Württemberg. Der junge Mann, Schüler eines technischen Gymnasiums, hatte neben seinem Zwischenruf zudem für große Empörung in der Öffentlichkeit mit einem Eintrag auf seiner Facebook-Seite gesorgt. Dort hatte er das berühmte Bild aus dem Vietnam-Krieg, auf dem der Polizeipräsident von Saigon 1968 einen gefesselten Vietcong-Kämpfer mit einer Pistole in den Kopf schießt - retuschiert. Helmut W. versah den Schießenden mit Röslers Kopf, das Opfer mit seinem eigenen, lachenden Gesicht.

SPD zeigte sich entsetzt

Die FDP sprach damals von "rassistischer Hetze" - Rösler wurde in Vietnam geboren und als Baby von deutschen Eltern adoptiert. Auch die SPD im Südwesten der Republik zeigte sich entsetzt über das Verhalten ihres Mitglieds. Der Vorsitzende der Jusos Baden-Württemberg, Markus Herrera Torrez, entschuldigte sich für die Äußerungen und den Eintrag, und der baden-württembergische SPD-Vorsitzende Nils Schmid erklärte kurz darauf, gegen das Mitglied sei vom zuständigen Kreisverband Rottweil ein Parteiordnungsverfahren eingeleitet worden..

Was ist aus dem Parteiverfahren geworden? "Das ist offenbar im Sande verlaufen. Ich habe bis heute in der Sache keine Mitteilung von der Partei bekommen", sagt Helmut W. Der Schüler, der nach eigenen Angaben 2012 der SPD beitrat und vor der Bundestagswahl 2009 bereits zu den Jusos kam, hat sich mittlerweile von seinen Äußerungen und seiner Fotomontage distanziert. Den Eintrag auf Facebook hat er runtergenommen.

Auf seiner Homepage findet sich eine umfangreiche Stellungnahme - die sich an "liebe FDP-Anhänger, liebe Freunde aus SPD und Jusos, liebe Facebook-Gemeinde" richtet. Er wolle sich für sein Verhalten entschuldigen, schreibt er dort. "Ich war mir über das Ausmaß und die Tragweite meines Ausrufs nicht bewusst und ich konnte nicht erahnen, welche Konsequenzen er mit sich bringen würde. Niemals war es meine Absicht, meiner Partei Schaden zuzufügen, noch rechtes Gut zu verbreiten." Der Ausruf "Volksverräter" sei lediglich als Angriff auf Röslers Leistungen als Politiker gerichtet gewesen, verteidigt er sich. "Herr Rösler ist für mich ein Deutscher, so wie rund 80 Millionen weitere", so W. Und weiter: "Es tut mir leid, wenn das missinterpretiert wurde. Das Bild in der Facebook-Gruppe sollte rein satirischer Natur sein."

Bei seiner Befragung in Sulz, sagt Helmut W., sei er vom Polizisten auch zu seiner Internet-Stellungnahme befragt worden: "Ich habe ihm gesagt, meine Stellungnahme gilt."

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insgesamt 97 Beiträge
JustusBrack gestern, 07:58 Uhr
Wenn jemand König ist, ist dann der Ausruf "Sie König!" eine Beleidigung oder eine Tatsachenbeschreibung? Und wenn jemand.....
Wenn jemand König ist, ist dann der Ausruf "Sie König!" eine Beleidigung oder eine Tatsachenbeschreibung? Und wenn jemand.....
Meshada gestern, 08:04 Uhr
"Es tut mir Leid, wenn das missinterpretiert wurde" Das ist keine Entschuldigung. Eine Entschuldigung ist, wenn man a)sagt, dass man klar etwas falsch gemacht hat, und dann klar(!) b)Verantwortung dafür übernimmt. [...]
"Es tut mir Leid, wenn das missinterpretiert wurde" Das ist keine Entschuldigung. Eine Entschuldigung ist, wenn man a)sagt, dass man klar etwas falsch gemacht hat, und dann klar(!) b)Verantwortung dafür übernimmt. Was Helmut W. hier macht ist das Gegenteil. Die Verantwortung weist er anderen zu (die ihn " missinterpretiert" haben sollen), was ihm Leid tut ist nur, das er davon dann betroffen ist. Sagt sein Satz ja - es tut ihm Leid, dass sein Satz so gesehen wird. Der Satz selbst, dass er ihn verfasst hat und was er gesagt hat, das nicht. Wäre der Junge mein Sohn, dann würde ich ihm diese Sätze um die Ohren hauen. Selbst 10-Jährige wissen es besser. Und ich bin wahrlich kein Fan von Philip Rösler, den ich für unsäglich schlecht halte.
adam68161 gestern, 08:11 Uhr
aber nicht akzeptabel, wenn die Ermittlungen eingestellt und der Verursacher straffrei bliebe. Dass der Mann eine angemessene Strafe bekommen muss, steht ausser Frage, denn er hat wesentliche Persönlichkeitsrechte von R. verletzt. [...]
aber nicht akzeptabel, wenn die Ermittlungen eingestellt und der Verursacher straffrei bliebe. Dass der Mann eine angemessene Strafe bekommen muss, steht ausser Frage, denn er hat wesentliche Persönlichkeitsrechte von R. verletzt. Nachahmer hätten zudem einen Präzedenzfall. Unerklärlich, warum sich die Ermittlungen so lange hinziehen.
caecilia_metella gestern, 08:20 Uhr
ist es vielleicht ehrlicher, etwas auszusprechen als nur zu denken, wenn man den Eindruck hat, jemand versteht die edlen und großen Gedanken nicht. (Wir sind die drei Könige ...) Wer das nicht wünscht, sollte besser seine Gründe [...]
ist es vielleicht ehrlicher, etwas auszusprechen als nur zu denken, wenn man den Eindruck hat, jemand versteht die edlen und großen Gedanken nicht. (Wir sind die drei Könige ...) Wer das nicht wünscht, sollte besser seine Gründe und Ziele überdenken statt sich beleidigt fühlen von etwas, das ihn gar nicht tangieren sollte. Nach dem, was ich über den Lebenslauf von Rösler weiß, scheint er mir auch ein gestörtes Verhältnis zu Müttern zu haben. Seine Partei könnte irgendwann prüfen, ob jemand, der große Teile der Bevölkerung auszublenden versucht, sich denn überhaupt als Politiker, gar Regierender dieses großen ausgeblendeten Teiles eignet.
kuglerstephan gestern, 08:24 Uhr
Es ist eben viel einfacher die Menschen zu verraten und zu betrügen wenn diese dazu noch eine höfliche gute Mine zum bösen Spiel machen. Als Verräter fühlt sich danach auch viel besser wenn das Gegenüber sich höflich dafür [...]
Es ist eben viel einfacher die Menschen zu verraten und zu betrügen wenn diese dazu noch eine höfliche gute Mine zum bösen Spiel machen. Als Verräter fühlt sich danach auch viel besser wenn das Gegenüber sich höflich dafür bedankt gerade verraten worden zu sein. Ist schon verständlich oder ?
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  • Mittwoch, 01.05.2013 – 07:15 Uhr
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