Prominenter Hessen-Grüner Al-Wazir entscheidet sich gegen Wechsel in Bundespolitik

Viele sahen ihn schon als neuen Star der Grünen in Berlin - doch Tarek Al-Wazir bleibt lieber in Wiesbaden. "Nach reiflicher Überlegung" verzichtet er jetzt auf eine Kandidatur für den Bundestag - und will lieber im Landtag der SPD die Oppositionsführerschaft abtrotzen.

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Berlin/Wiesbaden - Am Ende war es das Bauchgefühl, sagt Tarek Al-Wazir: "Das hat mir zu verstehen gegeben, dass ich hier wichtiger bin." Hier - das ist für den neuen Star der Grünen der hessische Landtag in Wiesbaden.

Grüner Al-Wazir: "Nicht gegen Berlin, sondern für Hessen"
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Grüner Al-Wazir: "Nicht gegen Berlin, sondern für Hessen"

Natürlich hat für seine Entscheidung, nicht für den Bundestag zu kandidieren, auch der Kopf eine Rolle gespielt. "Ich habe mich nach reiflicher Überlegung nicht gegen Berlin, sondern für Hessen entschieden", sagt er SPIEGEL ONLINE. Das sei keine einfache Entscheidung gewesen.

Al-Wazir hatte als Spitzenkandidat bei der Landtagswahl am 18. Januar ein triumphales Ergebnis eingefahren: 13,7 Prozent - nie waren die Grünen besser in Hessen. Zugleich empfahl er sich damit eindrucksvoll für einen Generationswechsel bei den Bundes-Grünen. Manchem galt er deshalb schon als künftiger Spitzenmann im Bundestag.

Al-Wazir sagt nun, er wolle lieber in Hessen "meinen Teil dazu beitragen, dass wir eine starke Oppositionsarbeit machen und die Oppositionsführerschaft übernehmen". Das sei "nötiger denn je", findet er: "Die SPD ist weiterhin mit sich selbst beschäftigt", und bei der CDU von Ministerpräsident Roland Koch "ist teilweise schon wieder diese Arroganz zu beobachten." Andererseits zeigten sich "Risse im Gefüge der Koch-Partei". Was für den Grünen-Politiker bedeutet: "Diese Legislaturperiode wird spannender als gedacht."

Gegen einen Wechsel nach Berlin habe auch seine private Situation mit zwei kleinen Kindern gesprochen - sie sind gerade dreieinhalb Jahre und acht Monate alt. Ihnen und seiner Frau habe er nach dem harten Wahlkampf nicht auch noch den Umzug zumuten wollen.

Der prominente Grüne weiß, dass nicht wenige in seiner Partei traurig über seine Entscheidung sein werden - unter anderem Parteichef Cem Özdemir, der sich für Al-Wazirs Wechsel nach Berlin ausgesprochen hatte. Er könne die Entscheidung "gut verstehen", auch wenn er sie bedaure, sagt Özdemir nun. "Man kann den Tarek ja leider nicht vervielfachen, das wäre mir am liebsten gewesen." Immerhin sei es "gut, dass Koch mit Tarek einen starken Gegenspieler hat".

Al-Wazir sagt, er habe sich "natürlich darüber gefreut, dass viele Grüne sich meinen Wechsel nach Berlin gewünscht hätten" - aber es sei ja auch "keine Absage für immer. Ich bin doch erst 38". Der Generationenwechsel bei den Grünen "findet auch so statt", und "bundespolitisch werde ich mich ja auch weiterhin einbringen", kündigt er an - als Mitglied des Parteirats und wichtiger Landespolitiker. "Starke Landesverbände machen eine Partei stark."

Unter den hessischen Grünen werden nicht nur jene Al-Wazirs Entscheidung begrüßen, die ihn in Wiesbaden für unverzichtbar halten. Sein Verzicht ist auch eine gute Nachricht für alle, die für die Partei in den Bundestag wollen: Denn die Konkurrenz um die Listenplätze wird jetzt kleiner - Al-Wazir wäre darauf ganz oben gesetzt gewesen.



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