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Präimplantationsdiagnostik: Kauder fordert Verbot von Embryonen-Tests

Der Streit um Erbguttests an Embryonen geht in eine neue Runde: Der Unionsfraktionschef Volker Kauder erneuert jetzt im SPIEGEL die Forderung nach einem Verbot. Verstöße müssten unter Strafe gestellt werden.

Volker Kauder: "Keine Notwendigkeit für ein Burkaverbot" Zur Großansicht
dpa

Volker Kauder: "Keine Notwendigkeit für ein Burkaverbot"

Berlin/Hamburg - Der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Volker Kauder, hat sich mit scharfen Worten dafür ausgesprochen, die Präimplantationsdiagnostik (PID) zu verbieten. "Der Versuch, die PID auf einige wenige Fälle zu beschränken, wird nicht gelingen", sagte er dem SPIEGEL. "Es wird nach meiner Überzeugung fast zwangsläufig zu Selektionen kommen."

Kritiker der PID, darunter die CDU, argumentieren unter anderem, das Grundgesetz verbiete die Tötung menschlichen Lebens. Befürworter meinen hingegen, es sei unethisch, den Menschen diese Möglichkeit der Medizin zu nehmen. Um das Reizthema herrscht ein Dauerstreit in der Regierung. Im Dezember hat eine fraktionsübergreifende Gruppe von Parlamentariern einen Vorstoß unternommen, diesen beizulegen - mit einem Papier, dass die Diagnostik in Ausnahmefällen wie einer schweren erblichen Vorbelastung der Eltern zulassen würde.

Kauder hingegen plädiert für ein Verbot und verlangt, Verstöße ausnahmslos unter Strafe zu stellen. Es handele sich bei der PID "nicht um eine solche Konfliktsituation wie nach einer Vergewaltigung, wenn sich die Frage der Abtreibung stellt", sagte er.

Keine Burka in Deutschland

Im SPIEGEL-Gespräch verlangte Kauder zudem, Deutschland müsse sich angesichts der Angriffe auf Christen in aller Welt, wie zuletzt in Ägypten, als "Schutzmacht der Religionsfreiheit" verstehen. Zugleich sprach er sich für Toleranz gegenüber Muslimen in Deutschland aus.

Für ihn sei es eine "Selbstverständlichkeit, dass Muslime Häuser bauen dürfen, in denen sie ihren Gott anbeten und ihre Religion leben können". Ein Verbot der Burka in Deutschland lehnte Kauder ab: "Ich finde das nicht schön, aber ich sehe keine Notwendigkeit für ein Verbot."

