Polizeieinsatz auf Kölner Flughafen Festgenommene wollten in Terrortrainingslager reisen

Zugriff in letzter Sekunde: Die Polizei hat in einer Maschine auf dem Flughafen Köln-Bonn zwei Terrorverdächtige festgenommen. Omar D. und Abdirazak B. waren Zeitungsberichten zufolge auf dem Weg in ein pakistanisches Terror-Camp.


Köln - Polizisten holten den Deutsch-Somalier Omar D. und den Somalier Abdirazak B. um 6.55 Uhr kurz vor dem Start aus der KLM-Maschine nach Amsterdam und nahmen sie fest. Beide wollten sich offenbar an möglichen Anschlägen beteiligen und im "Heiligen Krieg" (Dschihad) sterben, sagte LKA-Sprecher Frank Scheulen SPIEGEL ONLINE.

Bundespolizisten auf dem Flughafen Köln-Bonn: Zugriff um 6.55 Uhr
DPA

Bundespolizisten auf dem Flughafen Köln-Bonn: Zugriff um 6.55 Uhr

"Entsprechende Abschiedsbriefe wurden hinterlassen." Die vorläufige Festnahme an Bord des KLM-Fluges 1804 sei "völlig unspektakulär abgelaufen", so Scheulen. Beide Festgenommene hätten in Nordrhein-Westfalen gewohnt. Weitere Einzelheiten wollte das LKA bislang nicht mitteilen.

Nach Informationen des "Tagesspiegels" wollten die beiden Festgenommenen, die schon länger beobachtet worden sein sollen, über Amsterdam und Uganda nach Pakistan reisen. Vermutlich hätten sich D. und B. zur Islamischen Dschihad Union (IJU) begeben wollen, hieß es dem Blatt zufolge in Sicherheitskreisen.

Die IJU soll hinter dem Versuch der sogenannten Sauerland-Gruppe um den deutschen Konvertiten Fritz G. stecken, in der Bundesrepublik Anschläge mit Autobomben zu begehen. G. und zwei weitere Terrorverdächtige waren im September 2007 im Sauerland festgenommen worden.

Kontakt zu Islamisten Breininger?

Wie die Zeitung weiter berichtete, sollen die beiden in Köln Festgenommenen außerdem in Kontakt zu einem Islamisten in Bonn gestanden haben. Dieser solle seinerseits eine Verbindung zu dem gesuchten deutschen Islamisten Eric Breininger unterhalten haben.

Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft sagte allerdings der Nachrichtenagentur AFP, die Festnahmen in Köln hätten nichts mit dem Fall Breininger zu tun. Auch Sicherheitskreise machten gegenüber AFP deutlich, dass beide Fälle klar getrennt werden müssten. Es gebe keine direkten Schnittstellen.

Demnach gingen zwei Polizisten an Bord der Maschine, um die beiden Verdächtigen festzunehmen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE handelte es sich dabei um Beamte der Bundespolizei, die für die Sicherheit an Flughäfen zuständig ist. "Es wurden definitiv keine Spezialkräfte eingesetzt", sagte LKA-Sprecher Scheulen. Die Männer hätten auch keinen Widerstand geleistet.

Nach Angaben einer KLM-Sprecherin in Amsterdam wurden anschließend die Passagiere gebeten, die Maschine vorübergehend zu verlassen. Nach einer Kontrolle des Gepäcks und des Kabinenraums sei das Flugzeug dann mit 70 Minuten Verspätung um 8.24 Uhr nach Amsterdam gestartet.

BKA war informiert

"Es handelte sich um ein eigenständiges Ermittlungsverfahren des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamts", sagte eine Sprecherin des Bundeskriminalamts (BKA) SPIEGEL ONLINE. "Wir sind darüber im Zuge des polizeilichen Informationsaustausches in Kenntnis gesetzt worden." Zu der Frage, ob die beiden Festgenommenen dem BKA bekannt gewesen seien, wollte sich die Kriminalbeamtin aus "ermittlungstaktischen Gründen" nicht äußern.

Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt hatten am Donnerstag eine Öffentlichkeitsfahndung nach Breininger und seinem Gesinnungsgenossen Houssain al-Malla ausgelöst. Die Behörden gehen davon aus, dass sich die beiden Gesuchten aus einem Ausbildungslager im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet auf dem Weg zurück nach Deutschland befinden.

Der Unionsinnenexperte Wolfgang Bosbach (CDU) sprach im TV-Sender N24 von "handfesten Indizien", dass sich die beiden Gesuchten "auf den Weg nach Europa und mutmaßlich auch nach Deutschland gemacht haben". Es sei "jetzt von überragender Bedeutung, dass wir möglichst rasch feststellen, wo sich beide aufhalten".

Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums hob derweil in Berlin hervor, dass es keine veränderte Gefahrenlage für Deutschland gebe. Es gebe "im Moment keinen konkreten Hinweise auf ganz konkrete Anschlagsvorbereitungen", sagte sie mit Blick auf Breininger.

Zugleich verwies sie darauf, dass das Bundesinnenministerium immer wieder gesagt habe, "dass Deutschland im Fadenkreuz des internationalen Terrorismus steht". Es habe auch zunehmend Videos in deutscher Sprache im Internet gegeben.

jdl/AFP/AP/dpa

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