Präsidentschaftskandidat Wulff Christian, der Große

Noch ist er nicht gewählt, trotzdem hat Präsidentschaftskandidat Christian Wulff sehr konkrete Vorstellungen, wie er sein Leben im Schloss Bellevue gestalten will. Mit seiner "coolen" Bettina rockt er auf Konzerten, mit Deutschlands Denkern denkt er - und das WM-Finale in Südafrika ist auch schon eingeplant.

Präsidentschaftskandidat Christian Wulff: "Denken Sie an Friedrich den Großen"
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Präsidentschaftskandidat Christian Wulff: "Denken Sie an Friedrich den Großen"


Hamburg - Optimismus pur: Drei Tage vor der Wahl des Bundespräsidenten hat der Kandidat der Koalition, Christian Wulff, schon mal darüber geplaudert, wie er gedenkt, sein Leben als Staatsoberhaupt zu gestalten. Im Falle seines Sieges in der Bundesversammlung am Mittwoch plane er, eine Spielecke für seinen zweijährigen Sohn in seinem Amtszimmer im Schloss Bellevue einzurichten, sagte der 51-Jährige im Interview mit der "Bild am Sonntag".

Schon jetzt sei der kleine Linus häufig zu Gast in seinem Arbeitszimmer in Hannover, erklärte der Ministerpräsident von Niedersachsen. So werde er es auch in Berlin halten. "Ich habe meine Kinder gern um mich", sagte Wulff. "Kinderlärm ist Zukunftsmusik, und wo Menschen arbeiteten, muss auch Platz für Kinder sein."

Das Schloss Bellevue soll aber keineswegs zu einem Kindergarten, sondern langfristig zu einer "Denkfabrik" werden, versprach der Kandidat der Koalition. Wissenschaftler und Politiker, "Künstler und kluge Köpfe" sollten helfen, das Land "modern und zukunftsfest zu machen".

An Selbstbewusstsein mangelt es Wulff dabei nicht, versteigt er sich doch zu einem historischen Vergleich, der zumindest Zweifel an seiner Bescheidenheit auslöst: "Denken Sie an Friedrich den Großen und seinen Berater Voltaire. Goethe war Minister und von Humboldt preußischer Beamter", erinnert Wulff. Bei der Frage, ob auch sein Mitbewerber Joachim Gauck ein solcher Berater sein könne, gab Wulff sich gönnerhaft: "Selbstverständlich. Ich halte sehr viel von Joachim Gauck."

Den würde die Mehrheit der Deutschen laut einer Umfrage tatsächlich lieber im Schloss Bellevue sehen als Wulff. Nur drei Tage vor der Wahl des Bundespräsidenten liegt der rot-grüne Kandidat laut einer repräsentativen Emnid-Umfrage im Auftrag der "Bild am Sonntag" in der Wählergunst vorn: Demnach halten 42 Prozent der Bundesbürger Gauck für den besseren Kandidaten. 36 Prozent sprachen sich für Christian Wulff aus, den Kandidaten von Union und FDP. Damit legte Gauck seit seiner Nominierung vor gut drei Wochen zehn Prozentpunkte zu.

"Es ist kein Problem, es ist cool"

Auf dem kleinen Parteitag der CSU in Nürnberg hatte Wulff, 51, erstmals den Altersunterschied zwischen sich und dem 70-jährigen Gauck thematisiert. "Es kann doch nicht sein, dass man gar keinen Beruf haben darf, um kandidieren zu können, oder Pensionär sein muss", polterte er. "Ich bin der festen Überzeugung, dass es kein Nachteil ist, wenn man aus der aktiven Politik kommt." Auch sein Privatleben wertet Wulff demnach als Vorzug: Er habe Kinder in Krippe, Grundschule und Gymnasium und kenne von seiner Frau die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Sein Fazit: "Ich halte es nicht für schlecht, wenn der Bundespräsident aus der Mitte des Lebens kommt."

Auf die Frage, ob das auffällige Tattoo seiner Ehefrau bei offiziellen Auftritten ein Problem sein könne, sagte Wulff: "Auch wenn es sie verstört: Es ist kein Problem, es ist cool."

Die 36-jährige Bettina Wulff wäre bei einem Sieg ihres Mannes die jüngste First Lady, die es je in Deutschland gegeben hat. Wulff hatte die frühere Pressesprecherin des Reifenherstellers Continental bei einer Dienstreise nach Südafrika kennengelernt und im März 2008 geheiratet. Beide brachten Kinder aus früheren Beziehungen mit, Wulff eine Tochter aus erster Ehe, seine Frau einen Sohn aus einer früheren Beziehung.

Bettina Wulff arbeitet halbtags als PR-Assistentin, will aber, wenn ihr Mann Bundespräsident werden sollte, den Beruf aufgeben. Sie wolle dann ihre Aufgaben an seiner Seite finden, sagte sie der "Bild"-Zeitung.

Tatsächlich liegt Wulff in der Emnid-Umfrage gerade bei den Frauen mit 41 zu 32 Prozent deutlich vor Gauck. Bei den Männern halten dagegen 53 Prozent den früheren DDR-Bürgerrechtler und nur 31 Prozent den niedersächsischen Ministerpräsidenten für die bessere Wahl.

Allerdings rechnet dennoch jeder zweite Deutsche damit, dass Wulff in der Bundesversammlung am Mittwoch zum Nachfolger von Horst Köhler gewählt wird, 40 Prozent erwarten einen Sieg Gaucks. Die Bundesversammlung besteht aus den 622 Bundestagsabgeordneten und ebenso vielen Mitgliedern, die von den Parlamenten der 16 Bundesländer entsandt werden.

