PR-Berater Hunzinger und der Scharping-Fall Verfangen im eigenen Netz

Die engen Verbindungen zum PR-Berater Moritz Hunzinger und dessen Honorare kosteten Rudolf Scharping seinen Ministerposten. Nun muss auch der sonst so umtriebige Hunzinger um seinen Ruf und seine Karriere fürchten, denn der Fall Scharping ist eine mediale Katastrophe, deren Verhinderung eigentlich die Aufgabe des Beraters gewesen wäre.

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Moritz Hunzinger gilt als Profi des Networking
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Moritz Hunzinger gilt als Profi des Networking

Berlin/Frankfurt am Main - Keine Krise ist so schwer, dass Moritz Hunzinger nicht von ihr profitieren könnte. Zwar bezeichnet der 43-jährige Frankfurter die gesamte Affäre um Rudolf Scharping und die Vorwürfe gegen ihn selbst und den Sozialdemokraten als konstruierte "Wahlkampfscheiße". Seine Bildagentur Action Press stört das indes wenig. Ungeniert bietet die Fotoagentur auf der Internetseite der Hunzinger AG für den Freitag unter der Rubrik "Bild des Tages" ein Foto des Frankfurter Herrenausstatters Möller und Schaar an, bei dem Hunzinger für "Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping für rund 50.000 Mark eingekauft haben" soll, wie die Bildbeschreibung vermerkt.

Nach außen hin gibt sich Moritz Hunzinger noch immer unbeeindruckt vom Debakel seines langjährigen Freunds Rudolf Scharping. Tatsächlich aber trägt der umtriebige PR-Berater zumindest einen Teil der Schuld an Scharpings unaufhaltsamem Fall. Ein Berater wie Hunzinger hätte durch interne Sicherheitsmaßnahmen verhindern müssen, dass überhaupt Akten aus seiner Firma an die Öffentlichkeit geraten, schließlich ist Diskretion die wichtigste Säule in diesem Geschäft.

"Jeder Kunde muss doch nun damit rechnen, dass auch er bald in Zeitungen über seine Imagekampagne oder eine Geschäftsanbahnung lesen muss", glaubt ein Branchen-Insider. Es sei ja nicht auszuschließen, dass der Informant im Fall Scharping noch weitere brisante Akten aus dem Hunzinger-Bestand gestohlen hat und diese nun Stück für Stück verhökert.

Lahme Gegenstrategie

Zudem hätte der PR-Profi spätestens in der letzten Woche eine Strategie entwickeln müssen, wie man der kommenden Veröffentlichung im "Stern" entgegen treten kann. Die jetzigen und zukünftige Kunden von Hunzinger werden sich die Affäre merken und in Zukunft vorsichtiger sein, wenn sie ihn engagieren, glauben Kollegen des Frankfurters. Mit Namen will sich bisher niemand gegen Hunzinger stellen, doch Kenner der Branche lästern schon jetzt und oft mit leichter Befriedigung, dass der PR-Star nun "am Ende der Fahnenstange" sei. "Niemand wird diesem Mann mehr etwas Geheimes anvertrauen, außerdem ist der Name Hunzinger für immer und ewig mit der Scharping-Affäre beschmutzt", beschreibt ein prominenter PR-Mann die Lage. "Er ist mit seinem Lobbying zwischen Politik und Wirtschaft einfach zu weit gegangen", sagt ein anderer Öffentlichkeitsarbeiter.

Immer zwischen den Wichtigen: Hunzinger mit Microsoft-Chef Bill Gates und Edmund Stoiber

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Hunzinger also am Ende? Vermutlich nicht, denn noch immer gilt er als einer der besten Networker der Bundesrepublik. Innerhalb von 22 Jahren baute sich der Mann ohne richtiges Abitur und Studium die zweitgrößte PR-Beratung Deutschlands auf. In 22 Ländern hat er Partner, im ersten Quartal 2002 machte er 4,7 Millionen Euro Umsatz. Hunzinger beschäftigt mehr als 100 Mitarbeiter, welche die wertvolle Adresskartei mit mehr als 60.000 Prominenten aus Politik, Wirtschaft und Kultur stetig pflegen und vergrößern. Der Aktienkurs seiner Firma dümpelt indes seit langem unter dem Ausgabekurs. Eine kürzlich angekündigte Einverleibung der Nachrichtenagentur ddp scheiterte.

Keine Beratung für "schlechte Menschen"

Doch trotz der schlechten Zahlen gilt Hunzingers Kundenstamm als der beste der gesamten Branche. Seine Kunden sind meist nicht nur prominent, sondern auch reich an Geld oder Macht oder beidem. Und doch würde Hunzinger nie eine Beratung öffentlich bestätigen. Lediglich "schlechte Menschen" würde er nicht beraten, verriet er kürzlich dem Medienmagazin "Cover".

