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Problemfall Sarrazin Was Kohl anders als Merkel gemacht hätte

Sarrazin-Karikatur, Kuppel des Reichstages: Ohne Problem über die FünfprozenthürdeZur Großansicht
dpa

Sarrazin-Karikatur, Kuppel des Reichstages: Ohne Problem über die Fünfprozenthürde

2. Teil: Chancen für "Sarrazin-Partei"

Eine "Sarrazin-Partei" könnte die Parteienlandschaft in Deutschland gehörig aufmischen, weshalb eigentlich die SPD ein Interesse haben müsste, ihren ungeliebten Genossen noch in ihren Reihen zu wissen. Eine solche neue Partei könnte aus dem Stand heraus mühelos die Fünfprozenthürde überwinden. Die jüngste Emnid-Umfrage sieht gar ein Potential von 18 Prozent für eine von Sarrazin geführte Partei.

Bislang hat Sarrazin erklärt, dass er nicht an eine Parteigründung denke - täte er das gegenwärtig, lieferte er der SPD-Schiedsgerichtsbarkeit einen rechtlich eindeutigen Grund, ihn aus der Partei herauszuwerfen. Denn die Unterstützung einer Konkurrenzpartei oder die Ankündigung einer Gründung derselben wäre eindeutig parteischädigend. Und wer weiß, wie sich Sarrazin tatsächlich entscheidet, wenn er Job und Parteimitgliedschaft verlustig ist?

Selbst wenn es einer "Sarrazin-Partei" gelänge, die Fünfprozenthürde hinter sich zu lassen, wäre eine Parteigründung nicht so einfach. Denn eine neue Partei rechts von der Union stünde leicht in der Gefahr, als Sammelbecken alle politisch Unzufriedenen und Frustrierten aufzunehmen - bis hin zu solchen Personen, die sich vorher in extremen Parteien engagiert haben.

Fragwürdige Gesellen

Ein demokratietheoretisches Problem jedenfalls existiert: Auch wenn sich in der Bevölkerung zunehmend die Einsicht verbreitet, dass sich Sarrazin mit seinen "biologistischen" Themen auf einem für ihn völlig fremden Feld bewegt, so halten viele doch die Thesen des statistikverliebten Ex-Finanzsenators im Kern für richtig. Sie sind zumindest der Meinung, dass die Politik auf manche Herausforderungen der Migration (Rolle der deutschen Sprache, Zwangsverheiratung, Ehrenmorde, Jugendkriminalität, "Hassprediger") kaum oder gar nicht reagiert.

Doch in der gegenwärtigen politischen Klasse gibt es kaum noch jemanden, der sich dieser Thematik in einer Weise annimmt, dass sich große Teile der deutschstämmigen Bevölkerung durch sie repräsentiert fühlen. Nachdem jetzt auch die Union das ihr als Kompetenzfeld besonders zugeschriebene Thema der Inneren Sicherheit weicher als jemals zuvor behandelt, entsteht zusätzlich ein Vakuum für eine Partei rechts von ihr - mit Folgen für die gesamte Parteienlandschaft, auch für die SPD.

Jahrelanger Rechtsstreit droht

Die Tatsache, dass sich die gesamte politische Elite - vom SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel über den FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle bis zu Wolfgang Schäuble und Merkel - in zum Teil drastischen Worten von Sarrazin distanzierte, dass dieser zudem in Talkshows in der Regel von scharfen und hochemotionalisierten Gegnern persönlich wie inhaltlich angegriffen wurde, führte teilweise auch zu einer Solidarisierung mit Sarrazin, dem man anmerkte, unter welch hohem psychischen Druck er stand.

Eine ganz andere Frage ist allerdings, ob Sarrazins Lust an der Provokation und seine zum Teil kruden Äußerungen einer sachlichen Debatte dienen.

Wenn aber Sarrazin durchhält und den möglicherweise lang andauernden Rechtsweg beschreitet, kann er leicht zum "Märtyrer" hochstilisiert werden - zumal er selber schon von einem "politischen Schauprozess" ihm gegenüber gesprochen hat. Sarrazin müsste gegen eine Entlassungsentscheidung des Bundespräsidenten klagen. Eine erfolgreiche Klage gegen den Bundespräsidenten - das gab es noch nie. Und wenn der Ex-Banker dann in Revision - möglicherweise bis hin zum Bundesverfassungsgericht - geht, dann kann das Jahre dauern.

Das schwierige Thema bliebe der Republik erhalten - und der Kanzlerin auch.

