Präsident in Not: Bettina Wulff überrascht mit Blitzbesuch bei Springer

Bundespräsident Wulff will im Amt bleiben, jetzt bemüht sich seine Frau Bettina öffentlich um Normalität - und besucht demonstrativ den Neujahrsempfang der Springer-Zeitung "Hamburger Abendblatt". Die Botschaft: Die Krise ist vorüber. Kanzlerin Merkel kann das nur recht sein, doch im Volk gibt es große Zweifel.

Präsident in der Krise: Immer nur lächeln Fotos
dapd

Hamburg - Es war beinahe wie in alten Zeiten. Sie strahlt, sie lächelt, sie badet in der Menge - genauso wie es die Fotografen von Bettina Wulff gewohnt sind. Wäre da nicht die Krise um ihren Mann. Denn als Ort ihres großen Auftritts suchte sich die Gattin des Bundespräsidenten Christian Wulff ausgerechnet den Neujahrsempfang des "Hamburger Abendblatts" aus, das - wie die "Bild"-Zeitung - im Springer-Verlag erscheint.

Zur Erinnerung: Wulff hatte dem Chefredakteur der "Bild"-Zeitung, Kai Diekmann, vor der Veröffentlichung eines Artikels über seinen Schnäppchenkredit eine Nachricht auf der Handy-Mailbox hinterlassen, mit Konsequenzen gedroht und unter anderem von "Krieg führen" gesprochen. Auch in einem Telefonat mit Springer-Chef Mathias Döpfner soll Wulff ähnliche Drohungen ausgesprochen haben.

Keine Berührungsängste, trotz allem - das sollte wohl die Botschaft des Besuchs sein, der am Montag für allgemeine Überraschung sorgte. Bettina Wulff mischte sich unter die rund tausend Gäste der Veranstaltung und war gefragtes Motiv für die Fotografen. Lächelnd schüttelte sie unzählige Hände zur Begrüßung und bahnte sich selbstbewusst ihren Weg durch die dichte Menschenmenge.

Angesichts der Kredit- und Medienaffäre ihres Mannes Christian erhofft sich Bettina Wulff nach Angaben von abendblatt.de, dass wieder Ruhe für ihre Familie einkehre und sie gemeinsam mit ihrem Mann ihren Aufgaben nachgehen könne. Zur Affäre sei alles gesagt, zitierte abendblatt.de die Frau des Bundespräsidenten.

Der streitbare FDP-Fraktionschef im schleswig-holsteinischen Landtag, Wolfgang Kubicki, war beeindruckt: "Ich bin sehr überrascht, dass Frau Wulff heute hier ist. Das zeugt von Souveränität."

Merkel bremst Nachfolgedebatte aus

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wäre es offensichtlich am liebsten, wenn die Diskussion um Christian Wulff beendet wäre. Über ihren Sprecher Steffen Seibert ließ sie erklären, sie halte die Debatte über eine mögliche Nachfolge für den Bundespräsidenten für überflüssig. Die Kanzlerin sehe keinen Anlass, sich "über einen möglichen Rücktritt des Bundespräsidenten und eine mögliche Nachfolge Gedanken zu machen", sagte ihr Sprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Seibert wies erneut Berichte zurück, wonach es eine Absprache der drei Koalitionspartner über das Vorgehen bei einem Rücktritt Wulffs gebe. Er dementierte allerdings nicht, dass zu diesem Thema Beratungen stattgefunden hätten.

Seibert bestätigte, dass für diese Woche ein Treffen Wulffs mit Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) geplant sei. Einen Zusammenhang zu der Affäre um Wulffs Privatkredit und seinen Umgang mit Medien wollte der Sprecher aber nicht herstellen: Es handle sich um "ein von langer Hand geplantes Treffen zweier Politiker, die einander sehr lange kennen".

Mehrheit der Deutschen unzufrieden mit Wulff

Nachdrücklich widersprach Seibert dem Eindruck, dass Merkel den Bundespräsidenten wegen der Affäre meide. Die Kanzlerin werde am Donnerstag zu Wulffs Neujahrsempfang auf Schloss Bellevue kommen und "freut sich auf das Wiedersehen mit dem Bundespräsidenten bei dieser Gelegenheit", sagte Seibert. "Die Kanzlerin sieht keinen Anlass, den Rhythmus ihrer Begegnungen mit dem Bundespräsidenten in irgendeiner Weise zu ändern."

