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Fragen zum Super-Wahlsonntag (6): Profitieren Grüne und Linke von der Proteststimmung?

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Baden-Württembergs Grünen-Ministerpräsident Winfried Kretschmann Zur Großansicht
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Baden-Württembergs Grünen-Ministerpräsident Winfried Kretschmann

Die Grünen haben ihren Star Winfried Kretschmann, die Linke ist immerhin im Osten stabil - aber reicht das für eine starke Opposition im Bund?

Die Grünen könnten in Baden-Württemberg ihren bislang größten Triumph einfahren: Die Umfragen sehen die Ökopartei von Ministerpräsident Winfried Kretschmann vorne. Es wäre, so viel ist schon jetzt klar, ein Kretschmann-Erfolg. Der Wahlkampf ist ganz auf den beliebten Landesvater zugeschnitten. Das überdeckt die Schwierigkeiten, die seine Partei 2011 hatte, geeignetes Personal für wichtige Posten zu finden.

Im konservativen Baden-Württemberg steuert Kretschmann seine Truppe bewusst in die Mitte. Das kommt an beim Wähler. Von einem allgemeinen Grünen-Trend kann aber keine Rede sein.

Im Gegenteil: Bundesweit hatte die Partei nach dem Reaktorunglück in Fukushima 2011 ungeahnte Höhen erreicht. Jetzt wird sie vielerorts wieder auf Normalmaß zurechtgestutzt, zum Beispiel in Rheinland-Pfalz. Dort droht den Grünen der Absturz. Waren sie 2011 mit 15,4 Prozent noch der große Wahlsieger, sind sie mittlerweile auf etwa die Hälfte geschrumpft.

Im Duell der beliebten Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und ihrer CDU-Herausforderin Julia Klöckner können sie kaum Akzente setzen. Im Gegenteil: Mit ihrem Einsatz für Windräder und gegen Brückenbauten ecken die Grünen bei vielen Wählern an.

Für die Linke sieht es da kaum besser aus. In Sachsen-Anhalt dürfte es wieder nichts werden mit der Regierungsbeteiligung.

Die rechtspopulistische AfD greift die Protestwähler ab. Dagegen tut sich die Linke bundesweit schwer, in der Flüchtlingskrise ihren Kurs zu finden. Stattdessen eiert sie zwischen sozialen Idealen, Regierungspragmatismus im Osten und rechter Stimmungsmache von Oskar Lafontaine hin und her.

Im Westen bleibt die Linke stabil - stabil schwach. Laut Umfragen reicht es nicht für den Einzug in die Parlamente. Da helfen auch keine Wahlplakate mit Papst-Konterfei und Helmut-Kohl-Bild.

Der rheinland-pfälzische Landesverband galt lange als zerstritten. In Baden-Württemberg wird die Linke von Bernd Riexinger geführt. Der bleibt das, was er als Chef der Bundespartei schon ist: blass.