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insgesamt 107 Beiträge
saul7 07.09.2010
"Birne" hätte sich im Vorfeld der Diskussion über die Thesen Sarrazins bedeckt gehalten und sich nicht eingemischt. Das hätte wahrscheinlich auch jeder unserer Bundespräsidenten so gemacht. Die Chancen für eine [...]
Zitat von sysopNicht nur die SPD hat ein Problem mit Thilo Sarrazin. In der Union murren viele über die scharfe Reaktion der Kanzlerin auf die Thesen des Bundesbankers. Der Unmut zeigt: Der erzkonservative Flügel fühlt sich bei CDU und CSU nicht mehr zu Hause. Wie groß sind die Chancen für eine Protestpartei? http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,715773,00.html
"Birne" hätte sich im Vorfeld der Diskussion über die Thesen Sarrazins bedeckt gehalten und sich nicht eingemischt. Das hätte wahrscheinlich auch jeder unserer Bundespräsidenten so gemacht. Die Chancen für eine Kosntituierung einer Protestpartei sehe ich überhaupt nicht. Nach dem Hype um Sarrazin wird es wieder business as usual geben....
Ichbinsleid 07.09.2010
Ich würde mich mit meinen Auffassungen auch eher im konservativen Lager einordnen. Die CDU hat sich schon lange von ihrer Stammwählerschaft verabschiedet und geht denselben Weg wie die SPD. Sie verschwindet in der Belanglosigkeit. [...]
Ich würde mich mit meinen Auffassungen auch eher im konservativen Lager einordnen. Die CDU hat sich schon lange von ihrer Stammwählerschaft verabschiedet und geht denselben Weg wie die SPD. Sie verschwindet in der Belanglosigkeit. Sollte sich jemand finden der eine bürgerlich demokratische Partei gründet wird sich diese Partei wohl mindesten bei 15-20% bewegen. Ich wäre dabei!
Schwarzwälder 07.09.2010
Mein Eindruck ist, dass Merkel den Widerstand gegen den Einfluss des Islams durch türkische Einwanderung aufgegeben hat. Während vor Jahrzenten keiner handeln wollte, scheint sich die Meinung durchgesetzt zu haben, dass man immer [...]
Mein Eindruck ist, dass Merkel den Widerstand gegen den Einfluss des Islams durch türkische Einwanderung aufgegeben hat. Während vor Jahrzenten keiner handeln wollte, scheint sich die Meinung durchgesetzt zu haben, dass man immer weniger handeln kann, und das ist traurig. Ich war früher CDU-Wähler, aber seitdem auch von der CDU vernünftige Politiker wie Stadtkewitz abgewatscht werden, habe ich mich davon abgewandt. Es ist nicht so, dass ich mich in den momentanen rechteren Parteien wirklich wiederfinde - viele finde ich bei denen zu pauschal und unintelligent, wenn dort über "Ausländer" geredet wird. Aber bis es eine vernünftige Partei mit konservativen oder säkularen oder islamkritischen Ansichten in Deutschland gibt (wie die PVV in den Niederlanden) werde ich die Republikaner oder Pro-Parteien als das kleinere Übel sehen, als die CDU.
SteuerSatz 07.09.2010
Wieso eigentlich Problemfall Sarrazin? Langsam reicht es doch! Berichtet objektiv, also bezogen auf die Fakten, oder eben garnicht.
Wieso eigentlich Problemfall Sarrazin? Langsam reicht es doch! Berichtet objektiv, also bezogen auf die Fakten, oder eben garnicht.
pimentos 07.09.2010
Die CDU ist in den letzten Jahren von Mitte Rechts nach links gerutscht. In Deutschland gitb es zur Zeit keine einzige Volkspartei, die man als Rechts bezeichnen könnte,das ist gefährlich. Sarrazin mit der Unterstützung einiger [...]
Die CDU ist in den letzten Jahren von Mitte Rechts nach links gerutscht. In Deutschland gitb es zur Zeit keine einzige Volkspartei, die man als Rechts bezeichnen könnte,das ist gefährlich. Sarrazin mit der Unterstützung einiger hochkarätiger Unterstützer könnte aus dem Stand 20% holen. Wenn eine Bundeskanzlerin der CDU (auch wenn bei ihr die DDR Erbschaft immer sichtbarer wird) das zulässt, könnte man auch von politischem Selbstmord reden.
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Sarrazin und das Geld
Thilo Sarrazin ist seit Mai 2009 Mitglied des Bundesbank-Vorstands. Für die ersten acht Monate im Amt bekam er im Jahr 2009 154.800 Euro, davon werden 121.670,84 Euro für die Berechnung seines späteren Ruhestandsgehalt berücksichtigt. So steht es im Geschäftsbericht der Bundesbank. Seine Kollegen haben für das gesamte Jahr 2009 je 232.000 Euro bekommen. Es ist anzunehmen, dass in Sarrazins Arbeitsvertrag die gleiche Gehaltshöhe steht. Sein Vertrag läuft noch bis 2014.





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