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insgesamt 73 Beiträge
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1. PID vs. Spätabtreibung
Myrilia 16.01.2011
Wenn Herr Kauder der Meinung ist die Abtreibungsfrage stelle sich nur nach einer Vergewaltigung, dann kann man doch Gesetzesvorschläge von ihm nicht mal ansatzweise ernstnehmen. Schließlich scheint er offensichtliche Defizite in seiner Kenntnis der aktuelle Gesetzeslage zu haben. Ich bin der Meinung alle Erbkrankheiten, die bei ihrer Entdeckung im Laufe der Schwangerschaft zu einer Spätabtreibung berechtigen sollten natürlich einer PID unterzogen werden. Denn dann wird einfach ein Zellhaufen nicht eingesetzt und nicht der Embryo mit einer Spritze ins Herz durch die Bauchdecke der Mutter getötet. Denn das wäre die gesetzlich erlaubte Alternative im Falles eines Verbotes der PID!
2.
unterländer 16.01.2011
Zitat von sysopDer Streit um Erbguttests an Embryonen geht in eine neue Runde: Der Unionsfraktionschef Volker Kauder erneuert jetzt*im SPIEGEL die Forderung nach einem Verbot. Verstöße müssten unter Strafe gestellt werden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,739759,00.html
Was soll die Absatzüberschrift "Keine Burka in Deutschland"? Im anschließenden Text erklärt Kauder doch, dass er gegen ein Verbot ist.
3. C*U für das Leid der Menschen
LeisureSuitLenny 16.01.2011
Bei solchen Themen ist es immer todsicher: die C-Parteien sind gegen den Fortschritt und für das Leid des Menschen. War früher so, soll ewig so weitergehen, ob richtig oder nicht interessiert nicht. Leid des Menschen ist total christlich. Jeder hat das Recht auf sein persönliches Leid durch eine Geburt, die durch PID nicht zustande gekommen wäre.
4. Ent- oder weder!
Lennard Green 16.01.2011
Erklär mir mal einer diese Logik: die PID soll verboten werden, wenn im Verlauf der Schwangerschaft schwere Schäden des Fötus festgestellt werden und diese dazu führen würden, ein schwerstbehindertes Kind gebären zu müssen - aber wenn es dann so kommt, darf abgetrieben werden... wie hirnamputiert ist das denn? Wenn schon wissenschaftsavers, dann aber richtig: jegliche Schwangerschaftsabbrüche werden bei Androhung der Todesstrafe verboten, auch solche, die im Ausland getätigt werden; behandelnde Ärzte nebst Pflegepersonal werden geteert und gefedert oder am Pranger vier Wochen lang auf dem Marktplatz ausgestellt. Und bei Missernten werden alle über fünfundsechzigjährigen Frauen wegen akuten Hexenverdachts verbrannt (...das hätte was für die Rentenkassen!). Herr Kauder: aus welchem mittelalterlichen Almanach beziehen Sie Ihr Wissen? Nein, ich bin an sich gegen Abtreibungen, insbesondere bei "Unfall-Gezeugten" - aber tue ich den unerwünschten Kindern wirklich einen Gefallen, wenn ich die Eltern dazu zwinge, sie zu bekommen? Wobei zunächst mal die Frauen die vorrangig Leidtragenden sind. Und bei Behinderten wird´s noch extremer: kaum Unterstützung, und die Eltern sitzen alleine im Dreck, weil Pappi Staat plötzlich ganz andere Aufgaben zu erledigen und für die nutzlosen Fresser keine Kohle über hat. Und die Geschichte mit der Selektion findet doch längst statt! Wieviele Eizellen werden denn befruchtet? Und selbst, wenn sich alle normal und unverdächtig entwickeln, bleiben einige davon auf der Strecke... so ist das nun mal, wenn man in die Natur eingreift. Wäre es besser, ungewollt kinderlose Paare so zu belassen und ihnen zu sagen: hat nicht sollen sein, eure Gene sind vermutlich zu schlecht für eine sinnvolle Vermehrung? Also keine PID; gut, dass man es nicht so genau weiss, denn ich hab aus den Reihen der CDU schon anderes gehört... Welche Stimmen man mit diesen neuerlichen Ausfällen wohl zu fangen hofft?
5. Schwachfug
black wolf, 16.01.2011
Keine Überraschung: Religionsfreiheit hui, Freiheit von Religion pfui. Nach wie vor haben Kauder und seine Gesinnungsfreunde kein Argument, wenn man ihnen ihre willkürliche Zuweisung von Menschenrechten an Zygoten nicht abnimmt. Dass eine Menschliche Person erst nach Monaten und nur im Uterus entsteht, ist für solche Dogmatiker ohne Belang. Es interessiert sie nicht das Wohl der Familie, die mit der Auswahl einer gesunden Zygote ein Kind oder mehrere zur Welt bringen, sondern sie sollen auf gut Glück ein behindertes Kind haben müssen, und sich dann lieber für die Abtreibung entscheiden, oder gleich kinderlos bleiben. Wenn aus dem Lager der Kontrollfreaks und Patriarchen behauptet wird, man wolle mehr Kinder, die so unbeschwert wie möglich aufwachsen, dann weiss man, dass man einen Lügner vor sich hat. Für das "slippery slope"-Argument fehlt jeder Beleg. Wenn vor zehntausend Jahren einer gesagt hätte, wenn wir das erlauben, dann werden Menschen dadurch sterben - dann wäre das Rad nie erfunden worden. Ein Verbot der PID ist völlig eindeutig unethisch, wenn man nicht mit vorgefasstem, verbissenem Glauben an den bösen Kern jedes Menschen herangeht. Es ist unethisch, jedem kinderlosen Paar pauschal einen Willen zur Selektion "übermenschlicher" Gene zu unterstellen. Es ist unethisch, solches weiter zu behaupten, obwohl ausführlich dargelegt wurde, dass solche Vorhaben technisch gar nicht möglich sind, und nach allen Aussichten der Genetik auch nicht möglich werden, weil Gene eben nicht monotypisch aussortierbar sind.
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Präimplantationsdiagnostik (PID)
Worum geht es?
DPA
Bei dem Verfahren werden einem im Reagenzglas entstandenen Embryo ein bis zwei Zellen entnommen. Es geht darum, deren Erbgut zu untersuchen. Ziel ist es, unter anderem Krankheiten aufzudecken, die auf zu viele oder zu wenige Chromosomen zurückgehen. Beim Down-Syndrom ist beispielsweise das Chromosom 21 dreimal vorhanden. Möglich sind auch Untersuchungen auf einzelne veränderte Gene, die beispielsweise für Muskelschwund, Lungen- und Stoffwechselkrankheiten oder die Bluterkrankheit verantwortlich sind.
Verfahren 1: Diagnose im Blastomerenstadium
Bei dieser am häufigsten angewendeten Untersuchung werden dem Embryo am dritten Tag nach der Befruchtung im Reagenzglas ein oder zwei Zellen zur Untersuchung entnommen. Der Embryo befindet sich zu diesem Zeitpunkt im sogenannten Blastomerenstadium. Das heißt, seine vier bis acht Zellen gelten als totipotent - jede einzelne könnte sich in der Gebärmutter noch zu einem vollständigen Organismus entwickeln. Totipotente Zellen sind nach dem deutschen Embryonenschutzgesetz einem Embryo gleichgestellt.
Verfahren 2: Diagnose im Blastozystenstadium
Auch zu einem späteren Zeitpunkt ist im Prinzip noch eine PID möglich, zum Beispiel im sogenannten Blastozystenstadium. Dann besteht der Embryo aus etwa 50-200 Zellen. Die Zellen der sogenannten inneren Zellenmasse gelten als pluripotent, das heißt aus ihnen können sich noch verschiedene Gewebe entwickeln. Die Diagnose im Blastozystenstadium hatte der Berliner Arzt angewendet, dessen Fall vor dem BGH verhandelt wurde.
Alternative: Polkörperdiagnostik
Bei diesem Verfahren wird nur die Eizelle untersucht - und zwar vor Abschluss der Befruchtung. Im Blick stehen die Polkörper, die beim Reifen der Eizelle entstehen. Sie enthalten einen Satz des mütterlichen Erbgutes. Damit lassen sich zumindest die mütterlichen Erbanlagen der Eizelle indirekt auf Chromosomen-Fehlverteilungen überprüfen. Väterliche Vorerkrankungen können so hingegen nicht untersucht werden. Weil bei dieser Methode kein Embryo manipuliert wird, steht sie nicht im Widerspruch zum Embryonenschutzgesetz.

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