Popstar Clueso über die Wahlen: "In der Politik fehlen die lockeren Typen"

Er wollte nicht einmal für Obama vor der Berliner Siegessäule spielen: Der Sänger Clueso hält sich von Politikern fern, doch Wählen ist für ihn Ehrensache. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview erklärt der Thüringer, warum ihn Politik nervt - und seine ostdeutsche Generation besonders desinteressiert erscheint.

Vom Hiphop an die Gitarre: Der coole Clueso Fotos
DPA

SPIEGEL ONLINE: Können Sie sich an Ihre erste Wahl erinnern?

Clueso: (überlegt lange) Das war kurz nach dem Abbruch meiner Frisörlehre, also Ende der Neunziger…Genau 1998, die Bundestagswahl. Da war ich gerade 18. Ich habe mich damals von einem älteren Kumpel beraten lassen - der hatte allerdings andere Ideen als ich, habe ich im Nachhinein festgestellt. Vor den Europa- und Kommunalwahlen im Mai haben wir mit Musikern und Freunden diskutiert - zur Wahl gehen oder nicht? Am Ende kam sogar ein kleines Filmchen dabei heraus - pro Wählen. Allerdings fand ich die Wahlen im Mai tierisch kompliziert, das hat doch kaum einer verstanden, wie all diese Zettel auszufüllen waren. Ich musste mir von den Wahlhelfern technischen Rat holen.

SPIEGEL ONLINE: Am Sonntag sind Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und dem Saarland, einen Monat später Bundestags- und weitere Landtagswahlen. Warum sollte man seine Stimme abgeben?

Clueso: Damit der ganze andere Dreck nicht ins Parlament kommt, die NPD und dieser Mist. Auch wenn keiner Bock hat, man sollte seine Stimme nicht verschwenden. Ich kenne viele, die sagen, ich bleibe zu Hause. So ein bisschen aus Protest, nach dem Motto: Welchen von diesen Affen soll ich denn wählen? Dagegen haben wir dann das Wahlaufruf-Video auf unsere Seite gestellt.

SPIEGEL ONLINE: Stellen Sie sich auch auf die Bühne und sagen: "Leute, geht wählen!"?

Clueso: Ob ich so was im Konzert mache, hängt von der Stimmung ab. Die Leute wollen da keine Befehle bekommen, sondern abschalten. Deshalb muss eine solche Ansage passen. Ich war neulich bei U2, die haben eine Aktion für die Friedens-Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi aus Burma in ihr Programm eingebaut. Das zeigt: Man kann technische Möglichkeiten und Emotionen eines Konzerts für eine Botschaft einsetzen, aber es muss passen - und man sollte ein bisschen mehr Plan haben als ich. Bei mir müsste so was immer mit einem Augenzwinkern kommen, wie: "Schaut Euch die ganzen Vögel an, die Politiker sprechen zwar nicht unsere Sprache, aber irgendeinen müsst Ihr wählen." Aber klar ist: Wenn Du eine Aussage in der Öffentlichkeit triffst, muss man sich damit auseinandersetzen. Und man wird in eine Ecke gestellt. Ich habe darüber viel mit Max Herre (ehemaliger Sänger der Band "Freundeskreis"/Anm. d. Red.) diskutiert. Max sagt, früher habe er ab und an politische Statements abgegeben, politische Songs macht er ja immer noch. Und plötzlich saß er in Uni-Debatten mit Leuten, die sich bei einem bestimmten Thema wirklich auskannten und versucht haben, ihn auseinander zu nehmen.

"Die Bühne ist auch ein heiliger Ort"

SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie auf einem Festival vor 30.000 Leuten "Geht wählen" sagen, sprechen Sie eine Menge Leute an, die sonst möglicherweise nicht zu erreichen sind.

Clueso: Wie gesagt, die Bühne ist auch ein heiliger Ort. Ein kleines Homepage-Video ist da schon etwas anderes. Aber ich werde noch mal drüber nachdenken…

SPIEGEL ONLINE: Wie würden Sie denn Ihre politische Position beschreiben?

