Porträt: Werner Klumpp (FDP): Kämpfer gegen "linke Bazillen"

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Ein Mann, der seine politische Karriere eigentlich schon hinter sich zu haben glaubte, kehrt nun zurück: Werner Klumpp, 70, ist Spitzenkandidat der FDP im Saarland. Neben Wählern scheint es den Freien Demokraten im Saarland auch an geeigneten Kandidaten zu mangeln. Hobbywinzer Werner Klumpp jedenfalls verkündete 1981, er habe die Lust am politischen Geschäft verloren, 1982 verließ der langjährige Wirtschaftsminister des Saarlands die Landesregierung. Bis 1997 war er dann Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Saar. Es folgte nach 14 Jahren die Rückkehr in die Politik: Im Januar 1998 wählten die Delegierten des Saarbrücker Parteitags Klumpp zum Landesvorsitzenden.

Kriegsgeneration

1928 in Baiersbronn im Schwarzwald geboren, gehört Werner Klumpp noch zur Kriegsgeneration: Von Januar 1944 bis April 1945 ist er Luftwaffenhelfer und wird schwerkriegsbeschädigt. In den fünfziger Jahren studiert er in Tübingen Rechtswissenschaften und Politische Wissenschaften. Er wird Richter am Sozialgericht, kommt als Oberregierungsrat ins saarländische Ministerium für Arbeit, Sozialordnung und Gesundheitswesen und leitet schließlich als Präsident den Stadtverband Saarbrücken. Im November 1970 wird er Landesvorsitzender der Saar-FDP und übernimmt 1975, nach dem Einzug in den Landtag, den Fraktionsvorsitz.

Kampf gegen die sozial-liberale Ära

Da sich die FDP vor der Wahl auf ein Bündnis mit der SPD festgelegt hatte, kann die CDU sie nicht zu einem Regierungsbündnis bewegen und muss bei einer Patt-Situation im Landtag allein regieren. 1977 überzeugt Klumpp seine Partei, die nun eine Koalitionsregierung mit der CDU eingeht - gegen den sozial-liberalen Bundestrend. Der FDP-Chef wird Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident. Der Wandel zum Konservatismus lässt bei den Wahlen 1980 die Hälfte der traditionellen FDP-Wähler zur SPD abwandern und macht Klumpp, den Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes, unbeliebt in der Bundespartei.

Kampf gegen die „grünverseuchte Energiepolitik“

Nun will er es also noch einmal wissen, am 5. September sieht er sich schon in den Landtag einziehen und, wie damals, in eine Koalition mit der CDU eintreten. Ganz klar sagt Klumpp, die FDP sei entschlossen, ein Bündnis mit der CDU einzugehen. Der älteste Spitzenkandidat hofft auf Leihstimmen. Doch die CDU des Peter Müller ist nicht mehr die des selbstherrlichen Ex-Ministerpräsidenten Franz-Josef Röder. Der CDU-Kandidat Müller setzt auf die absolute Mehrheit und auf sonst gar nichts.

Währenddessen beschäftigt sich Klumpp schon mal mit Zukunftsvisionen: Das Saarland müsse umstrukturiert werden, hin zum Dienstleistungsbereich, zu Tourismus und Gastronomie. Der "Saarbrücker Zeitung" erklärt er, in der Wirtschaft müsse man "die Pferde zum Saufen bringen", bei Einführung der Vermögensteuer habe man "keinerlei Investitionsneigung mehr". Gegen die Öko-Steuer ist der alte Kämpfer sowieso: "Tödlich" sei die Verteuerung der Energie fürs Saarland, deshalb sei er "radikal gegen diese grünverseuchte Energiepolitik". Von Ministerpräsident Klimmt hält der FDP-Rechtsaußen nichts: Der verbreite in der Maske eines Biedermannes den "sozialistischen linken Neid- und Klassenkampf-Bazillus". Der Kampf gegen den Bazillus, wo immer er auch auftritt, scheint zur Lebensaufgabe geworden zu sein für Klumpp, den Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz: Zur Wahl lässt er Plakate kleben, worauf eine Zitrone prangt - Abwehrkraft gegen "linke Bazillen", lautet der Text.

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