Super-Wahlsonntag

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1. Warum Grüne wählen?
thombus 10.03.2016
Völlig unverständlich wäre es, wenn man die Grünen wählt, um Protest gegen Merkel zum Ausdruck zu bringen. Das Gegenteil wäre der Fall, denn Merkel hat die chaotische Einwanderungspolitik der Grünen viel Konsequenter umgesetzt, als die Grünen dies jemals gewagt haben, oder es überhaupt in ihrer Macht stand.
2. Profitieren? Nach hies. Auffassung ...
elikey01 10.03.2016
NEIN. Auch wenn Kretschmann sich nur in BW als "Landesvater" so etablieren konnte, weil er eher wenig klassisches GRÜN zeigt, ist er doch ein GRÜNER, wirkt allerdings mitunter wie in der "falschen" Partei. Man stelle sich ihn als CDUler vor: Die CDU könnte mit einem CDU-Kretschmann in BW wieder Spitzenwerte erzielen, womöglich sogar alleine regieren. Charisma ist gefragt. Das haben weder der SPD-Mann Nils Schmid noch der CDU-Wolf. An Kretsche bewahrheitet sich: Wer mit 20 kein Kommunist ist (was er seinerzeit war), hat kein Herz. Wer mit 30 NOCH Kommunist ist, hat keinen Verstand. Doch GRÜNE wie u.a. z.B. Hofreiter, Roth, Peters u.a. (antideutsch wirkende) Fundis tragen inhaltlich und mit der gesamten Art ihrer Auftritte/Publikationen nicht zum Erfolg der GRÜNEN bei. Regional - also in der Kommunalpolitik - sieht das anders aus, weil m.M./Wahrnehmung nach dort die Aktivitäten und Erfolge einfacher nachvollziehbar sind und diese PolitikerInnen nicht so ideologisch verbrämt und damit mehr mit Realitäten/näher den Menschen verhaftet sind, ohne ihr Grundverständnis von "grüner" Politik dafür gänzlich aufgeben. Ein LINKEN-Politiker wie der ewige Polemiker Riexinger dürfte in keiner Partei für Zulauf sorgen. Da sind Wagenknecht und Bartsch schon eher ernstzunehmende "Kaliber", weshalb man sich nur wundern kann, warum ein Riexinger nicht von der Front weggeholt wurde. Ob die AfD-Wähler im Wesentlichen Protestwähler sind (wie man suggerieren will) wird sich zeigen, wenn sie/ihre Protagonisten in den Landesparlamenten oppositionelle pol. Erfahrungen sammeln und daraus überzeugende Ergebnisse präsentieren können. Doch die Etablierten werden ihren das so schwer wie möglich machen, sind sie doch so "demokratisch", die AfD-Leute kommunikativ auszuschließen. Sie werden - wie seinerzeit gegenüber den jungen GRÜNEN - alles versuchen, die AfD wieder rauszukicken - und nach den bisher. Erfahrungen dafür wohl auch keine "Sauereien" auslassen. Die Bewegungen der GRÜNEN war notwendig, um die Etablierten mehr auf Umweltschutz zu programmieren; die AfD wird es wohl sein, um einer meinungsdiktatorischen Machtarroganz insb. bzgl. der Schwerpunkte EU/€uro und Migranten auf die Sprünge zu helfen.
3. Schön wäre es,
swfreund 10.03.2016
wenn der Spiegel die tagesaktuellen Umfragen in diesem Artikel veröffentlichen würde!!!! Aber diese gezeigten mit den niedereren AfD Werten sind dem Spiegel wohl genehmer. toller Journalismus,aber man kann sich ja aktuell informieren und das NICHT im Spiegel. SCHADE!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
4.
scareheart 10.03.2016
Es wird am Sonntag nur einen einzigen Wahlsieger geben,ihr könnt jetzt schonmal die Analyse- und Betroffenheitsartikel schreiben.
5. Es gibt viele Probleme, die nicht gesehen werden wollen...
BjoBa 10.03.2016
Der Rechtsruck in der Bevölkerung ist nicht nur in Deutschland. Es wird keine Demokratie mit mehreren Lösungsvorschlägen in einigen Punkten mehr angeboten, sondern es wird nur ein Weg propagiert... Alternativlos ist das Wort. Es wird gesagt, dass Globalisierung überall ist und die nicht globalisieren sind dem Untergang geweiht (Polen 97% in Polen, Japan 99% Japaner). AfD wird von vielen als rechtsradikal verurteilt. Dabei darf nur ein Gericht urteilen, und danach gilt die Partei als rechtsradikal. Alles andere entspricht keinem juristischen Staat... Die Presse spricht nicht mehr über Die Ukraine, über Probleme in China und andere Regionen, nur noch über Flüchtlinge in D und was man gegen die AfD machen kann... Ohne Alternativen anzubieten oder die die eigene Bevölkerung als nett zu bezeichnen. Also, woher kommt der Zustrom?
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