Radikale Islamisten: Salafisten verschenken Koran in deutschen Städten

Die Aktion versetzt Politiker und Sicherheitsbehörden in Sorge: In zahlreichen deutschen Städten haben radikale Islamisten am Samstag kostenlose Koran-Exemplare verteilt. 25 Millionen Exemplare sollen unters Volk gebracht werden.

Salafisten in Offenbach: "Christen und Juden kommen in die Hölle" Zur Großansicht
dapd

Salafisten in Offenbach: "Christen und Juden kommen in die Hölle"

Berlin/Mainz - Die radikalislamischen Salafisten haben die umstrittene Verteilung kostenloser Koran-Exemplare am Samstag in mehreren deutschen Großstädten fortgesetzt. In Berlin händigten sie am zentralen Potsdamer Platz die Bücher an Passanten aus. Zu Zwischenfällen kam es nach Angaben der Polizei weder in Berlin noch in anderen Städten.

Bis zum Nachmittag hatte die Organisation nicht in allen 38 Städten Stände aufgebaut, in denen dies geplant war. Hinter der Aktion steht laut Verfassungsschutz das Netzwerk "Die wahre Religion", das sich um den radikalen Prediger Ibrahim Abou-Nagiegebildet hat. Angeblich will er insgesamt 25 Millionen deutschsprachige Koran-Ausgaben in Deutschland, Österreich und der Schweiz verschenken.

Der Initiator der Koran-Aktion, Ibrahim Abou-Nagie, attackierte Andersgläubige in harten Worten: "Christen und Juden kommen in die Hölle, wenn sie den Islam nicht annehmen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Muslime, die die Religion der Deutschen als gleichwertig bezeichneten, nannte er Verräter.

Die muslimischen Kritiker der Salafisten seien Heuchler. "Denen verspricht Allah die Hölle", sagte er. Abou-Nagie kündigte an, die Koran-Verteilung werde fortgesetzt. Der Präsident des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, warnte vor einer Unterschätzung des Gefahrenpotenzials der Salafisten. Beleg für die radikalen Tendenzen der Salafisten sei der Anschlag auf US-Soldaten am Frankfurter Flughafen im vergangenen Jahr, sagte Ziercke der "Welt am Sonntag".

Infostand nicht fristgerecht eingereicht

"Ich bin der Meinung, dass eine stärkere Aufklärung über die wahren Absichten der Salafisten notwendig ist", forderte er. Dann ließen sich auch Straftaten früher erkennen. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, warnte, das eigentliche Ziel der Salafisten sei der gewaltsame Kampf gegen "Ungläubige". "Die Verteilung des Korans darf nicht als Deckmantel zur Rechtfertigung zur Gewalt benutzt werden", forderte er. Die Aktionen der Salafisten müssten intensiv überwacht werden.

Der Innenexperte der CDU, Wolfgang Bosbach, verlangte von den Behörden, genau zu prüfen, ob durch die Aktion die öffentliche Sicherheit gefährdet werde und deswegen die Verteilung der Korane verboten werden müsse. Die kommende Woche tagende Deutsche Islamkonferenz forderte Bosbach in der "Passauer Neuen Presse" auf, die Koran-Aktion scharf zu verurteilen.

Sollte einer der Protagonisten als Hassprediger bekannt sein, müsse bei Drittstaatsangehörigen auch geprüft werden, ob eine Ausweisung möglich sei, sagte Bosbach: "Salafistische Hassprediger sollten wir nicht dulden. Das wäre falsch verstandene Toleranz." Dass es bereits Drohungen gegen Journalistengab, hält Bosbach für "sehr bedenklich". Sollten Strafgesetze verletzt werden, werde die Justiz einschreiten, kündigte er an. Die Stadt Ludwigshafen hat die Verteilung bereits verboten - mit dem Argument, dass der Antrag für den Infostand nicht fristgerecht eingereicht worden sei.

Hessens Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) warnte die radikalen Salafisten davor, das Grundrecht auf Religionsfreiheit zu missbrauchen. Er habe nichts dagegen, dass in Deutschland Koran-Ausgaben verteilt würden, sagte Hahn der Zeitung "Die Welt". Sobald es dabei aber zu strafbaren Handlungen komme, werde der Staat eingreifen: "Klar ist: Jegliche Form von Gewalt - oder auch nur der Aufruf hierzu - ist durch die Religionsfreiheit nicht gedeckt, sondern kann und wird strafrechtliche Konsequenzen ebenso nach sich ziehen wie eine Abschiebung, ein Einreiseverbot oder das Verbot von Versammlungen", sagte Hahn.

