Terror-Anschlag in Afrika: Polizei in Tansania nimmt deutschen Islamisten fest

Von Matthias Gebauer

Die Fahnder hatten ihn lange gesucht, jetzt ist ein bekannter deutscher Dschihadist in Afrika festgenommen worden. Dem Wuppertaler Emrah E. wird ein tödlicher Anschlag auf ein Einkaufszentrum in Kenia zur Last gelegt.

Berlin - Die Polizei in Tansania hat einen in ganz Afrika gesuchten deutschen Terror-Verdächtigen festgenommen. In deutschen Sicherheitskreisen wurde SPIEGEL ONLINE bestätigt, dass die Polizei den aus Wuppertal stammenden Emrah E. in den vergangenen Tagen festgenommen hat. Der junge Mann hatte sich ersten Erkenntnissen zufolge in den vergangenen Wochen aus Kenia nach Tansania abgesetzt. Deutsche Behörden vermuteten E. seit rund anderthalb Jahren in Ostafrika.

In Kenia wurde der türkischstämmige Deutsche, der sich schon vor einigen Jahren in Terror-Lagern in Pakistan hatte ausbilden lassen, wegen seiner angeblichen Beteiligung an einem Bombenanschlag auf ein Einkaufszentrum mit Fahndungsbildern gesucht. Neben Emrah E. hält die kenianische Polizei einen weiteren deutschen Dschihadisten für verdächtig, an der Attacke beteiligt gewesen zu sein. An den Verdachtsmomenten der Kenianer gibt es jedoch auch Zweifel.

Bei dem Anschlag am 28. Mai in der kenianischen Hauptstadt Nairobi waren ein Mensch getötet und mehr als 30 verletzt worden. Die Polizei in Kenia vermutet die radikal-islamistische Gruppe al-Shahab aus Somalia hinter der Terror-Attacke. Der Gruppierung werden enge Kontakte zum Terrornetzwerk al-Qaida nachgesagt. Seitdem Kenia sich militärisch in Somalia engagiert, haben die Islamisten immer wieder mit Anschlägen in dem auch bei deutschen Urlaubern beliebten Land gedroht.

Erschreckende Karriere eines Terroristen

Für die deutschen Behörden ist die Festnahme des Deutschen eine Chance, den Fall von E. und damit eine erschreckende Karriere eines Terroristen mit deutschem Pass endlich aufzurollen. Seit Jahren ermittelt der Generalbundesanwalt gegen den jungen Wuppertaler wegen der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Umgehend entsandte Deutschland einen Fahnder nach Tansania, er soll vor Ort weiter ermitteln und E. möglicherweise auch vernehmen.

Emrah E. ist bei Polizei und Verfassungsschutz seit Jahren als gefährlicher Dschihadist bekannt. Er gehört zu einer Gruppe von rund 100 jungen Deutschen, die sich in den vergangenen Jahren zunächst in der afghanisch-pakistanischen Grenzregion in Terror-Lagern ausbilden ließen und dann auch aktiv am Kampf in der Krisenregion teilnahmen. Dabei kamen die jungen Männer meist über die Islamische Bewegung Usbekistan in Kontakt mit al-Qaida.

Fotos in martialischen Posen

Der Wuppertaler tauchte auf Fotos im Internet mehrmals in martialischen Posen auf, ein Bild zeigte ihn auf einem Motorrad mit einer umgehängten Kalaschnikow. Emrahs Bruder Bünyamin war im Oktober 2010 bei einem Drohnenangriff der USA im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet ums Leben gekommen. Bei der Attacke auf ein Versteck von mutmaßlichen Terroristen soll auch ein weiterer Deutscher getötet worden sein. Emrah E. hatte den Tod seines Bruders damals per Telefon seiner Familie in Deutschland gemeldet.