Gern zum WM-Finale nach Südafrika

Auch der Termin für seine "erste programmatische Rede" steht laut Wulff bereits fest: Am 3. Oktober, dem Tag der deutschen Einheit, werde er sich aus Bremen an die Nation wenden, so Wulff. Er wolle sich dafür etwas Zeit nehmen, um "ausreichend tief zu schürfen".

Rockkonzerte wolle er auch in Zukunft weiter besuchen, seiner Frau habe er Karten für einen Auftritt der Band U2 in Hannover besorgt. Innenraum, nicht Tribüne. "Ob das als Bundespräsident geht, weiß ich natürlich nicht genau", so der Kandidat. Die irische Rockband spielt am 12. August - sechs Wochen nach der Präsidentenwahl - in der AWD Arena, dem früheren Niedersachsenstadion in Hannover.

Auch in Sachen Fußball gibt sich Wulff volkstümlich: Wie seine Chefin Angela Merkel tippte er für das Achtelfinale der Fußball-WM gegen England auf 2:1 für Deutschland - allerdings nach Verlängerung. Er setze darauf, dass sich der Spruch des früheren englischen Nationalstürmers Gary Lineker erfülle, wonach am Ende eines Fußballspiels immer die Deutschen gewinnen, sagte Wulff am Samstag bei einer Veranstaltung in Stuttgart.

"Es wäre toll, wenn die deutsche Mannschaft das Finale erreicht", sagte Wulff, der bereits den 1:0-Sieg Deutschlands gegen Ghana richtig vorausgesagt hat. Dann nämlich würde er nach Südafrika reisen. Es spräche viel dafür, dass "die Bundeskanzlerin und der neue Bundespräsident auf der Tribüne sitzen und der Mannschaft gratulieren", sagte er der "Bild am Sonntag".

Allein, ein Restzweifel bleibt: Für den Fall, dass am Ende nicht er nach Südafrika reisen kann, sondern doch Gauck, baute Wulff schon einmal vor. Das Ergebnis der Bundespräsidentenwahl dürfe auf keinen Fall mit dem Schicksal der kriselnden Berliner Koalition verbunden werden. Ein eventuelles Scheitern bedeute nicht das Ende der Regierung von Bundeskanzlerin Merkel.

Der Nachfolger des zurückgetretenen Horst Köhler wird am 30. Juni von der Bundesversammlung in geheimer Abstimmung gewählt. Das Gremium besteht aus den Mitgliedern des Bundestages und der gleichen Anzahl von Delegierten, die von den Landesparlamenten gewählt werden. Darunter sind auch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, nicht nur Landtagsabgeordnete.

Von den 1244 Wahlmännern und Wahlfrauen entfallen auf Schwarz-Gelb 644 Sitze - das sind 21 Stimmen mehr als die absolute Mehrheit von 623 Stimmen. Kann ein Kandidat diese im ersten und zweiten Wahlgang nicht erringen, gibt es eine dritte Abstimmung. Hier reicht die einfache Mehrheit. Es gewinnt, wer die meisten Stimmen erhält.

ala/dpa/ddp

Forum - Sollte der Präsident vom Volk direkt gewählt werden?
insgesamt 1263 Beiträge
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Seite 1
Magentasalex 26.06.2010
1.
Zitat von sysopDie Wahl des Bundespräsidenten wird zur Zeit heftig diskutiert. Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler hat vorgeschlagen das Amt des Bundespräsidenten auch vom Volk wählen zu lassen. Sollte der Präsident vom Volk direkt gewählt werden?
Wem sollte das etwas nützen??? Der Demokratie etwa? - hihihihi....
MadMad 26.06.2010
2. Nein !
Bloss nicht, ich will keinen Dieter Bohlen oder Lena Mayer Landrut als Präsident. Das Volk wählt doch nach Sympathie oder "Kultfaktor" und nicht nach Qualität (ok, ich höre schon den berechtigten Einwand, dass die Politik das auch nicht immer macht). Also bitte lasst es so. In der Regel kommt etwas halbwegs vernünftiges dabei raus. Mad von www.diemeinungen.de
Brand-Redner 26.06.2010
3. Zyklus
Zitat von MadMadBloss nicht, ich will keinen Dieter Bohlen oder Lena Mayer Landrut als Präsident. Das Volk wählt doch nach Sympathie oder "Kultfaktor" und nicht nach Qualität (ok, ich höre schon den berechtigten Einwand, dass die Politik das auch nicht immer macht). Also bitte lasst es so. In der Regel kommt etwas halbwegs vernünftiges dabei raus. Mad von www.diemeinungen.de
Jaja, in der Regel - aber sonst? - Sie wissen doch: In der Regel hatten die Germanen rote Bärte...:-)
henningr 26.06.2010
4.
Zitat von sysopDie Wahl des Bundespräsidenten wird zur Zeit heftig diskutiert. Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler hat vorgeschlagen das Amt des Bundespräsidenten auch vom Volk wählen zu lassen. Sollte der Präsident vom Volk direkt gewählt werden?
Ich brauche keinen Bundespräsidenten, der mir die Notwendigkeiten der Politik erklärt. Ich benutze lieber meinen eigenen Kopf, deswegen geht mir diese Wahl ziemlich am Allerwertesten vorbei.
saul7 26.06.2010
5. ++
Zitat von sysopDie Wahl des Bundespräsidenten wird zur Zeit heftig diskutiert. Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler hat vorgeschlagen das Amt des Bundespräsidenten auch vom Volk wählen zu lassen. Sollte der Präsident vom Volk direkt gewählt werden?
Ich bin für eine Direktwahl des Präsidenten. Der Repräsentant sollte das Volk abbilden, von dem er gewählt wurde.
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