Präsidentschaftskandidat Wulff "Ich habe mich nicht beworben"

Hat er sich selbst ins Spiel gebracht? Ist Ex-Favoritin Ursula von der Leyen nun sauer? Christian Wulff spricht in einem Interview erstmals öffentlich über die Details seiner Nominierung als Präsidentschaftskandidat. Aus der FDP kommt eine neue Drohung, den Niedersachsen durchfallen zu lassen.

Politiker Wulff: "Eine Verantwortung, auf die man nicht hinarbeitet"
MARCO-URBAN.DE

Politiker Wulff: "Eine Verantwortung, auf die man nicht hinarbeitet"


Hamburg - Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hat erstmals Details seiner Nominierung für das Amt des Bundespräsidenten genannt. "Ich bin nicht gedrängt worden, habe mich nicht beworben, aber die Chance beherzt ergriffen", sagte er dem "Hamburger Abendblatt". Am Dienstagabend vergangener Woche sei er "nach Berlin gefahren in der Erwartung, dass mich Angela Merkel für ihren Vorschlag gewinnen möchte, der Ursula von der Leyen, Wolfgang Schäuble oder anders hätte heißen können", sagte Wulff. "Das Ergebnis des Gesprächs war: Angela Merkel konnte sich mich als Kandidat vorstellen."

Am Mittwochmittag habe er der Kanzlerin gesagt, dass er bereit wäre und sich freuen würde, "wenn sie es durchsetzen könnte". Der Ministerpräsident hob hervor: "Sicher, dass ich Kandidat würde, war ich mir, als ich am Donnerstagnachmittag ins Kanzleramt bestellt wurde und dort auf Horst Seehofer, Guido Westerwelle und Angela Merkel traf."

Auf die Frage, ob ihm Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die lange als Favoritin gegolten hatte, leid tue, sagte er: "Sie tut sich selbst nicht leid. Sie war erfolgreiche Familienministerin und verwaltet als Arbeitsministerin den größten Etat des Bundes. Ich würde mir selbst auch nicht leidtun, wenn ich Ministerpräsident von Niedersachsen bliebe. Das Amt des Bundespräsidenten ist eine Verantwortung, auf die man nicht hinarbeitet."

FDP-Mann Hahn: "Das Gerede über Steuererhöhungen muss ein Ende haben."

Wulff plaudert über seine Nominierung - aus der FDP kommen derweil indirekte Drohungen, ihm bei der Wahl zum Bundespräsidenten die Unterstützung zu versagen, falls die verbalen Attacken gegen die FDP nicht aufhörten. "Die bürgerliche Mehrheit für Wulff in der Bundesversammlung ist nicht sicher, solange unter den Wahlleuten der FDP das Unbehagen über die Union groß ist", sagte Hessens FDP-Vorsitzender Jörg-Uwe Hahn der Wochenzeitung "Rheinischer Merkur". "Das Gerede über Steuererhöhungen muss ein Ende haben." Kanzlerin Angela Merkel (CDU) solle "dafür sorgen, dass niemand aus ihren Reihen querschießt". Wulff tritt gegen den Kandidaten von SPD und Grünen, Joachim Gauck, und die Linke Luc Jochimsen an.

Der seit Regierungsbeginn im Herbst anhaltende Streit der Koalitionspartner war in den vergangenen Tagen eskaliert, besonders zwischen CSU und FDP. Dabei fielen Worte wie "Wildsau" und "gesundheitspolitische Gurkentruppe".Hahn sagte: "Noch zwei- oder dreimal Altmaier und noch zwei- oder dreimal Söder und die Mehrheit für Wulff im ersten Wahlgang ist stark gefährdet." Der Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Peter Altmaier (CDU), war am Dienstag auf die Frage nach eventuell doch noch anstehenden Steuererhöhungen ausgewichen und hatte auf die blockierende Haltung der FDP verwiesen. Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) wiederum hatte die Kopfpauschalenpläne von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) maßgeblich mittorpediert.

Chistian Wulff warnte in seinem Interview vor einer Direktwahl des deutschen Staatsoberhaupts. "Ich bin dagegen, den Bundespräsidenten vom Volk wählen zu lassen", sagte er dem "Abendblatt". Eine Direktwahl würde das Staatsoberhaupt mit Erwartungen an Macht und Einfluss versehen, die es nicht einlösen könnte. "Der Bundespräsident ist Hüter der Verfassung und Repräsentant des Staates, aber er gestaltet nicht die Tagespolitik", sagte Wulff. Köhler hatte sich mehrfach für eine Direktwahl des Staatsoberhaupts ausgesprochen.