In der Frage des Umgangs mit Medien betonte Seibert einen klaren Unterschied zwischen Merkel und Wulff, der vor allem mit seinen telefonischen Beschwerden beim Springer-Verlag viel Kritik auf sich gezogen hatte. "Sie wissen, dass die Bundeskanzlerin nicht die Gepflogenheit hat, Journalisten anzurufen", sagte er. Merkel sehe keinen Anlass, ihr "Telefonverhalten" zu ändern.

Nach einer repräsentativen YouGov-Umfrage im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa ist mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung unzufrieden mit dem Staatsoberhaupt. Nur 28 Prozent bejahten die Frage, ob sie sich von Wulff gut repräsentiert fühlten. Dagegen antworteten 55 Prozent mit Nein.

ffr/dpa/AFP/dapd

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insgesamt 211 Beiträge
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1. "Souveränität"?
hatem1 09.01.2012
Zitat von sysopBundespräsident Wulff will im Amt bleiben, jetzt bemüht sich seine Frau Bettina öffentlich um Normalität - und besucht demonstrativ den*Neujahrsempfang der Springer-Zeitung "Hamburger Abendblatt". Die Botschaft: Die Krise ist vorüber. Kanzlerin Merkel kann das nur recht sein, doch im Volk gibt es große Zweifel. Präsident in Not: Bettina Wulff überrascht mit Blitzbesuch bei Springer - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,808020,00.html)
Herr Kubicki will "Souveränität" erkennen. Ich würde so etwas eher als Eingeständnis eines Fehlers und verdruckste Bitte um Frieden interpretieren.
2. Ich pack mich weg!
Julia Toscani 09.01.2012
Die Show geht weiter... Ich pack mich weg! ;-)
3. Schlagzeile von morgen: ...
weltoffener_realist 09.01.2012
Zitat von sysopBundespräsident Wulff will im Amt bleiben, jetzt bemüht sich seine Frau Bettina öffentlich um Normalität - und besucht demonstrativ den*Neujahrsempfang der Springer-Zeitung "Hamburger Abendblatt". Die Botschaft: Die Krise ist vorüber. Kanzlerin Merkel kann das nur recht sein, doch im Volk gibt es große Zweifel. Präsident in Not: Bettina Wulff überrascht mit Blitzbesuch bei Springer - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,808020,00.html)
Die Schlagzeile von morgen: "Wulffs gehen trotz Krise dreimal täglich aufs Klo". Eine Dreistigkeit, die den Staatsbürger erblassen lässt.
4. ......
Pupsie 09.01.2012
Zitat von sysopBundespräsident Wulff will im Amt bleiben, jetzt bemüht sich seine Frau Bettina öffentlich um Normalität - und besucht demonstrativ den*Neujahrsempfang der Springer-Zeitung "Hamburger Abendblatt". Die Botschaft: Die Krise ist vorüber. Kanzlerin Merkel kann das nur recht sein, doch im Volk gibt es große Zweifel. Präsident in Not: Bettina Wulff überrascht mit Blitzbesuch bei Springer - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,808020,00.html)
Mal ganz ehrlich: Wenn sich dieser Vogel, trotz aller Proteste des Volkes im Amt halten kann, sind wir Deutschen als demokratisches Volk nicht mehr zu gebrauchen.
5. aha
sonya222 09.01.2012
Zitat von sysopBundespräsident Wulff will im Amt bleiben, jetzt bemüht sich seine Frau Bettina öffentlich um Normalität - und besucht demonstrativ den*Neujahrsempfang der Springer-Zeitung "Hamburger Abendblatt". Die Botschaft: Die Krise ist vorüber. Kanzlerin Merkel kann das nur recht sein, doch im Volk gibt es große Zweifel. Präsident in Not: Bettina Wulff überrascht mit Blitzbesuch bei Springer - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,808020,00.html)
hier werden wohl wieder ein paar Nebelkerzen gezündet :))
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