Exemplare nicht auf den Boden legen

CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl bezeichnete Salafisten in der "Bild"-Zeitung als "gefährliche Extremisten und Verfassungsfeinde". Mit der Koran-Aktion versuche die islamistische Bewegung, Nachwuchs zu gewinnen. Uhl forderte den Verfassungsschutz auf, die rund 4000 Anhänger des Salafismus in Deutschland intensiv zu beobachten und die Öffentlichkeit über die wahren Ziele der Bewegung aufzuklären.

Niedersachsens Sozial- und Integrationsministerin Aygül Özkan (CDU) zeigte sich besorgt. "Man darf den Koran nicht als Lockmittel missbrauchen, um insbesondere junge Menschen für eine extremistische Ideologie zu ködern", sagte Özkan der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Insbesondere das Frauen- und Familienbild der Salafisten entspreche nicht der Art, wie die Mehrheit der Muslime in Deutschland und Europa leben wollten. Die Ministerin ist selbst eine Muslima.

Der Vorsitzende des Islamrats und Sprecher des Koordinierungsrats der Muslime, Ali Kizilkaya, hält das Verteilen von Koran-Exemplaren für prinzipiell unproblematisch. "Es ist grundsätzlich erlaubt, religiöse Schriften und damit auch den Koran zu verteilen", sagte er der "Frankfurter Rundschau". Das sei so ähnlich, als würde man die Bibel verteilen. Die Debatte über die Aktion der Salafisten sei "etwas panisch". Er räumte allerdings ein, dass die Salafisten "eine sehr umstrittene Gruppe" seien.

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau hat darauf hingewiesen, dass im Islam jedes Koran-Exemplar eine große Bedeutung hat. Das Buch dürfe deshalb nach der Annahme nicht einfach auf den Boden gelegt werden, warnte ein Sprecher. "Das ist für Muslime völlig undenkbar. Das sollten die Leute wissen, die das annehmen."

boj/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1.
loeweneule 14.04.2012
Zitat von sysopdapdDie Aktion versetzt Politiker und Sicherheitsbehörden in Sorge: In zahlreichen deutschen Städten haben radikale Islamisten am Samstag kostenlose Koran-Exemplare verteilt. 25 Millionen Exemplare sollen unters Volk gebracht werden. Propaganda: Radikale Salafisten verschenken Koran in Deutschland - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,827588,00.html)
Der wievielte Thread über diese Hanseln ist das jetzt eigentlich? Die verteilen Bücher, keine Handgranaten. Der Koran ist hierzulande nicht auf dem Index, man nehme ihnen jede Menge von den Teilen ab, damit sie massenhaft nachdrucken müssen und evtl. pleite gehen. Ich geh mir morgen - so sie in meiner Stadt sind (Insh'allah) - gleich mal einen Stapel davon holen.
2. <->
silenced 14.04.2012
Ist doch schön, und es ist doch nur ein Buch, sollens das eben verteilen.
3. Verantwortung
Eldegar 14.04.2012
Zitat von sysopdapdDie Aktion versetzt Politiker und Sicherheitsbehörden in Sorge: In zahlreichen deutschen Städten haben radikale Islamisten am Samstag kostenlose Koran-Exemplare verteilt. 25 Millionen Exemplare sollen unters Volk gebracht werden. Propaganda: Radikale Salafisten verschenken Koran in Deutschland - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,827588,00.html)
Und wenn ich es doch täte, wäre ich selber für eine etwaige Reaktion verantworlich? Angenommen, man würfe den Koran sofort in den Mülleimer (wäre in der Tat sehr albern), würde dieses den Salafisten nicht einmal im Ansatz gestatten, unfreundlich zu reagieren. Blöde Warnung, aus Angst geboren.
4. Hölle
callistonairi 14.04.2012
In enem aufgeklärten Europa soll "Sonst kommst du in die Hölle" wirklich irgendwie noch eine Drohung sein? Ich glaube nicht an eine physisch existierende Hölle - sollte also einer mir den Koran anbieten, werde ich freundlich ablehnen und weitergehen. Sollten vermutlich alle so machen!
5. Wissen Sie,
agua 14.04.2012
Zitat von EldegarUnd wenn ich es doch täte, wäre ich selber für eine etwaige Reaktion verantworlich? Angenommen, man würfe den Koran sofort in den Mülleimer (wäre in der Tat sehr albern), würde dieses den Salafisten nicht einmal im Ansatz gestatten, unfreundlich zu reagieren. Blöde Warnung, aus Angst geboren.
das ist wie mit den Tsunamiwarnungen.Nicht gewarnt, kommt ein Tsunami, haette man doch nur gewarnt.Gewarnt, kommt kein Tsunami,noch besser.
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