Vor zwei Jahren organisierte er für Microsoft-Chef Bill Gates eine Deutschlandreise inklusive der richtigen Gesprächspartner bei der Regierung und im Fernsehen. Für den libyschen Diktator Muammar el Gaddafi soll er auch schon an einem Image-Konzept gefeilt haben, und auch der serbische Ministerpräsident Zoran Djindic setzt auf Hunzingers Kontakte in die deutsche Wirtschaft und seine Kenntnis in Sachen Selbstdarstellung. Ex-Kanzler Helmut Kohl gehört für ihn ebenfalls zur Kundschaft und noch diese Woche ließ sich auch die FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper von ihm zur "Begegnung" mit diversen Wirtschaftsgrößen einladen, heißt es auf der Homepage des Unternehmens.

Auch Muammar al-Gaddafi ließ sich angeblich von Hunzinger beraten
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Auch Muammar al-Gaddafi ließ sich angeblich von Hunzinger beraten

Auch ein Blick in Hunzingers Konzernorganisation offenbart beste Kontakte zur Macht. So kann seine Aktiengesellschaft mit dem ehemaligen Verfassungsschutzchef Peter Frisch oder dem Ex-RTL-Chef Helmut Thoma im Aufsichtsrat aufwarten. Doch echte Öffentlichkeitsarbeit ist Hunzingers Geschäft nicht, denn der "V-Mann" zwischen Politik und Wirtschaft ("SZ-Magazin") vermittelt lediglich, bringt Menschen zusammen, wie er es bescheiden sagen würde. Meist ist dabei einer der Beteiligten ein Politiker, der andere ein Top-Manager oder Unternehmer.

Alle außer Scharping spendeten die Honorare

Karl Ehlerding wollte sein schlechtes Image mit Hilfe von Hunzinger aufpolieren
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Karl Ehlerding wollte sein schlechtes Image mit Hilfe von Hunzinger aufpolieren

Problematisch ist dieses Geflecht, das Hunzinger auf seinen regelmäßig in Frankfurt und Berlin stattfindenden Salons zelebriert, allemal. Denn im Gegensatz zu Branchenkollegen vermengt Hunzinger widersprüchliche Mandate. Zum einen macht er Image- und Lobbyarbeit für Politiker. Zudem tritt er selbst als Lobbyist für verschiedene Interessen und Unternehmen bei eben diesen Politikern auf. Darum muss einem Politiker klar sein, sobald er sich auf einen Beratervertrag mit Hunzinger einlässt, dass der PR-Mann den Kontakt irgendwann auch nutzen will.

Die Grünen Joschka Fischer oder Rezzo Schlauch, den CDU-Fraktionschef Friedrich Merz, den Ex-Außenminister Klaus Kinkel und eben auch Rudolf Scharping hielt das indes nicht ab, gegen ein Honorar von knapp 20.000 Mark bei Hunzinger aufzutreten. Einziger Unterschied: Bis auf Scharping leiteten alle anderen die stets haarscharf unter der laut Parteispendengesetz meldepflichtige Summe als Spenden für die Parteikasse. Scharping dagegen gab zu seiner Verteidigung an, er habe innerhalb von vier Jahren eine entsprechende Summe für verschiedene gemeinnützige Zwecke gespendet.

Die Affäre um Scharping ist für Hunzinger indes nicht die erste Situation am Rande der Legalität. Das Image des stets akkurat gekleideten Frankfurters erlitt schon im vergangenen Frühjahr schweren Schaden. Damals war der Großaktionär wegen Insidergeschäfte mit Aktien der eigenen Firma vom Amtsgericht Frankfurt zu einer Geldstrafe von 52.000 Mark verurteilt worden. Der Unternehmer zahlte, bezeichnet sich aber bis heute als unschuldig.

PR-Arbeit für die CDU-Spender

Seine Frau hatte Rudolf Scharping auf einer von Hunzingers Partys kennen gelernt
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Seine Frau hatte Rudolf Scharping auf einer von Hunzingers Partys kennen gelernt

Auch in der CDU-Spendenaffäre soll Hunzinger eine zentrale Rolle gespielt haben. So soll er nach Angaben des "Stern" den Anstoß für die 100.000 Mark-Spende des Waffenhändlers Karlheinz Schreiber an die CDU gegeben haben, die Kohl und vor allem Wolfgang Schäuble schließlich in den Abgrund stürzten. Damals soll Hunzinger das Essen für die potenziellen Spender in einem Bonner Nobel-Lokal organisiert haben.

Wenig später übernahm er ausweislich des Geschäftsberichts der Hunzinger AG die Öffentlichkeitsarbeit für den Hamburger Geschäftsmann Karl Ehlerding, der wegen einer mutmaßlich interessensgebundenen Millionenspende an die CDU in die Schlagzeilen geraten war. Gleichzeitig sorgte Hunzinger dafür, dass der Liechtensteiner Finanz-Jongleur Herbert Batliner, auch verstrickt in den CDU-Spendensumpf, in Deutschland mehrmals die Möglichkeit bekam, sich im rechten Licht darzustellen.

Bei Scharping ist die Image-Kampagne von Moritz Hunzinger mit dem Rausschmiss grandios gescheitert. Gleichwohl könnte sich der PR-Mann jetzt auch freuen. Schließlich kann Scharping nun endlich das versprochene Buch über seine Zeit als Oppositionsführer schreiben, für das ihm Hunzinger einen Vorschuss von 80.000 Mark überwies. Das Buch werde "sehr spannend", versprach der Frankfurter am Tag des Scharping-Endes gleich mehrfach.



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