Wulff bezeichnete Köhler dennoch als eines seiner Vorbilder. Er wolle sich im Fall seiner Wahl an seinen Amtsvorgängern orientieren, kündigte der CDU-Politiker an. "Jeder der Bundespräsidenten hat große Verdienste um unser Land. Jeder der Bundespräsidenten ist auf seine Weise mein Vorbild", sagte Wulff. "Besonders verbunden fühle ich mich Horst Köhler, den ich auch in seinem Urlaub auf Norderney getroffen habe." Wulff lobte Köhlers "herausragende Fähigkeit, den richtigen Ton zu treffen und behutsame Hinweise zu geben".

Köhler war in der vergangenen Woche überraschend zurückgetreten, als Begründung nannte er mangelnden Respekt vor dem höchsten Staatsamt. Sein Nachfolger wird am 30. Juni gewählt. Neben Wulff kandidieren der für Rot-Grün antretende Bürgerrechtler und langjährige Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde Joachim Gauck und für die Linke die Abgeordnete Luc Jochimsen.

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hat die Aufstellung einer eigenen Kandidatin der Linkspartei für das Amt des Bundespräsidenten als "sinnlos" kritisiert. "Die Kandidatur von Frau Luc Jochimsen wird der Linkspartei nicht aus der Verlegenheit helfen, sich gegebenenfalls zwischen Wulff und Gauck entscheiden zu müssen, wenn es zu einem dritten Wahlgang kommen sollte", sagte Trittin dem "Hamburger Abendblatt". Bei einer Enthaltung würde der Kandidat von Schwarz-Gelb mit Unterstützung der Linken zum Bundespräsidenten gewählt, so Trittin. "Wenn das linke Politik sein soll, ist dieser Partei nicht zu helfen."

anr/dpa

Forum - Wulff oder Gauck - wer wäre der richtige Bundespräsident?
insgesamt 2687 Beiträge
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Seite 1
unelcoendesa 03.06.2010
1.
Wenn schon zwischen den beiden gewählt werden soll, dann bitte Gauck.
oliver twist aka maga 03.06.2010
2.
Zitat von sysopGauck gegen Wulff: So könnte das Duell am 30. Juni aussehen. Die Kanzlerin hat sich auf Niedersachsens Ministerpräsident als Köhler-Nachfolger festgelegt,SPD und Grüne wollen nach Informationen von SPIEGEL ONLINE den ehemaligen Chef der Stasiunterlagen-Behörde als Kandidat für die Präsidentschaft nominieren. Wer wäre Ihrer Meinung nach die richtige Wahl?
Gauck.
Izmir.Übül 03.06.2010
3.
Zitat von sysopGauck gegen Wulff: So könnte das Duell am 30. Juni aussehen. Die Kanzlerin hat sich auf Niedersachsens Ministerpräsident als Köhler-Nachfolger festgelegt,SPD und Grüne wollen nach Informationen von SPIEGEL ONLINE den ehemaligen Chef der Stasiunterlagen-Behörde als Kandidat für die Präsidentschaft nominieren. Wer wäre Ihrer Meinung nach die richtige Wahl?
Gauck natürlich! Deshalb wird's wohl auch Wulff werden.
eikfier 03.06.2010
4. Monnometer
Zitat von sysopGauck gegen Wulff: So könnte das Duell am 30. Juni aussehen. Die Kanzlerin hat sich auf Niedersachsens Ministerpräsident als Köhler-Nachfolger festgelegt,SPD und Grüne wollen nach Informationen von SPIEGEL ONLINE den ehemaligen Chef der Stasiunterlagen-Behörde als Kandidat für die Präsidentschaft nominieren. Wer wäre Ihrer Meinung nach die richtige Wahl?
....Mann Gottes, ist das ein Durchgang hier, diesen Streß halte ich nicht mehr lange durch, muß erst mal austreten...
lulaga 03.06.2010
5. Beine hochlegen
Denkt eigentlich jemand auch daran wie lange wir Steuerzahler für Wulff zahlen müssen, wenn dieser Präsident wird? Läuft es so wie bei Köhler, dann kann er mit 56 Jahren die Beine hochlegen. Im Übrigen ist es mir ein Rätsel was den guten Mann aus Niedersachsen, der außer Osnabrück und Hannover noch nichts gesehen hat, auszeichnet solch ein repräsentatives Amt zu bekleiden. Weltmännisch ist anders!
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