Propaganda-Videos YouTube schaltet NPD-Wochenschau ab

Die Pläne der NPD für eine wöchentliche Nachrichtensendung im Internet sind vorerst gestoppt. Das Video-Portal YouTube nahm die beiden Testsendungen der rechtsextremen Partei nach einem Bericht von SPIEGEL ONLINE aus dem Netz - das Projekt NPD-TV ist damit allerdings nicht tot.

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Berlin - Seit dem späten Mittwochabend sind bei YouTube nur noch klägliche Reste von dem zu sehen, was die NPD als Vorläufer für ihre geplante rechtsextreme Wochenschau gedacht hatte hatte. Die zwei Testsendungen "Die Woche - kritische Nachrichten" mit dem hessischen NPD-Landeschef Marcel Wöll als Moderator sind nur noch als Link in Verzeichnissen des Dienstes zu finden. Wer darauf klickt, um sich die zehnminütigen Sendungen anzusehen, erhält eine Fehlermeldung: Die Inhalte des Videos seien nicht mit den Regeln des Portals vereinbar - deshalb habe YouTube sie entfernt. NPD-TV ist vorerst gestoppt.

NPD-Testsendung mit Moderator Marcel Wöll: "Medienoffensive mit bewegten Bildern"

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Die YouTube-Macher haben zügig reagiert - und damit den Internet-Fernsehplänen der NPD, die Parteisprecher Klaus Beier am Mittwoch SPIEGEL ONLINE bestätigt hatte, einen Schlag versetzt. Eigentlich wollte sich die Bundespartei ab November wöchentlich mit einer Sendung im Stil der ARD-"Tagesschau" aus der Parteizentrale in Berlin-Köpenick melden. Als Begründung für das Selfmade-Fernsehprojekt gab Beier an, in den normalen Medien komme die Partei nicht richtig vor. Deshalb wollten sich Parteichef Udo Voigt und andere Kameraden lieber auf diese Weise äußern.

Der Bericht von SPIEGEL ONLINE gestern löste in der Internet-Gemeinde Massenproteste aus. In Foren wurde das geplante NPD-TV intensiv diskutiert - und auch schon die Möglichkeit erörtert, das rechte Format über Hackversuche und andere Sabotageakte zu blockieren. Viele Benutzer des Internetportals YouTube meldeten sich auch per Leserbrief und kündigten Beschwerde bei den Machern von YouTube an.

Warum die Videos genau gesperrt wurden, blieb zunächst unklar. YouTube war trotz mehrmaliger Anfrage in den USA am Mittwoch nicht zu erreichen. Grundsätzlich haben die Macher mit extremistischen Inhalten wie Nazi-Videos kein Problem: Das Portal bietet Tausende solcher Filme an, die Mitglieder hochgeladen haben. Möglich ist, dass YouTube aufgrund des Urheberrechts eingeschritten ist: Am Mittwochnachmittag hatte sich ein Leser anonym bei SPIEGEL ONLINE gemeldet und behauptet, manche Inhalte der beiden Videos seien urheberrechtlich von ihm geschützt.

Sicher ist: Das Abschalten der beiden NPD-Testsendungen bedeutet nicht das Aus für die Internet-Fernsehpläne der Rechtsextremen. Die Partei hatte schon am Mittwoch angekündigt, auch andere Wege als YouTube zu nutzen. Parteisprecher Beier sagte, die Sendung aus der Parteizentrale solle auch über die Homepage der NPD verbreitet werden. Bis heute Mittag waren dort keine Videos zu finden. Beier ließ heute aber in einer Pressemitteilung eine "Medienoffensive" verkünden - mit "einer ganzen Reihe von Graswurzelprojekten", Audio-Dateien und "spätestens zum Winter" einem "Nachrichtenprogramm mit bewegten Bildern".

Immerhin: Auch wenn am Ende rechtsextreme Sendungen auf der NPD-Seite erscheinen und bei den Anhängern der Partei ankommen - sie werden dort nicht so viele zufällige Zuschauer finden wie bei YouTube. Dort war das Video mit eindeutigen Begriffen wie "Hitler" oder "Nazi" leicht zu finden.



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