Emrah E. sorgte später durch mehrere Warnanrufe bei Behörden in Deutschland für den bisher schärfsten Terror-Alarm nach dem 11. September 2011. In mehreren Telefonaten hatte er die deutschen Behörden vor einer Gruppe von Attentätern gewarnt, die angeblich auf dem Weg nach Deutschland seien. Damals wurden Bahnhöfe und auch der Reichstag verstärkt bewacht, da man den Hinweis des Wuppertalers zunächst sehr ernst nahm.

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insgesamt 6 Beiträge
Reqonquista 12.06.2012
in 50 Jahren über diese Zeit sprechen? War das dann die Zeit in der man die Radikalisierung einer Religion verschlief und durch Inaktivität die Basis für einen massiven Konflikt gelegt hat? Wird das die Gesellschaft entzweien. [...]
in 50 Jahren über diese Zeit sprechen? War das dann die Zeit in der man die Radikalisierung einer Religion verschlief und durch Inaktivität die Basis für einen massiven Konflikt gelegt hat? Wird das die Gesellschaft entzweien. Diese Leute haben einen anderen Staat vor Augen, indem nur ihre Gesetze gelten. Geschichte kann furchtbar schief gehen!
güntersch 12.06.2012
Aber bloß nicht nach Deutschland ausliefern wenn er wirklich Schuld hat.
Zitat von sysopDie Fahnder hatten ihn lange gesucht, jetzt ist ein bekannter deutscher Dschihadist in Afrika festgenommen worden. Dem Wuppertaler Emrah E. wird ein tödlicher Anschlag auf ein Einkaufszentrum in Kenia zur Last gelegt. Polizei in Tansania nimmt deutschen Islamisten fest - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,838501,00.html)
Aber bloß nicht nach Deutschland ausliefern wenn er wirklich Schuld hat.
kleinzack 12.06.2012
wahrscheinlich wird er in einem keynianischen Gefängnis lange vor sich hinschmoren dürfen (wenn man nicht einen "kurzen Prozeß" mit ihm macht). Der Der Staat, auf dessen Territorium der Mord geschah, hat das sog. [...]
wahrscheinlich wird er in einem keynianischen Gefängnis lange vor sich hinschmoren dürfen (wenn man nicht einen "kurzen Prozeß" mit ihm macht). Der Der Staat, auf dessen Territorium der Mord geschah, hat das sog. Strafprivileg. Das werden sich die Kenianer nicht nehmen lassen und die Bundesrepublik wird, um nicht zu sagen gar nichts tun, um dieses Privileg anzutasten. Niemand will, daß andere Terroristen ihn freipressten. Die Versuche der Bader-Meinhof-Genossen sind noch in zu guter Erinnerung.
w.kamrath 13.06.2012
Wer in diesen Ländern auch nur in U Haft ist dem kommt ein Deutsches Gefängnis wie ein Sanatorum vor . Aber ganz grundlos werden die ihn auch nicht Festgesetzt haben .
Wer in diesen Ländern auch nur in U Haft ist dem kommt ein Deutsches Gefängnis wie ein Sanatorum vor . Aber ganz grundlos werden die ihn auch nicht Festgesetzt haben .
A&O 13.06.2012
Nun, egal ob Gefängnis in Tansania oder Kenya - das toppt die Mühen seiner terroristischen Grundausbildung um Längen. Wünschen wir ihm noch ein langes Leben, damit er es richtig auskosten kann. Kein Vergleich zur Unterbringung [...]
Nun, egal ob Gefängnis in Tansania oder Kenya - das toppt die Mühen seiner terroristischen Grundausbildung um Längen. Wünschen wir ihm noch ein langes Leben, damit er es richtig auskosten kann. Kein Vergleich zur Unterbringung unter Leutberger-Schnarrenhäuser. Vielleicht das richtige Signal für die Jihadis die sich und ihre feigen Ä***** als "Deutsche" immer auf der sicheren Seite wähnen.
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  • Dienstag, 12.06.2012 – 20:53 Uhr
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