Projekt "Hiros" Bund will kein Geld für Spionage-Satelliten geben

Die Bundesregierung will das Projekt eines deutsch-amerikanischen Spionage-Satelliten nun doch nicht unterstützen. Nach SPIEGEL-Informationen soll die notwendige dreistellige Millionensumme für das Projekt namens "Hiros" nicht fließen. Das erspart Ärger mit Frankreich.

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR): "Wir suchen neue Möglichkeiten"
DPA

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR): "Wir suchen neue Möglichkeiten"


Hamburg/Berlin - Die Entscheidung, dass die Regierung das Projekt "Hiros" (High Resolution Optical System) nicht unterstützen will, sei bereits im vorigen Sommer gefallen, heißt es nach SPIEGEL-Informationen in Regierungskreisen. Nach den ursprünglichen Vorstellungen hätten Deutschland und die USA jeweils drei Satelliten in den Orbit geschickt, die ab 2014 aus rund 500 Kilometer Höhe die Erdoberfläche so detailliert abbilden könnten, dass selbst Objekte von 50 Zentimeter Größe deutlich zu erkennen wären.

Neben kommerziellen Anwendungen und Einsätzen im Katastrophenschutz hätte Hiros auch Spionagezwecken dienen sollen, wie US- Botschaftsdepeschen aus dem WikiLeaks-Bestand belegen. Danach hatte der Bundesnachrichtendienst (BND) großes Interesse an den hochauflösenden Spähern im All, um bestimmte Aufklärungslücken zu schließen. In den Unterlagen ist vom BND als "Hauptkunden" die Rede, der etwa 30 Prozent der geplanten Kapazitäten benötige.

Mit dem US-Partnerdienst NGA hatte sich der BND über diese Pläne bereits ausgetauscht. Eine Zusammenarbeit mit Frankreich oder einem anderen EU-Staat war dabei nicht vorgesehen - im Gegensatz zum Programm "Multinational Space-based Imaging System" (Musis) unter Beteiligung Deutschlands, Frankreichs, Belgiens, Griechenlands, Italiens und Spaniens.

Die Entscheidung gegen eine Finanzierung von "Hiros" in dreistelliger Millionenhöhe erspart der Bundesregierung nun Ärger mit den Franzosen. In einer Depesche der US-Botschaft vom 20. Mai 2009 hatte es geheißen, die Pläne "fordern die Dominanz Frankreichs bei der elektro-optischen Datensammlung Europas heraus".

Projektbeteiligte hatten sich den WikiLeaks-Unterlagen zufolge nach der Bundestagswahl von der schwarz-gelben Koalition mehr erhofft: Kanzlerin Merkel werde möglicherweise 100 bis 200 Millionen Euro lockermachen, wird ein Mitarbeiter in einem US-Botschaftsbericht aus dem Februar 2010 zitiert. Das beim Vorhaben federführende Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt will die Hoffnung nicht aufgeben. "In der Raumfahrt hatten wir viele Projekte, die nicht auf Anhieb funktionierten", so Sprecher Andreas Schütz. "Die optischen Hiros-Satelliten wären eine ideale Ergänzung für unsere Radarkapazitäten, deshalb suchen wir weiter nach Möglichkeiten, das Projekt zu realisieren."

ler

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 33 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Peet89 08.01.2011
1. Richtig so!
Zitat von sysopDie Bundesregierung will das Projekt eines deutsch-amerikanischen Spionage-Satelliten nun doch nicht unterstützen. Nach SPIEGEL-Informationen soll die notwendige dreistellige Millionensumme für das Projekt namens "Hiros" nicht fließen. Das erspart Ärger mit Frankreich. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,738424,00.html
Richtig so, gebt das Geld lieber für was sinnvolles wie Bildung aus oder spart endlich mal!
ofelas 08.01.2011
2. ohne Rueckrat oder Verstand
Mein Gott "das erspart Aerger mit Frankreich", wieso geben wir nicht gleich unsere nationalen Interessen an Paris ab. Die Internet-Plattform Wikileaks wartet mit neuen Enthüllungen auf: Frankreich ist das Land, das die Industriebetriebe seiner europäischen Partner am stärksten ausspioniert. Deutschland steht dabei besonders im Visier. In Deutschland richte die französische Industriespionage sogar noch mehr Schaden an als die chinesische oder die russische, schrieb die norwegische Zeitung „Aftenposten“ am Dienstag unter Berufung auf eine diplomatische Depesche der US-Botschaft in Berlin. „Frankreich ist das Reich des Bösen, was den Technologie-Diebstahl angeht, und Deutschland weiß das“, zitierte die Zeitung den Chef des Bremer Satellitenherstellers OHB Technology, Berry Smutny, aus den Depeschen. Sein Unternehmen hatte sich vor einem Jahr gegen französische Konkurrenz den Auftrag für den ersten Satelliten des europäischen Navigationssystems Galileo gesichert. Die auf Enthüllungen spezialisierte Internetplattform Wikileaks hatte im November damit begonnen, mehr als 250 000 US-Diplomatendepeschen zu veröffentlichen. „Aftenposten“ hat laut eigener Darstellung Zugriff auf alle Dokumente. Sie gehörte allerdings nicht zum Kreis der fünf großen Publikationen, die mit Wikileaks die Veröffentlichung vereinbart hatten. Am Montag hatte die Zeitung Wikileaks-Enthüllungen veröffentlicht, laut denen die USA und Deutschland gemeinsam und geheim einen Spionagesatelliten entwickeln – ungeachtet heftiger Widerstände insbesondere aus Frankreich. http://www.focus.de/finanzen/news/wikileaks-frankreich-spioniert-deutsche-industrie-aus_aid_586920.html
silenced 08.01.2011
3. <->
Zitat von sysopDie Bundesregierung will das Projekt eines deutsch-amerikanischen Spionage-Satelliten nun doch nicht unterstützen. Nach SPIEGEL-Informationen soll die notwendige dreistellige Millionensumme für das Projekt namens "Hiros" nicht fließen. Das erspart Ärger mit Frankreich. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,738424,00.html
Das Geld fließt wieder als Entwicklungshilfe nach China, wie schon mit der geplanten deutschen Mondmission. Gratuliere Deutschland!
weltbetrachter 08.01.2011
4. dann buddelt mal schön ....
... in euren Haushaltsbüchern bis ihr die Millionen für das Projekt beisammen habt. Sollte aber wider erwarten so viel Geld im Staatshaushalt übrig sein, müssen die Befürworter gute Gründe haben, warum das Geld gerade dafür eingesetzt werden muß. Bildung, Schuldentilgung usw. usw. sind weitaus wichtiger - oder etwa nicht ???
Eutighofer 08.01.2011
5. wikileaks vernebelt die Sinne
Die "Sensationsmeldung" über die gemeinsame Satellitenplanung mit den USA war also veraltet und somit aus jetziger Sicht unvollständig und somit falsch. Weshalb werden wikileaks-Berichte nicht sorgfältiger geprüft? Nebenbei: Gemeinsame Projekte mit Frankreich sind schon oft genugaus deutscher Sicht gescheitert, da Frankreich meist wie selbstverständlich die Führungsrolle beansprucht . Kooperationen mit den USA sind oft sinnvoller.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.