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Programmdebatte: Linke-Chefin erklärt Kommunismus zum Ziel der Partei

Von Stefan Berg

Klartext bei der Linken: Mitten in der Programmdebatte bekennt sich Parteichefin Gesine Lötzsch zum Kommunismus. Im Marxisten-Blatt "Junge Welt" hat sie einen Text platziert - darin fehlt jedes kritische Wort über die Verbrechen, die im Namen der Ideologie begangen wurden.

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DPA

Linke-Chefin Lötzsch: Wo treibt die Partei hin?

Fester Bestandteil der PDS-Parteitage war stets eine Art Schuldbekenntnis. Es gehörte dazu, die Opfer des Stalinismus zu bedauern, die Toten zu beklagen. Selbst die Formulierung "kommunistische Gewaltherrschaft" war gelegentlich zu hören. Die Parteibosse hielten Distanz zur kommunistischen Plattform und zum Begriff Kommunismus selbst. Mag sein, dass das nicht immer glaubwürdig war. Mag sein, dass es sich bei einigen um ein taktisches Manöver handelte. Aber Leuten wie Andre Brie, Petra Pau oder Lothar Bisky war ihr Bekenntnis durchaus abzunehmen: Demokratischer Sozialismus statt Kommunismus.

Mitten in der Debatte um das Programm der Linken hat deren Vorsitzende Gesine Lötzsch nun einen Text platziert, der die Errichtung des Kommunismus wieder zum Ziel der Partei erklärt. Nicht nur der Text ist für die Partei ein Skandal, auch das Umfeld der Veröffentlichung: Er wurde gedruckt im Marxisten-Blatt "Junge Welt" - als Vorabdruck einer Rede, die Lötzsch am 8. Januar halten will, auf einem Sektierer-Kongress in Berlin, auf dem auch ein hohes DKP-Mitglied und die Ex-Terroristen Inge Viett sprechen werden. Thema: "Wo bitte geht's zum Kommunismus?"

Wörtlich heißt es in dem Text:

"Die Wege zum Kommunismus können wir nur finden, wenn wir uns auf den Weg machen und sie ausprobieren, ob in der Opposition oder in der Regierung. Auf jeden Fall wird es nicht den einen Weg geben, sondern sehr viele unterschiedliche Wege, die zum Ziel führen. Viel zu lange stehen wir zusammen an Weggabelungen und streiten über den richtigen Weg, anstatt die verschiedensten Wege auszuprobieren. Zu lange laufen wir auf Wegen, obwohl wir ahnen oder gar wissen, dass sie nicht zum Ziel führen. Doch wir kehren nicht um, weil wir Angst vor denen haben, die immer noch diskutierend an der Weggabelung stehen und uns mit höhnischem Gelächter empfangen könnten. Wir müssen lernen, Sackgassen zu verlassen und sie nicht ambitioniert als Wege zum Kommunismus zu preisen. Egal, welcher Pfad zum Kommunismus führt, alle sind sich einig, dass es ein sehr langer und steiniger sein wird. Warum eigentlich?"

Die Logik von Lötzsch ist die einer geschulten Leninistin: Danach ist der Kommunismus immer das Ende der Geschichte, nur der "Pfad" dahin ist fraglich. Die Menschheit ist aufgerufen, diesen Weg zu suchen - natürlich unter Anleitung der Partei. Und natürlich nach Untergang der bürgerlichen Gesellschaft.

Mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der Lötzsch über den Kommunismus spricht, vergisst sie dessen Blutspur. Kein Wort verliert sie über die Opfer des Kommunismus, über die Lager in der Sowjetunion, in China oder in Korea, die alle im Namen des Kommunismus errichtet wurden. Nicht einmal über die Kommunisten spricht sie, die Opfer von Kommunisten wurden.

Dieser Text wird die Debatte um die Partei Die Linke verändern. Bislang gab es Diskussionen um einen Vorsitzenden, Klaus Ernst, dessen lächerlichen Sprüche und seinen Lebensstil. Lötzschs Outing wirft ganz andere Fragen auf: Will sie die Partei damit für alle Linken und Linkssektierer öffnen? Will sie damit jeden vermeintlichen Abweichler zurückholen?

Der Wähler hingegen dürfte sich aber folgende Frage stellen: Wo bitte treibt diese Linke hin? Und wer will eigentlich in diesem Land den Kommunismus?

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 1211 Beiträge
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1. Wenn sie das ernst meint, dann...
Markenfetischist 04.01.2011
wird die Linke ja wieder wählbar. Im Moment steckt sie in der politischen Beliebigkeitsfalle.
2. Für ein titelfreies SpOn-Forum.
Rainer Helmbrecht 04.01.2011
Zitat von sysopAufregung bei der Linken: Mitten in der Programmdebatte bekennt sich Parteichefin Gesine Lötzsch zum Kommunismus. Im Marxisten-Blatt "Junge Welt" hat sie einen Text platziert - darin fehlt jedes kritische Wort über die Verbrechen, die im Namen der Ideologie begangen wurden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,737780,00.html
Das ist aber mal eine Überraschung, da wäre ich ja im Leben nicht drauf gekommen;o). MfG. Rainer
3. achso
Epistokrat 04.01.2011
Verbrechen, "im Namen der Ideologie..." unter Durchführung von Autokratie und Faschismus.
4. Och nöööö
Michael Giertz, 04.01.2011
Zitat von sysopAufregung bei der Linken: Mitten in der Programmdebatte bekennt sich Parteichefin Gesine Lötzsch zum Kommunismus. Im Marxisten-Blatt "Junge Welt" hat sie einen Text platziert - darin fehlt jedes kritische Wort über die Verbrechen, die im Namen der Ideologie begangen wurden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,737780,00.html
Und die Anhänger des Kapitalismus verlieren auch kein Wort darüber, wieviele Menschen täglich verrecken, weil sie sich nichtmal mehr die Schale Reis am Tag leisten können - die Zockerbande mit Schlips und Nadelstreifenanzug hat da wieder zugeschlagen. Mal ehrlich - schon der Trailer lässt mir das Messer in der Hose aufgehen, und ich bin nicht grad ein Kommunist ... das ist doch schon Stimmungsmache, nur um jede Auseinandersetzung mit den Linken schon im Keim zu ersticken. Wer nämlich halbwegs offenen Auges die Partei betrachtet, sieht in denen sich selbst disqualifizierende Kasperle, die ihr eigenes Süppchen kochen und so weit von einer Regierungsbefähigung entfernt sind, wie die Partei der "Bibeltreuen Christen" ... und dann weiß man auch, welchen Realitätswert so ein Programm haben kann. Die Linkspartei taugt bestenfalls als Protestpartei. Und da ist es völlig egal, welche Ideologie sie haben. PS: die aktuelle Ideologie, der Götzendienst am Gelde, ist ja auch nicht grad kompatibel mit den Menschenrechten ...
5. Na endlich!
aramis45 04.01.2011
Zitat von sysopAufregung bei der Linken: Mitten in der Programmdebatte bekennt sich Parteichefin Gesine Lötzsch zum Kommunismus. Im Marxisten-Blatt "Junge Welt" hat sie einen Text platziert - darin fehlt jedes kritische Wort über die Verbrechen, die im Namen der Ideologie begangen wurden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,737780,00.html
Was bin ich froh, daß diese Parteichefin endlich einmal die Wahrheit bekannt gibt! Jetzt hat man viel Zeit gewonnen bei Diskussionen zur Identität DER LINKEN und wer es jetzt nicht glauben will der gehört eben zu den Kommunisten!
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