Clueso: Das will ich für mich behalten. Ich will nicht sagen, ob ich links oder rechts bin - obwohl ich das natürlich definitiv nicht bin (lacht). Und: Ich weiß natürlich viel zu wenig Bescheid über Politik.

SPIEGEL ONLINE: Wovon machen Sie dann Ihre Wahlentscheidung abhängig?

Clueso: Ich spreche nach wie vor mit den Kumpels, die sich interessieren und auskennen. Die bitte ich um Rat. Ich habe genauso Magenschmerzen wie viele andere, die wählen gehen, wenn sie zu wenig Ahnung haben.

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Forum - Thüringen-Wahl - wie stehen die Chancen von Rot-Rot-Grün?
insgesamt 535 Beiträge
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1.
Berlinjoey 20.08.2009
Zitat von sysopEine linke Mehrheit in Thüringen scheint möglich, doch Bodo Ramelow steckt im Dilemma: SPD und Grüne wollen den Linken nicht zum Ministerpräsidenten wählen. Wie stehen die Chancen von Rot-Rot-Grün in dem Bundesland?
Für die DDR 2.0 ? Ich hoffe nicht gut.
2.
kdshp 20.08.2009
Zitat von sysopEine linke Mehrheit in Thüringen scheint möglich, doch Bodo Ramelow steckt im Dilemma: SPD und Grüne wollen den Linken nicht zum Ministerpräsidenten wählen. Wie stehen die Chancen von Rot-Rot-Grün in dem Bundesland?
Hallo, lächerlich das mit dem nicht wählen wollen von SPD/Die Grünen. Hätte die SPD auch mal so mit den die Die Grünen machen sollen so herr fischer damals als minister. Für mich 3ein grund mehr die Die Linke zu wählen und as ist auch gut so.
3.
Adran, 20.08.2009
Zitat von sysopEine linke Mehrheit in Thüringen scheint möglich, doch Bodo Ramelow steckt im Dilemma: SPD und Grüne wollen den Linken nicht zum Ministerpräsidenten wählen. Wie stehen die Chancen von Rot-Rot-Grün in dem Bundesland?
Wenn Rot/Rot/Grün möglch wäre, was man ja erst noch sehn muss, dann sollte es in Koalitionsverhandelungen nicht das problem sein, dass die Linke (Ramelow) zurück steckt, und eben als ausgleich dafür ein/zwei minister mehr stellt. Wo ein wille auch ein Weg.. Nirgendswo steht, dass der größte Koalitionsparthner auch den Ministerpräsidenten stellen muss..
4.
Berg 20.08.2009
Zitat von sysopEine linke Mehrheit in Thüringen scheint möglich, doch Bodo Ramelow steckt im Dilemma: SPD und Grüne wollen den Linken nicht zum Ministerpräsidenten wählen. Wie stehen die Chancen von Rot-Rot-Grün in dem Bundesland?
"Linke Mehrheit"?? Seit wann wird denn Bündnis90Die Grünen zu Links definiert? Ob sich die Partei dagegen nicht doch verwahrt?
5. Gute Frage!
Brand-Redner 20.08.2009
Zitat von Berg"Linke Mehrheit"?? Seit wann wird denn Bündnis90Die Grünen zu Links definiert? Ob sich die Partei dagegen nicht doch verwahrt?
Aber vielleicht doch nicht die wichtigste in dieser sache. Ich glaube kaum, dass die praogrammatisch-politische Distanz zwischen Grünen und Linken viel größer ist als die zwischen der (vorschröderschen) SPD und der FDP. Und die beiden konnten auch miteinander, sogar im Bund. Wenn allerdings eine politische Alternative in Thüringen an den Eitelkeiten zweier Oppositionsführer scheitern sollte, dann muss man halt dort weiter mit dem Skihelden und Betroffenheitsprofi Althaus vorlieb nehmen. Erst mal müssen sich ohnehin die Wähler äußern.
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