Krawalle in der Hansestadt Hamburger Polizei verkleinert Gefahrenzone

Das Gefahrengebiet in der Hamburger Innenstadt wird verkleinert. Jetzt gelten nur noch Zonen rund um mehrere Polizeiwachen als "Gefahreninseln". Das umstrittene Gebiet war als Reaktion auf Angriffe auf Sicherheitskräfte eingerichtet worden.


Hamburg - Die Zone sollte der Sicherheit dienen, sorgte aber vor allem für Kritik und internationales Aufsehen: Nun wird das sogenannte Gefahrengebiet in mehreren Hamburger Vierteln verkleinert.

Es bleiben rund um mehrere Polizeiwachen "Gefahreninseln" bestehen. Dies gilt für die Davidwache auf der Reeperbahn, die Wache in der Mörkenstraße in Altona und die Wache in der Lerchenstraße auf St. Pauli. Die Zonen gelten zeitlich begrenzt von 18 Uhr bis sechs Uhr morgens.

Am Nachmittag veröffentlichte die Polizei die Grenzen der neuen Gefahrenzonen. So umfasst etwa die "Gefahreninsel" rund um die Davidwache nicht allein das direkte Umfeld des Gebäudes, sondern mehrere Straßenblöcke. Die Regelung tritt am Donnerstag um 18 Uhr in Kraft.

Karte: Die drei "Gefahreninseln" in Hamburg
Polizei Hamburg

Karte: Die drei "Gefahreninseln" in Hamburg

Das Gefahrengebiet, in dem die Polizei jeden Bürger ohne Anlass überprüfen darf, war am vergangenen Samstag als Antwort auf die schweren Krawalle und mutmaßlichen Angriffe auf Polizeiwachen mit teils schwerverletzten Beamten eingeführt worden. Es umfasste die Stadtteile Schanzenviertel, St. Pauli und Altona - der Hamburger SPD-Senat geriet deshalb unter starken Druck.

"Weniger potenzielle Gewalttäter angetroffen"

Bis zum Mittwoch waren dort laut Polizei knapp 160 Aufenthaltsverbote ausgesprochen, gut 60 Menschen in Gewahrsam und vier festgenommen worden. Als Begründung für die Verkleinerung hieß es, es konnten zuletzt "weniger potenzielle Gewalttäter angetroffen werden".

In einem Gefahrengebiet darf die Hamburger Polizei "verdachtsunabhängig kontrollieren", also Passanten und Anwohner anhalten, ihre Sachen "in Augenschein nehmen", den Ausweis verlangen. Bislang hatte es geheißen, die Polizei beurteile die Lage "Tag für Tag" neu und werde dann über das Gefahrengebiet entscheiden.

In einem Interview, das am Donnerstag erschien, hatte Bürgermeister Olaf Scholz das Gefahrengebiet noch verteidigt. "Ich halte die Entscheidung der Polizei für richtig", sagte er der "Bild"-Zeitung. "Ziel ist es, weitere Gewalttaten zu verhindern." Es habe massive Gewalt gegeben, Polizisten seien zum Teil schwer verletzt worden. "In einer solchen Situation ist es notwendig, dass der Staat handelt und für die Sicherheit der Bürger sorgt", sagte Scholz, der auch Landeschef der SPD ist.

In Hamburg kommt es seit Monaten zu Zusammenstößen zwischen Linksautonomen und der Polizei. Die Lage verschärfte sich bei einer gewaltvollen Demonstration am 21. Dezember.

Karte: altes Gefahrengebiet
Polizeipressestelle

Karte: altes Gefahrengebiet

fab/jok



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 93 Beiträge
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Seite 1
TICKundTOOF 09.01.2014
1. Ironie?
Erkennen die Behörden welch Ironie dahintersteckt? Polizeiwache = Gefahrengebiet? Ich kenne mehr Menschen, die durch Polizisten verletzt wurden als Menschen, denen die Polizei geholfen hat. Das ist traurig.
Newspeak 09.01.2014
2. ...
Was ist denn jetzt eigentlich mit der falschen Darstellung der Tatsachen durch die Polizei, die als Begründung für die Gefahrenzone herangezogen wird. Hakt da noch jemand nach? Hat das Konsequenzen? Interessiert das Jemanden?
gegenrede 09.01.2014
3. Na endlich
Aber was gab den Ausschlag? Ökonomische Interessen oder verfassungsrechtliche Bedenken? Ich tippe mal auf ersteres, aber jetzt gehört dieses Bürgerrechte einschränkende und Gewaltenteilung ausschaltende kleine "Ermächtigungs-Gesetz" schnellstens in die Tonne gekloppt.
IronSky 09.01.2014
4.
Zitat von TICKundTOOFErkennen die Behörden welch Ironie dahintersteckt? Polizeiwache = Gefahrengebiet? Ich kenne mehr Menschen, die durch Polizisten verletzt wurden als Menschen, denen die Polizei geholfen hat. Das ist traurig.
dann sollten sie ihren bekanntenkreis mal kritisch hinterfragen. sind wohl keine rechtschaffenden menschen...
Proggy 09.01.2014
5.
Zitat von TICKundTOOFErkennen die Behörden welch Ironie dahintersteckt? Polizeiwache = Gefahrengebiet? Ich kenne mehr Menschen, die durch Polizisten verletzt wurden als Menschen, denen die Polizei geholfen hat. Das ist traurig.
...oder es könnte an Ihrem Bekanntenkreis liegen. Es ist traurig, dass Polizisten und Polizeiwachen von linken Spinnern als Freiwild und legitime Ziele ihres angeblich friedlichen Protestes betrachtet werden.
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